Brot vom Himmel!

Der sechs lange Jahre währende zweite Weltkrieg war im Mai 1945 vorüber und die überlebenden Bewohner der Hauptstadt Berlin atmeten auf und versuchten aus ihren von Bomben zerstörten Häusern wieder bewohnbare Unterkünfte zu schaffen. Daneben plagte sie die Sorge um die Beschaffung des täglichen Brotes, das so sehr knapp geworden war. In dieser schwierigen Zeit erlebten wir als Familie die wunderbare Hilfe Gottes auf vielerlei Weise. Dabei erlebte auch ich das Wunder, wie Gott die hermetisch geschlossenen Grenzen der lnselstadt Berlin für mich auftat, sodass ich im Mai 1948 für sechs  Wochen nach England fahren durfte. Gott schenkte mir dort eine so überwältigend schöne und gesegnete Zeit, dass ich an diesem wunderbaren Ort all die Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre fast vergaß. Aber dann hieß es im August wieder zurück zu reisen in das arme zerstörte Deutschland, nach unserer Inselstadt Westberlin - Doch da erreichte uns - eine Berliner Studentin und mich - auf dem Wege dorthin eine sehr bedrückende Nachricht, die besagte: Alle Grenzen nach Westberlin sind gesperrt und keiner kann mit Bus oder Bahn nach Westberlin kommen! Was das für uns bedeuten würde, ahnten wir zunächst noch nicht! Aber als wir mit der Bahn in Hannover ankamen und uns nach dem nächsten Zug nach Berlin erkundigten, sagte man uns: es fährt kein Zug nach Berlin!! Was nun?! Wir kamen gerade aus England und man riet uns: Fragt doch mal bei der englischen Kommandantur nach, was ihr tun sollt, denn ihr seid ja Westberliner aus dem britischen Sektor von Berlin! Gesagt, ::Pictures to use:C-47s_at_Tempelhof_Airport_Berlin_1948.jpg getan! Doch dort machte man nicht viel „Federlesens“, sondern drückte uns eine Flugkarte nach Berlin in die Hand, ohne Geld, da ja auch gerade die neue deutsche Geldwährungs-Umstellung stattgefunden hatte und wir nur noch das “alte Geld“, das nichts mehr wert war, hatten! — In eine kleine englische Fallspringer-Maschine wurden wir hineingelassen und saßen dort mit einigen anderen Westberlinern erwartungsvoll auf den primitiven Soldaten-Bänken. — Nach einer guten Flugstunde landeten wir auf dem Westberliner Flughafen, wo wir mit der noch funktionierenden Stadtbahn bis Charlottenburg fahren konnten. Dort trafen wir auf dem Bahnhofsvorplatz, dem „Stutti“, wie ihn die Berliner nannten, viele Leute an, die ihre Wohnungen in der Abenddämmerung verlassen hatten, da ja Stromsperre war und kein Licht in den Häusern brannte. Unter ihnen auch meine Mutter. Wie staunte sie, mich zu sehen: „Mädel, wie bist Du nur hergekommen?!“ fragte sie erstaunt, es fahren doch keine Züge noch Busse nach Berlin! „Durch die Luft!“ sagte ich, wie selbstverständlich! Sie begriff es nicht gleich, bis ich ihr den ganzen Verlauf der Dinge erklären konnte und wie dankten wir gemeinsam Gott, dass ER mich so wunderbar bewahrt und hergebracht hatte, auch durch die Luft!

Doch nun begann auch für mich der schwierige Alltag auf der „Insel Westberlin“! Wie werden wir nur durchkommen?! Mein aus der kurzen amerikanischen Kriegsgefangenschaft heimgekehrter Bruder, meine Mutter und ich, wir drei waren nur noch in unserer kleinen Wohnung beisammen in dem großen Haus, das nicht von Bomben zerstört worden war. Meine Schwester wurde als Lernschwester im Krankenhaus versorgt und Vater und ältester Bruder waren schon beim HERRN, von IHM heimgerufen, mein Bruder als Soldat am Ende des Krieges und mein Vater im Frühjahr des gleichen Jahres.

Doch was war geschehen? Die Russen hatten Anfang August 1948 alle Zufahrtswege nach Westberlin von Westdeutschland aus abgesperrt, sodass keine Menschen und auch keine Lebensmittel mehr nach den drei Westsektoren von Berlin gelangen konnten. Sie wollten uns zwei Millionen Westberliner „aushungern“ oder auch zwingen, dass wir uns alle dem großen russischen Ostsektor von Berlin anschließen und uns für den Kommunismus öffnen sollten. Doch dazu war keiner, der die Schrecken der russischen Einnahme von Berlin miterlebt hatte, gewillt. Und dann geschah das Wunder, das wohl keiner von uns für möglich gehalten hätte:

Unsere drei ehemaligen Alliierten Feindmächte, die Amerikaner, Engländer (Großbritannien) und Franzosen, wurden sich einig, dass sie die Westberliner über die Luft mit Brot und Lebensmitteln versorgen wollten!!! Unsere bisherigen Feinde wollten uns am Leben erhalten durch ihre Flugzeuge! Sie, die bisher jede Nacht uns mit zerstörerischen Bomben beworfen hatten, wollten uns nun mit Lebensmitteln versorgen!!! Und das mit den gleichen Flugzeugen!!

::Pictures to use:berlinairlift2.jpg Und so begann das „Brotwunder“, das später als „Luftbrücke“ beschrieben wurde und das ein ganzes Jahr währte, bis die Russen nachgaben und die Zufahrtswege nach Berlin wieder öffneten! Alle drei Minuten landete ein „Brotflugzeug“ auf dem einzigen Flughafen mitten in der Stadt in Tempelhof und alle drei Minuten flog ein Flugzeug zurück um mehr Lebensmittel zu „tanken“! BROT vom HIMMEL! Erinnert uns das nicht an das Erleben des Volkes Israel in der Wüste, wo Gott dieses Volk auch mit mehr als zwei Millionen Menschen 40 Jahre lang mit Brot vom Himmel, dem Manna, in der Wüste versorgte?! Haben wir nicht den gleichen starken allmächtigen Gott, wie Israel, der sich nicht ändert oder schwächer wird und keine Wunder mehr tun kann oder will?!

Du bist der Gott, der allein Wunder tut! Dir allein gebührt alle Ehre!

So wird man zur Diebin

Es war kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1945. Die 4 Millionen Berliner hungerten sehr, denn es gab noch keine Rationskarten, wie im Kriege, wo alle noch genug zu essen bekamen. Jeder musste jetzt sehen, wo er etwas her bekam! Viele fuhren mit den wenigen Zügen, gezogen von den rauchenden Dampflokomotiven zu den um Berlin liegenden Bauernhöfen, um von dort wenigstens ein paar Pfund Kartoffeln zu „ergattern“! Auch meine Mutter und mein Bruder (und auch ich einmal) machten sich auf die mühseligen und gefährlichen Kartoffelfahrten, um etwas zum Essen zu bekommen. Mein Bruder, der das Ingenieur-Studium angefangen hatte, fand auf einer dieser Fahrten einen gläubigen Bauern, dessen alte landwirtschaftliche Maschinen er reparieren konnte und empfing als Lohn dafür einen Sack Kartoffeln, den er triumphierend durch die russischen Sperren (wo die Kartoffelsäcke abgenommen wurden!) zu uns brachte! Welch ein Reichtum! Nichts wurde weggeworfen, selbst die Kartoffelschalen wurden zu Klößen verarbeitet und verspeist. Sie lagen allerdings etwas „schwer  im Magen“! Auch der Kaffeegrund vom Gerstenkaffee wurde aufgehoben und zu „Kuchen“ verarbeitet mit Süßstoff-Tabletten! Kerzenwachs (Parafin) diente als Fettersatz zum Braten. In den Wäldern um Berlin suchten wir und viele mit uns nach Pilzen, die als „Fleisch des Waldes“ sehr begehrt waren.

Da sagte uns eine freundliche Nachbarin, dass in einem von uns ziemlich weit entfernten Gebiet viele Holunderbüsche seien, deren reife Beeren man zu einer schmackhaften Suppe verarbeiten konnte. Die Entfernung spielte dabei keine Rolle, man musste eben zu Fuß gehen, denn Transportmittel gab es so gut wie gar nicht und das einzige Transportmittel waren unsere beiden Beine, die noch funktionierten, auch um einige Stunden weit zu laufen! So machten wir, meine Mutter und ich, uns früh auf den weiten Weg, um dort die begehrten Holunderbeeren (die sonst keiner außer den Vögeln anrührt) zu „ernten“! Doch weder Holunderbüsche, noch Beeren fanden wir in der ganzen Gegend! War der lange „Marsch“ umsonst?! Da entdeckten wir zu unserem Erstaunen eine große Wiese, auf der viele Apfelbäume standen. Kein Zaun und kein Hinweis auf einen Besitzer war zu sehen, aber eine Frau, die mit ihrer Tochter sich eifrig bückte und die am Boden liegenden Äpfel auflas und die davon schon ein ganz schönes Säckchen voll hatte. Das können wir doch auch machen, dachten meine Mutter und ich und so bückten wir uns eifrig und lasen freudig einige von den am Boden liegenden Äpfeln auf. „Fallobst“ sagt man dazu, das sowieso am Boden bald verfaulen würde, aber für uns ein kostbares Lebensmittel war, besser noch als Holunderbeeren!

::Pictures to use:youngportrait.jpg Da tauchte plötzlich, wie aus dem Boden gestampft, ein Mann vor uns mit drohender Gebärde auf: „Halt!“ rief er mit lauter Stimme, „Was macht Ihr da?!“ – „Nun, wir lesen nur Fallobst auf!“ „Das ist Diebstahl! Es sind hier die Rieselfelder der Stadt Berlin!“ – Und ohne auf unsere erstaunten Gesichter zu achten, nahm er das Säckchen der anderen Frau und uns unseren kleinen Beutel mit dem kostbaren Fallobst ab! „Kommen Sie mit!“ befahl er uns, „ich bringe Sie zur Polizei! Sie, Frau, können nach Hause gehen!“ sagte er auf meine schon ältere Mutter deutend, „aber Ihre Tochter, die nehme ich mit zur Polizei! Doch machen Sie keinen Versuch zu entkommen!“ sagte er drohend! Wie betäubt gingen wir vor ihm her, - er war der Feldhüter, der die „Diebe“ erwischt hatte,  und nach wieder einem recht langen Marsch standen wir vor dem Spandauer Polizei-Gebäude. Dort übergab er uns einem uniformierten grimmig dreinsehenden Polizisten, der uns in einen großen Saal führte. Hier werden „Verbrechen“ im Schnellverfahren verurteilt und Sie kommen dann auch dran, Sie müssen nur warten, bis Sie dran sind! „Unter was für Verbrecher bin ich nur geraten!“  dachte ich! Der große Saal war voll davon,  und ich war einer von ihnen! „ER ist den Übertätern gleich gerechnet!“ – JESUS, der Unschuldigste auf Erden“ ging es mir durch den Kopf! – Was macht es, wenn man dich auch unter die Übeltäter und Verbrecher rechnet!

Nach einigen Stunden peinlichsten Wartens war ich „dran“ verurteilt zu werden. Ich saß den Richtern gegenüber und wurde nach Namen, Geburtsdatum und Wohnort gefragt. Auf die Berufsfrage antwortete ich „Religions-Lehrerin“! „Was, Sie sind Religionslehrerin??!“ „Ja, evangelische Religionslehrerin an einer Charlottenburger Schule!“ Die „Schöffen“ sahen sich und dann mich erstaunt an und nach kurzer Pause, ohne meine „Hunger Erklärung“ abzuwarten, sagten Sie: „Sie sind verurteilt zu drei  Tagen Gefängnis oder zu dreißig Mark Strafe!“  „Dreißig Mark will ich gleich bezahlen!“ keuchte ich erregt und zugleich dankbar, auch weil ich die dreißig Mark zur Hand hatte. Ich bekam eine Quittung ausgestellt und konnte gehen! FREI!! – „Doch diese „Straftat“ wird in Ihr polizeiliches Führungszeugnis eingetragen!“ riefen sie mir noch nach!!  Wie auf Flügeln getragen machte ich mich auf den langen Fußmarsch nach Hause,  ohne den Hunger zu spüren, ich war ja frei,  und das mit dem polizeilichen Führungszeugnis kümmerte mich wenig!

Zwei Jahre gingen darüber hin und die Angelegenheit mit der Bestrafung als „Diebin“ war fast vergessen. Ich arbeitete weiter in der Schule als Religionslehrerin. Da erhielt ich ganz plötzlich und unerwartet eine Einladung zu einem Besuch in England. „Wie komme ich nur dazu, nach England zu reisen, wo doch niemand aus der „Insel Berlin“ heraus darf?!“ Die Russische Besatzungszone, die West-Berlin umgab, ließ ja keinen Westberliner heraus und auch mich nicht! Doch Gott fand einen Weg für mich. Aber eine Sache, die mir jetzt viel Not machte, war die damalige Eintragung meines „Verbrechens“ in mein Führungszeugnis, und das wurde verlangt für die Einreise nach England. Sollte es daran scheitern!? Zitternd ging ich zum Polizeirevier und bat um ein polizeiliches Führungszeugnis für die Einreise nach England. Man stellte es mir sofort aus mit der Bemerkung: Keine Straftaten!!! „Wirklich??“ fragte ich den Beamten. Ich hatte doch Falläpfel „gestohlen“ vor zwei Jahren und das war in meine Polizeipapiere eingetragen worden!“ - „Das ist verjährt und gelöscht!“. „Danke, HERR Jesus!“ sagte ich, „Dein Blut löscht auch alle unsere Verfehlungen aus, Lobpreis und Ehre sei Dir!“

Grenzübergänge

„Gott hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und ER hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen.“             
Apostelgeschichte 17 , 26

Auf den fünf  Kontinenten unserer Erde gibt es so viele Grenzen, dass es oft schwer ist, sich zurechtzufinden. Auch wir Menschen sind so be-„grenzt“ in vieler  Hinsicht, und immer wieder versuchen wir, unsere Grenzen zu überwinden oder zu überschreiten. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, der von Deutschland angefangen worden war, weil der damalige „Führer“ Adolf Hitler die deutschen Grenzen erweitern wollte, was ihm nur für kurze Zeit gelang, wurde das damalige Deutsche Reich geteilt, und es wurden neue „Grenzen“ gezogen. Deutschland

Wurde in Ost und West geteilt, und die deutsche Hauptstadt Berlin in vier „Sektoren“   Der Westteil Deutschlands wurde auch in drei Teile geteilt, die unter die Oberhoheit der drei Westmächte gestellt wurden, der Nordwesten unter Frankreich, der Süden unter die USA und der Westteil unter Großbritannien. Doch der ganze Osten Deutschlands wurde unter die Oberhoheit Sowjetrusslands gestellt und später zu der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erklärt. Das kommunistische atheistische Russland, hatte die Oberhoheit im Ostteil Deutschlands, was auch die Schulen und die ganze Gesellschaft bestimmte, bis in die kirchlichen Kreise hinein! Christliche Jugendgruppen wurden aufgelöst und dafür mussten sich die Jugendlichen der atheistischen „Freien Deutschen Jugend“ anschließen. Die kirchlichen Gottesdienste wurden überwacht und auch die Pastoren und Jugendleiter hatten ihre „Spitzel“, die regelmäßig der Polizei berichten mussten.

::Pictures to use:russiansector.jpg Ich wohnte in dieser Zeit mit meinen Eltern in West-Berlin, in dem Teil, der Großbritannien zugeteilt worden war, wo wir noch völlige Religionsfreiheit genießen durften. Auch war es uns in den ersten Jahren nach dem Kriege noch möglich in dem Ostteil Berlins und  der „Ostzone“, - wie wir damals die DDR nannten,- Besuche zu machen. Ich wurde sogar von der evangelischen Kirche zur „Reisesekretärin“ der kirchlichen Jugendkreise in der DDR ernannt, was für mich als „Westberlinerin“ äußerst gefährlich war. Niemals durfte ich erwähnen, dass ich aus „Westberlin“ kam, wenn ich in den vielen kirchlichen Jugendkreisen sprach, die früher zum EC-Jugendbund gehörten, und die mich eingeladen hatten! Gott hielt seine gute Hand über mir in diesen drei Jahren von 1949-1952. Doch dann waren diese Besuche nicht mehr möglich und wir brauchten ein Visum, um in der DDR reisen zu können, was wir aber nicht erhielten. So konnte ich 22 Jahre lang meine lieben Geschwister in der DDR nicht mehr besuchen!

Ich war inzwischen als Missionarin in dem Guaymi Indianerstamm in Panama tätig und konnte alle vier bis fünf Jahre Deutschland für ein Jahr besuchen. In dieser Zeit, wo ich nicht mehr als Westberlinerin registriert war, war es möglich, mit einem Visum für kurze Zeit in die DDR zu reisen und dort Besuche zu machen. Doch mussten wir dann immer wieder bei Grenzübergängen durch die sehr strengen Grenzkontrollen hindurch, wo besonders nach Büchern, und anderer Literatur, die nicht kommunistischen Inhalt hatte, gefahndet wurde. Traktate mitzunehmen war streng verboten. Doch versuchte ich, einige wenige, versteckt mitzunehmen. Einmal hatte ich zehn Johannesevangelien, die in USA gedruckt worden waren mitgenommen. Ich hatte aber die erste Seite ausgerissen, als die russische Polizeikontrolle kam, und die Mitreisenden nach Literatur fragten. Ich sagte dem Polizisten, dass ich Johannesevangelien habe, und gab ihm eins davon als Geschenk!- Wie von einer Tarantel gestochen, gab er es mir zurück und ging weiter, ohne mich nochmals zu fragen. Einem russischen Soldaten , der neben mir im überfüllten Zuge stand, zeigte ich das Johannes Evangelium und fragte ihn leise, ob er es lesen wolle. Er sah sich nach allen Seiten um und steckte es mit schnellem Griff in seine Uniformtasche!  Niemand durfte es sehen!

Eine Freundin von uns, eine ältere Diakonisse, die in der DDR wohnte, hatte sich  von uns eine ganze Reihe von christlichen Schriften geben lassen und in ihrer großen Reisetasche versteckt. Doch als sie durch die Grenzkontrolle musste, betete sie um Bewahrung ihrer kostbaren Schriften. Doch bevor sie der Grenzpolizist nach Literatur fragen konnte, stolperte sie und fiel dem Polizisten direkt in die Arme, der sie „auffing“ und ohne weitere Kontrolle durch die Sperre führte!! Wie dankte sie Gott für diesen Un-„Fall“!

Einmal fuhr Familie Teubner mit etwa zehn Personen in ihrem VW Bus in die DDR. Jeder von uns hatte für die Geschwister dort ein christliches Buch mitgenommen, Biographien waren erlaubt, und so hatte jeder von uns eine Biographie, die wir triumphierend den Grenzpolizisten zeigten, die erstaunt darin herumblätterten. Wie gerne hätten sie diese gelesen! So hatten wir auch einige nicht erlaubte christliche Bücher dabei, die notiert wurden und an der Grenze bei der Rückkehr wieder abgeholt werden sollten. So ließen wir einige christliche Bücher für die „Grenzer“ bei ihnen, so dass sie Zeit hätten, diese durchzulesen, denn wir durften sie ja nicht in die DDR „einführen“. Auch eine Trompete hatten wir mitgenommen, die „registriert“ wurde, und auf der mein Neffe den „Grenzern“ einen Choral vorspielte. Doch da in der DDR Trompeten hergestellt werden und billig gekauft werden können, die später von den Guaymi Indianern in Panama geblasen werden sollten, kamen wir mit zwei Trompeten zurück, und mein Neffe spielte den entzückten Grenzpolizisten wieder einen Choral vor, sodass sie uns „ungeschoren“ durchließen!

Einmal musste ich allein zu Fuß die Grenze passieren, und die „Grenzer“, DDR Polizisten und Russen, machten sich einen Spaß daraus, die gehassten „Westler“ zu erschrecken, die meistens große Angst vor den Grenzkontrollen hatten. Ich hatte mich dem Schutze Gottes befohlen und ging ohne Furcht durch die Kontrolle, was die „Grenzer“ erstaunte. Doch sie nahmen mir meine Schultertasche ab, und kramten alles aus, auch die Briefe, die ich darin versteckt hatte, denn ich wollte besonders den einen Brief an einen Jugendleiter mit der DDR Post schicken. Ich hatte ihm darin Anweisung gegeben, wie er aus der DDR nach Westberlin und später in die Schweiz kommen könnte. Ausgerechnet diesen Brief fand der deutsche Grenzpolizist und begann darin zu lesen. Ich fragte ihn furchtlos, ob es ihm denn erlaubt sei, fremde Post zu lesen. „Ja“, sagte er stolz, „das darf ich tun! Doch Sie wollen wohl nicht, dass ich ihre Liebesbriefe lese!“ „Nein!“ sagte ich energisch, und er steckte den Brief wieder in die Tasche zurück, er hatte nur die erste Seite gelesen, doch nicht die zweite Seite, wo ich die Fluchtmöglichkeit dem Jugendleiter beschrieben hatte! Das wäre allerdings Grund zu einer längeren Gefängnisstrafe für mich gewesen! So kam dieser Bruder in die Schweiz, studierte dort Theologie und wurde später in Südafrika zum Probst der deutschen Gemeinden ernannt!  Doch waren die Grenzer irgendwie beeindruckt von meiner Furchtlosigkeit und dem Zeugnis von Gott, das ich ihnen sagen konnte, sodass sie ganz freundlich wurden und sie mir als Freunde die Wege zeigten, wo ich in den nächsten Zug einsteigen könnte!

Einmal reiste meine Cousine, die den gleichen Namen hatte wie ich, aber sieben Jahre jünger war, mit einer Jugendgruppe vom Osten in den Westen und an der Grenze wurden alle Pässe kontrolliert und mit der „Schwarzen Liste“, wo die für die DDR gefährlichen Personen aufgeführt wurden, verglichen. Alle Pässe wurden zurückgegeben, doch der Pass meiner Cousine kam nicht zurück. Ungeduldig warteten die anderen Jugendlichen und sie merkten, dass die Grenzer eifrig diskutierten und meine Cousine hörte, da sie russisch konnte, wie die Russen zueinander sagten, ja, der gleiche Name, doch das Geburtsdatum ist anders!! Und sie gaben ihr den Pass zurück! Ich merkte daraus, dass ich zu den „gefährlichen Personen“ gehörte, die gesucht wurden. Seit dieser Zeit musste ich immer mit dem Flugzeug von Westdeutschland nach Berlin einreisen!

Als ich von einer Reise nach England im August 1948 nach Deutschland zurückkehrte, war inzwischen die „Währungsreform“ eingetreten, und auch die Grenzen von Westdeutschland nach Westberlin geschlossen, sodass keine Autos oder Züge nach Berlin herein konnten, denn die bösen Westberliner sollten „ausgehungert“ werden! So stand ich an der Grenze in Hannover und fragte nach dem nächsten Zug nach Berlin, Es fährt kein Zug mehr nach Berlin, wurde uns gesagt:!!! Was sollen wir nun tun!? Wir wurden an die britische Kommandantur gewiesen, die uns umsonst, wir hatten ja auch kein gültiges Geld mehr Flugscheine ausstellte, und bald saßen wir in der alten Fallschirmspringer Maschine, die uns wackelnd und schaukelnd nach ca. zwei Stunden in unser westliches Berlin einflog. Dies war mein erster Flug, auf den noch viele andere folgten! In Berlin funktionierte doch noch die Stadtbahn, mit der ich nach Charlottenburg, wo meine Mutter wohnte, fahren konnte. Auf dem Platz vor unserem Hause, den die Berliner den „Stutti“ nannten, sah ich viele Leute die sich dort versammelt hatten, und entdeckte auch meine Mutter unter ihnen. Sie sah mich ganz erstaunt an, und fragte: Mädel, wo kommst Du nur her, Du warst doch in England und kein Zug fährt mehr nach Berlin! „Durch die Luft!“ sagte ich wie ganz selbstverständlich! Ja, Gott hat Wege  durch das Rote Meer und auch durch die Luft! Ein wunderbarer Gott ist unser Gott! Auch dass ER die Herzen der früheren Feindmächte bewegte, uns nun ein Jahr lang durch die Luft mit Lebensmitteln zu versorgen, nachdem sie noch vor kurzem mit ihren Flugzeugen Bomben auf uns geworfen hatten, jetzt aber Brot f. ca. 2 Millionen Menschen!!! Wir Berliner nannten diese Flugzeuge „Rosinen Bomber“, die alle drei Minuten in Berlin landeten und alle drei Minuten wieder aufstiegen, Tag und Nacht ein Jahr lang!-

Bei der ersten Jugendbund Konferenz im Jahre 1947 in Bad Homburg, an der mein Bruder und ich, nach abenteuerlichem Grenzübergang teilnehmen konnten, war das Thema: “Wir sahen Seine Herrlichkeit“! Ja, wir haben einen wunderbaren Gott, der uns auch heute noch Seine herrliche Macht und Liebe sehen und erleben lässt! IHM sei alle Ehre!

 

 

Ich bin LEHRERIN !

Der zweite Weltkrieg war vorüber. Seit dem 2. Mai 1945 hörte das Schiessen und das Zischen der Granaten auf und eine Totenstille lag über der Stadt Berlin.  Ist es wahr, dass der grausame sechs Jahre währende Krieg beendet ist!? Wir konnten es kaum glauben! Doch vorsichtig wagte der eine oder andere sich aus dem Luftschutzkeller des großen Hauses, Stuttgarter Platz 16, in dem 60 Familien wohnten, heraus. Wirklich! Totenstille über dem Stadtteil Charlottenburg! Ist das nun zum Freuen oder zum Fürchten?!  Was oder wer kommt jetzt?!  Die Russen!!! Keiner von den überlebenden Deutschen wollte ihnen begegnen!  Und doch, sie sind ja die Sieger und wir die Besiegten, und sie haben alle Rechte mit den besiegten Deutschen zu tun, was sie wollen!  Und meistens sind die russischen Soldaten betrunken: WODKA war das erste Wort, was wir von ihnen lernten! Sie drangen auch in unser großes Haus mit fünf Stockwerken ein, vorsichtig sich umschauend, ob nicht jemand aus dem Hinterhalt auf sie schießen würde. Doch keiner tat ihnen etwas.

Wir merkten bald, dass die Russen nur in die unteren Stockwerke gingen, und die oberen Stockwerke ängstlich mieden. Die Wohnung meiner Eltern war jedoch im ersten Stock. Auch dass die Haustüren nicht verschlossen werden durften, lernten meine Eltern, weil die Russen sonst die Türen mit ihren Gewehrkolben einschlugen. So saßen meine Eltern still betend in ihrer Küche, als zwei russische Soldaten durch die offene Tür hereinkamen. Sie wurden freundlich von ihnen begrüßt, wenngleich mit ziemlichem Herzklopfen. „WODKA“! war das einzige Wort, was die beiden hervorbrachten! In unserem Haushalt waren nie alkoholische Getränke zu finden gewesen, weil mein Vater Anti-Alkoholiker war, doch hatten die umliegenden Läden kurz vor dem Einmarsch der Russen allen Haushalten die restlichen Alkoholflaschen verschenkt. Auch wir wurden mit zwei Flaschen „beglückt“. In weiser Voraussicht hatte meine Mutter die eine Flasche ganz und die andere halb in den Ausguss geschüttet. So konnte sie dem Russen die halbe Flasche geben, die er mit einem Schluck austrank. Danach schauten sie sich genauestens um, ob sie nicht etwas Begehrliches finden konnten, denn sie durften ja als Sieger mitnehmen, was ihnen gefiel.  Einer ging in das Schlaf- und Wohnzimmer und sah sich dort um, und das einzige, woran er sich erinnerte, was die Deutschen meist besitzen, sind Armbanduhren. So winkte er meinem Vater und sagte zu ihm:“ Uhri, Uhri!!“ Mein Vater hatte eine alte Armbanduhr am Arm, die er dem Russen gab. Dieser kannte sich in Uhren schon etwas aus und sah, dass dieses alte Ding nicht viel taugte, und warf sie weg. „Uhri, Uhri !“ sagte er mehrmals und hob sein Gewehr, und tat, als ob er meinen Vater erschießen wollte. Vater hatte nämlich noch eine goldene Taschenuhr, die meine Mutter versteckt hatte.  „Gib sie doch heraus, bat mein Vater, er will mich sonst erschießen!“ und flugs holte meine Mutter diese aus dem Versteck und gab sie dem Russen.  Doch da die beiden Russen keine weitere „Beute“ auch nicht junge Frauen oder Mädchen fanden, denn meine Mutter hatte mich im Kohlenkeller versteckt, verließen die beiden „Besucher“ unsere Wohnung und sahen sich nach „besserer Beute“ in anderen Wohnungen um.

Wir fanden bald heraus, dass die Russen nie in die oberen Stockwerke gingen, und dass man dort vor ihnen ziemlich sicher war. Und so zogen wir mit unserem Bettzeug in den fünften Stock, wo durch eine Brandbombe die Dachbalken verkohlt waren, und schliefen dort süß und selig unter dem Schirm des Höchsten, der auch in solchen Zeiten Zuflucht und Sicherheit ist!

Am nächsten Morgen zogen meine jüngere Schwester und ich zu einer gläubigen  Freundin, die im vierten Stock eines vornehmen Hauses wohnte, wo sie Dienstmädchen bei einer hoch herrrschaftlichen Familie war. Dorthin hatte sich noch kein Russe gewagt und hier waren wir sicher. 

Unsere Eltern blieben in ihrer Wohnung im ersten Stock, wo sie an jedem Morgen mit Gewehrkolben-Schlägen an der Tür zu Aufräumungsarbeiten  der vielen Schutt- und Trümmer-Massen herausgeholt wurden. Ob alt oder jung, krank oder gesund, spielte bei den Russen keine Rolle, alle mussten mit auf die Lastwagen zu den Aufräumungsaktionen! Nur zu unserem „Unterschlupf“ im vierten Stock des vornehmen Hauses kam kein Russe und wir konnten die Gemeinschaft mit der gläubigen Freundin in ihrem Hause genießen mitten in Not und Elend um uns her, und doch geborgen unter dem „Schatten des Allmächtigen“!

Als sich die Verhältnisse etwas „normalisierten“, und nach zweimonatiger Besatzung  die Russen abzogen von den drei Westsektoren Berlins, wozu  auch Charlottenburg im „britischen Sektor“ gehörte, sah ich an einem Wandanschlag,  dass die Evangelische und die Katholische Kirche in den Schulen wieder Religionsunterricht erteilen sollten, was ja unter Hitler verboten war. Und nun gaben ausgerechnet die atheistisch- kommunistischen „Feinde“ diesen „Befehl“! Ja, Gott gebraucht auch die Gott-losen, um Seine Pläne auszuführen!

Ich selbst war ja arbeitslos, da die beiden Apotheken, in denen ich bis Kriegsende gearbeitet hatte, niedergebrannt waren und erst wieder aufgebaut werden mussten.  So erschien mir der Dienst einer Religionslehrerin das Nächstliegende zu sein und ich meldete mich für den dreimonatigen Kursus im Johannesstift an. Man nahm mich gleich an, weil so viele Religionslehrer gebraucht wurden, und ich nahm mit Freuden daran teil.  Wir wurden auch gleich in die nächst liegende Schule eingesetzt, wo ich in vielen Klassen Religionsunterricht gab. Oft waren es auch Klassen, deren Schüler schon „Soldaten“ gewesen waren in den letzten Kriegsmonaten, und die nicht viel Ahnung von Disziplin hatten!!

Während dieser drei Jahre, die ich Religionsunterricht erteilen durfte, konnte ich auch einige oft recht abenteuerliche Besuchsreisen machen, wobei wir überall russischen Soldaten begegneten. Ich hatte inzwischen gelernt, dass in Russland die Lehrer die höchste Autorität besitzen, mehr als Ärzte, oder Richter und andere  Akademiker. So lernte ich den kleinen russischen Satz auswendig „Ya Utschitjelniza!“ = Ich bin Lehrerin!

Bei einer Fahrt in einem offenen Abteil der Eisenbahn merkte ich, wie die im Zuginneren sich befindenden Russen sehr erregt waren, dass wir da draußen im offenen Wagen, wo wir mit unseren Kartoffelsäcken eng zusammengequetscht standen, uns laut unterhielten. Ein Offizier kam heraus aus seinem Abteil und fing an, die Leute mit ihren Kartoffelsäcken aus dem fahrenden Zug zu werfen. Auch ich war ja unter ihnen! Da erinnerte ich mich an den russischen Satz „Ich bin Lehrerin!“ und stellte mich vor die anderen angsterfüllten Leute und sagte dem Offizier nur hoheitsvoll den Satz in seiner Sprache: „ ICH BIN LEHRERIN! „ Er sah mich erstaunt an, verbeugte sich vor mir und verschwand still in seinem Abteil !!  Welch eine Macht ist doch das Wort zur rechten Zeit! Doch wieviel machtvoller ist das Wort, das wir als Kinder Gottes auch dem Teufel gegenüber sagen können: „Ich gehöre zu Jesus, dem Sieger von Golgatha!“ Ich gehöre zu IHM, der mich mit Seinem teuren Blut erkauft hat zu Seinem Eigentum für die ganze Ewigkeit! Und nichts kann mich Seiner Hand entreißen!

Welch eine hohe Stellung haben wir doch in Jesus, und einen Reichtum, der mit allen Schätzen der Welt nicht zu vergleichen ist!  Danke, HERR JESUS!

Radfahren für JESUS !            

Sommer 1950 in der DDR!

Auf der Landstrasse, nahe der polnischen Grenze bewegt sich eine Gruppe von etwa  sieben jugendlichen Radfahrern einem der kleinen Dörfer des Oderbruches zu. Zwei oder drei von ihnen haben ihre Gitarren an der Lenkstange festgemacht und nach fast einer Stunde des unentwegten Trampelns auf ihren zusammengeflickten Fahrrädern machen sie Halt zu einer Gebetsgemeinschaft am Wegesrande. Einer von ihnen betet : „Danke, HERR JESUS, dass wir auch für Dich radfahren dürfen!“ Was für ein merkwürdiges Gebet! denke ich, doch ich sehe in den Gesichtern dieser Jugendlichen eine große Freude, auch Radfahren als Dienst für Jesus tun zu dürfen! Der Junge, der so betete, hatte eine Zeit schweren Kampfes hinter sich. Er hatte in der Bibelstunde gehört, dass man Jesus sein Leben anvertrauen soll, wenn man nicht verlorengehen und in die Hölle kommen will. Und das wollte er doch nicht, aber mit Jesus, dann darf man dies und das nicht mehr und das würde ein trauriges Leben sein, dachte er. Doch ohne Jesus in der Hölle?! Nein, das wollte er auch nicht. So übergab er Jesus sein Leben, und erwartete nun, dass ein ganz schweres freudenloses Leben beginnen würde! Doch wie erstaunt war er, dass Jesus ihm nun eine ganz große Freude schenkte, sodass sogar das Radfahren eine  Freude bedeutete, die sich im Alltag fortsetzte. „Nahe bei Jesus, o Leben so schön, seliges Wandeln auf sonnigen Höhn!“ Wie gern und begeistert sang er es nun mit den anderen Jugendlichen, die den gleichen Schritt hin zu Jesus gewagt hatten! Erweckung im Oderbruch, eine moorige Gegend, doch wie kam es dazu? Als der Ostteil Deutschlands nach Beendigung des zweiten Weltkrieges unter die Oberhoheit der russischen Sowjetunion kam, mussten alle dortigen Bewohner sich auch der atheistischen Ideologie „Es gibt keinen GOTT!“ anpassen, und auch in den Schulen und Betrieben wurde das eindrücklich eingehämmert! Doch der gläubige Lehrer Sz. und seine Frau Hanna konnten da nicht mitmachen, und waren damit arbeitslos! Im Krieg hatten sie von ihren vier Söhnen drei verloren und der vierte war im Westen geblieben, wo er sich als Missionar ausbilden ließ.  Und so wussten die beiden, im Reiche Gottes gibt es keine Arbeitslosen: wir wollen das Wort Gottes verkündigen! Und als Prediger von einer ganz kleinen Gruppe von Gläubigen fingen sie in dem Moorbad Freienwalde eine landeskirchliche Gemeinschaftsarbeit an. Der HERR versorgte sie mit allem Nötigen in ihrer großen Armut, und Gott wirkte neues geistliches Leben in dieser bisher geistlich so toten Gegend! Jugendliche kamen zum lebendigen Glauben, sogar aus kommunistisch gottlos eingestellten Familien! Martin und Johannes, zwei quicklebendige Brüder fürchteten nicht den Spott der Arbeitskollegen, die alle dem kommunistischen Gedankengut huldigten. Wenn sie in ihrem Betrieb an der kommunistischen Schulung nach der Arbeitszeit teilnehmen mussten und „Resolutionen“ gefasst wurden und der Schulungsleiter fragte: wer ist dafür? Erhoben sich alle Hände, und er fragte dann: Und wer ist dagegen? Da sah man eine einsame Hand sich erheben: Johannes ist dagegen! Der Schulungsleiter sagte dem Betriebschef: Du musst den Mann rauswerfen und ein „Spitzel“ (Spion) muss ihn beobachten, um einen Grund fürs Gefängnis zu finden, denn er ist Leiter einer kirchlichen Jugendgruppe. Doch der Betriebschef sagte: „Nein, den kann ich nicht rauswerfen, er ist mein bester Arbeiter hier auf der MAS (Maschinen Ausleih Station!) Ohne ihn läuft der Betrieb nicht!!“ Und so blieb Johannes!! Und sein Spitzel, der jede Woche bei der Polizei berichten musste, blieb auch! Als ich mit ihm einmal über die Strasse ging, winkte er einem Manne freundlich zu: “Das ist mein Spitzel“, sagte er mir. „Doch neulich rief mich die Polizei auf die Polizeistation und sagte “Wir wissen nicht, ob Ihr Spitzel die Wahrheit sagt, doch von Ihnen wissen wir, dass Sie immer die Wahrheit sagen“!! Welch ein Zeugnis! Johannes und sein älterer Bruder Martin waren so voll Freude und Leben, dass sie auch andere Jugendliche anzogen. Natürlich wurden alle Jugendlichen, die sie trafen zur Jugendstunde eingeladen, und viele hörten die Frohe Botschaft von Jesus und nahmen IHN in ihr Leben auf. Doch  Jugend- und Bibelstunden in Wohnungen und nicht kirchlichen Gebäuden waren verboten, doch wurde dennoch an allen Orten immer das lebendige Wort weitergegeben. Ich wurde damals öfter von Westberlin aus eingeladen, und einmal war das kleine Zimmer so voll, dass ich auf einem Bein stehen musste, weil für das andere kein Platz auf dem Fußboden war! Einer aus dieser Gruppe fuhr mit seinem Fahrrad nach Berlin, etwa drei Stunden, um eine Bibel zu kaufen. Auf dem Rückweg spät nachts, geriet er in ein Manöver von russischen Soldaten und wurde von ihnen erschossen! Man fand später sein durchlöchertes Fahrrad und seinen toten Körper! Für die Jugendlichen war das ein Schock, und ich war gerade dort bei einer Stubenversammlung, wo der Jugendleiter den anwesenden Jugendlichen sagte: Wer von Euch Angst hat, der bleibe zu Hause, doch wir wollen weiter zusammenkommen, um das Leben bringende Wort Gottes zu hören und zu verkünden! Und alle kamen  wieder!!

Nach dem Kriege fehlten die Männer, besonders die Prediger und ich wurde als einzige Frau zu einer Prediger-Umschulung (aus anderen Berufen) zugelassen. Man nannte mich damals als einzige Frau unter ca. 30 Brüdern die „Brüderin“! Ein einfacher demütiger und vom HERRN mit besonderer Weisheit ausgerüsteter Bruder, Arthur Mütze, ließ nun diese Brüder zu Predigern in  Kurzkursen ausbilden. Da von der gottlosen kommunistischen Regierung alle christlichen Jugendverbände aufgelöst wurden, war es nur erlaubt in Kirchgebäuden Gottesdienste abzuhalten, auch die Jugendstunden. Ich wurde damals abgeordnet von der offiziellen Landeskirche, die Jugendkreise in der DDR zu besuchen. Dass ich aus dem bösen Westberlin kam, durfte niemand wissen!! Es war für mich oft wie ein Sprung ins Ungewisse, wenn ich mich in die „Ostzone“ mit der sehr langsamen Eisenbahn aufmachte. Doch sobald ich unterwegs war, war ich wie von einer feurigen Mauer umgeben und alle Furcht wich von mir! Wunderbar! Ich fühlte mich unter den Geschwistern des Glaubens zu Hause, die arm an irdischen Gütern aber reich in Gott waren, und trotz mancher gefährlichen Lage spürte ich Gottes beschützende Hand über mir! Einmal hatte ich eine dreitägige Jugendevangelisation in Jüterborg zu halten, wo ich gegen elf Uhr nachts immer die Marschlieder der russischen Soldaten hörte. Doch ich schlief wunderbar, von Engeln bewacht!

Als an dem letzten Abend der Evangelisation sich sechs Mädchen für Jesus entschieden, war es spät geworden und sie hatten  Angst, um diese Zeit allein auf die Strasse zu gehen. Ich sagte: Ich gehe mit Euch! Und wir machten uns eilig auf den Weg. Da fuhr ein Lastwagen voller russischer Soldaten an uns vorbei, und der Fahrer stoppte und die Soldaten sahen uns vier Mädchen, stießen ein Siegesgeheul aus und wollten sich auf uns stürzen. Wir beteten, und der Wagen fuhr weiter! Doch noch einmal wiederholte der Fahrer sein Manöver, und wir beteten : HERR hilf uns! Und der Wagen fuhr weiter!!

Der Ort Falkenberg war mir wohlbekannt von der Hitlerzeit her, wo ich während des Krieges ein Jahr lang als „Arbeitsmaid“ den Bauersfrauen auf ihren, von Männern verlassenen Höfen, helfen  konnte. Später wurde das frühere Arbeitsdienstlager in eine Bibelschule umgewandelt!  Der dortige Bibelschulleiter, Pastor Uwe Holmer, lud mich während meines Heimaturlaubs ein, ihn und seine Familie dort zu besuchen. Er hatte zwölf begabte Kinder, die aber nicht das Abitur machen durften, weil ihr Vater Pfarrer war, doch als ein unerschrockener Mann, sagte er zu mir: „Als Missionarin im Heimaturlaub müssen Sie ja ruhen und sich erholen, aber Sie sollten morgen vormittag zwei Stunden zu unseren Bibelschülern sprechen, und am Nachmittag in einer anderen Frauenbibelschule sprechen, und abends in einer anderen Kirchgemeinde! Am nächsten Tag dann wieder zwei Stunden zu den Bibelschülern und in zwei weiteren Gemeinden“! Ich schaute ihn ungläubig an und fragte mich :Ist das wohl Ausruhen im Heimaturlaub?!! Aber das war die Art für ihn und für mich zum „Ausruhen“! Und es waren wohl die schönsten Versammlungen, wo es leicht war zu den hungrigen Leuten zu sprechen! Später, als die Mauer von Berlin fiel, nahm Pastor Holmer den abgesetzten und auf die Strasse geworfenen Erich Honnecker und seine Frau, die Erziehungsministerin, die seinen Kindern nicht erlaubt hatte, das Abitur zu machen, in Sein Haus auf!

Ja, Gott ist größer all alle Herren dieser Welt und wir dürfen IHM,  mit Freuden dienen!


3 Persönliche Erlebnisse und Führungen

Anderen Helfen

::Pictures to use:familyphoto1.jpg „Lottchen, was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“ fragte die Tante, die gerade bei ihrer jüngeren Schwester in der kleinen Hinterhof-Wohnung in Berlin Charlottenburg zu Besuch war. Das kleine blondlockige etwa dreijährige Mädchen war gerade beschäftigt, der Mutter beim Ausfegen der kleinen Küche zu helfen. “Ich will etwas werden, wo ich anderen helfen kann!“ war ihre bestimmte Antwort. Jemand helfen, ist das denn ein Beruf!? Die Tante schien mit der Antwort nicht ganz befriedigt zu sein, doch bei dem kleinen Mädchen ergab sich immer wieder eine Gelegenheit, diesen “Beruf“ zu praktizieren, wenn sie der Mutter bei der Betreuung der drei anderen Geschwister half, oder beim Saubermachen der kleinen Wohnung.

Bei den Spaziergängen mit den Erwachsenen lief Lottchen immer diesen hinterher, was die Verwandten veranlasste, sie zu fragen: Warum läufst Du denn immer hinter uns statt uns voraus zu laufen? Wir können doch dann nicht sehen, wo Du bist.  Aber ich muss doch sehen, wo Ihr hingeht, dass ich Euch folgen kann! war ihre Antwort. Sie war eine typische “Nachfolgerin“, die auch später immer jemand brauchte, der sie anführte, dem sie nachfolgen konnte. Sie war keine “Führernatur“, sondern wollte geführt werden.

Bücher, gute Bücher, die von gläubigen Christen geschrieben waren, von denen die Eltern eine gute Auswahl besaßen, spielten eine große Rolle in ihrem jungen Leben, und es begeisterte sie, wenn sie die Geschichten von Missionaren las, die im fernen Heidenland die frohe Botschaft von Jesus, dem Retter der Welt weitersagten. Ja, da würde sie auch gern mithelfen, Menschen zu Jesus zu führen. Doch vorher galt es noch viele Hürden zu überwinden, zunächst die Schule, die von ihrem elterlichen Haus,  sie hatten die Wohnung inzwischen gewechselt,  so weit entfernt war. Ja sie wollte viel lernen, und besonders fremde Sprachen interessierten sie. Bei dem kleinen schmalen Geldbeutel der Eltern langte es nur bis zur Mittleren Reife, dann hieß es nach 9 Schuljahren Geld zu verdienen. Aber wo? Lehrstellen waren damals sehr knapp, doch auf eine Annonce hin bewarb sie sich bei einer Apotheke und von den 150 Bewerberinnen wurde gerade sie von dem sehr strengen Chef, einem früheren Hauptmann, angenommen. Ihr Beruf war nun nach drei Lehrjahren mit einem lächerlich kleinen “Gehalt“: Apotheken - Helferin! So war auch nun hier ihr “Beruf“, jemand zu helfen! Und sie tat es gern, obgleich sie darin auch noch nicht die eigentliche Berufsbefriedigung fand. - Der Krieg 1939-1945 verschlug sie zum Reichsarbeitsdienst und Kriegs- Hilfs - Dienst, und die letzten eineinhalb Jahre vor Schluss des Krieges noch in eine Berliner Apotheke als Apotheker-Assistentin, was nun eine mehr wissenschaftliche Bezeichnung für eine Helferin der approbierten Apotheker war.

Nach der Beendigung des furchtbaren Zweiten Weltkrieges, den sie mit den Eltern und der jüngeren Schwester in der mit Bomben übersäten großen Stadt Berlin verbrachte, aber unter der wunderbaren Bewahrung Gottes, begann auch für sie ein neuer Lebensabschnitt. Die beiden Apotheken, in denen sie sieben  Jahre Helferin war, waren ausgebrannt und völlig zerstört. Da las sie einen kleinen Anschlag von der russischen Kommandantur in Berlin: Die Kirche soll den Religionsunterricht, der unter Hitler nicht mehr erlaubt war, wieder in die Schulen einführen, Und so wurden Religionslehrer gesucht, die aber um diese Zeit sehr rar waren. Im Berliner Johannesstift wurden nun in dreimonatigen Kursen diese ausgebildet ‘‘Das könnte ich sicher auch tun vorläufig, bis sich eine andere Arbeit findet, denn ich war ja lange Jahre Sonntagsschulhelferin gewesen, und da sollte es nicht so schwierig sein, auch in der Schule Kinder, die wenig von Jesus und der Bibel wussten, zu unterrichten. Doch fiel ihr dieser Dienst an der oft verrohten und verwahrlosten Jugend nicht leicht, den sie aber doch drei Jahre durchführen konnte. Doch 1948 wurde sie von der EC Leitung gerufen, den oft am Boden liegenden Jugendkreisen in der damaligen Ostzone, später DDR genannt, Helferin beim Wiederaufbau zu sein! drei Jahre Reisedienst fast in der ganzen DDR waren eine Zeit wunderbaren Erlebens der Treue und Bewahrung und Hilfe Gottes. Dann schloss sich die Tür 1952  für die bösen „Westberliner“, und sie fragte: HERR, was willst Du,. daß ich tun soll? Inzwischen waren Tausende von den DDR Bewohnern, die großenteils enteignet worden waren und in Gefahr standen, in den DDR Gefängnissen zu landen, nach Westberlin geströmt, wo für sie viele Flüchtlingslager eröffnet worden waren, die nun auch Helfer brauchten, die die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen, die nur den Kommunismus kannten, im Wort Gottes unterweisen sollten. Flüchtlingsmission hieß nun ihr Auftrag, wo sie fast fünf Jahre Helferin war. Doch war der Wunsch nach der Äußeren Mission lebendig geblieben, bis sie sich eines Tages, als sie schon 37 Jahre alt war, sich sagen musste, jetzt ist es für dich zu spät für einen Dienst in der Äußeren Mission! Und damit hatte sie diesen Kindheitswunsch „begraben“. Doch Gott ist immer größer, und am letzten Tage des Jahres 1958 kam ein Brief aus Marokko mit folgendem Inhalt: “Wir brauchen hier eine Hausmutter für unsere kleine spanische Bibelschule in Tanger, und wir glauben, dass Sie dafür die geeignete Person seien!“ Triumphierend schwenkte sie den Brief der Mutter entgegen: „Äußere Mission! Der HERR hat die Tür für die Äußere Mission aufgetan!“ Alle drei Bedingungen, die sie dem HERRN stellte, erfüllte ER in kurzer Zeit, sodass sie bald auf dem Wege nach Marokko war. Wie liebte sie die etwa acht bis zwölf spanischen Bibelschüler und die dort wohnenden Araber. Das Erlernen der spanischen Sprache war keine große Schwierigkeit, es war ja eine leichte Sprache, und nun sollte Arabisch gelernt werden! Doch da schloss sich nach knapp einem Jahr die Tür für alle Missionsarbeit in dem islamischen Königreich Marokko, und mit allen Missionaren musste auch sie ihr Missionsfeld verlassen. Was nun?! “HERR, was willst DU?“ Ganz unerwartet wurde sie mit der Arbeit der Wycliff Bibelübersetzer konfrontiert, die in England eine dreimonatige linguistische Kurzausbildung für Bibelübersetzer hatten. Es war wieder ein Wunder, dass sie, trotz dem der Kursus schon überfüllt war, doch noch angenommen wurde und dass sie mit großer Freude daran teilnehmen konnte. Und danach noch an einem medizinischen Jahreskursus in London, der Missionary School of Medicine, wo für Missionare in schwer erreichbaren Stammesgebieten die nötigen medizinischen Grundkenntnisse vermittelt wurden. Im Oktober 1962 konnte sie dann auf einem Bananenfrachter die Fahrt nach ihrem Missionsfeld Panama antreten, und dem jetzt ca 100 000 Menschen zählenden Guaymi - Indianerstamm in den Bergen als Helferin zum ewigen Leben dienen. Jesus ist der HERR auch der Guaymi - Indianer, die eine weit offene Tür für Gottes Wort haben, und von denen viele, wahrscheinlich einige Tausende,  wiedergeborene Gotteskinder geworden sind. Unserem Gott gebührt alle Ehre!

Er muss wachsen

ER MUSS WACHSEN, ICH ABER MUSS ABNEHMEN               
Johannes 3, 30

Im Jahre 1989, als in Berlin die berüchtigte Mauer fiel, wurde ich von unserer Missionsleitung nach dem schönen Bergort Boquete gesandt, um hier, die auf den vielen Kaffeefarmen arbeitenden Indianer zu betreuen. Ein anderes Missionars-Ehepaar hatte für mich ein ziemlich grosses Haus gemietet, in dem zunächst allein wohnte. Doch bald schickte mir Gott 2 junge Indianerinnen,die mir bei den hiesigen MissionsArbeiten helfen sollten. Abelina war ja schon in der Latinostadt Tole einige Jahre Helferin gewesen und kam nun wieder zu mir. Einige Zeit später kam ihre Schwester Sara hinzu, die sich bald mit einem jungen Mann aus unserer Kirche verheiratete. Alle 3  wohnten mit mir in meinem ziemlich grossen Hause. Ihnen wurde ein kleiner Junge Julian, geschenkt, der heute, in Jahre 2010, zwölf Jahre alt ist und dem Heiland sein Herz geschenkt hat, während sein Vater Miguel sich fern vom Evangelium hält!- Da Boquete ein besonders schöner Bergort ist in 1200 m Höhe und einem gleich bleibenden kühlen Klima, so kommen zu uns immer wieder Gäste, die der grossen Hitze in den Städten für einige Zeit entfliehen wollen, und die unsere 2, z.T. gemieteten Gästewohnungen oft bevölkern. Ausserdem haben wir meistens 3 Oberschulstudenten, die die hiesige Oberschule bis zum Abitur besuchen. Doch bei allem wird mir und uns der Gebetsdienst für Menschen in einer dunklen Welt immer wichtiger, was wir einsam und gemeinsam ausüben dürfen.

Das Abnehmen meines dicken „ICH“. damit ER, JESUS wachsen kann, ist ein täglicher Kampf, denn ER soll durch uns gesehen werden, dass andere Hunger bekommen, auch den Weg mit Jesus zum ewigen Leben zu gehen.

Die Guaymi - Kirchen in den Bergen wachsen bei aller äußeren Armut und sind Lichter an einem dunklen Ort. Danke für alle Fürbitte auch für uns und für diesen jetzt 140 000 Menschen zählenden Guaymi - Indianerstamm. Gott segne Sie alle!

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