Beziehungen
„Beziehungen muss man haben, wenn man vorankommen will!“ sagt man in der Welt, und ohne Beziehungen im Beruf oder Geschäftsleben kommt man nicht weiter! Das gilt aber besonders für die lateinamerikanischen Länder, in denen ich in den letzten über 45 Jahren lebte. Ich habe wohl kaum davon Gebrauch gemacht, denn meine einzigen „ Beziehungen“ waren die zu meinem himmlischen Vater und zu den Leitern und Mitarbeitern des Missionswerkes, von dem ich ausgesandt worden war.
Doch einmal brauchte ich eine „Beziehung“ zu einem der leitenden Männer im Gesundheitsministerium von Panama. Ich hatte vom Tropeninstitut in Tübingen für unsere Indianerkliniken zwei Kisten mit Medikamenten bekommen und die dazugehörigen Papiere waren ordnungsgemäß dem Zollamt und den zuständigen Behörden eingereicht worden von unserer Missionsleitung. Bisher war alles immer glatt gegangen, doch diesmal wurde dem Leiter unserer Mission mitgeteilt, dass die Medikamente nicht ausgeliefert werden könnten, er solle nochmals wiederkommen. Das tat er des öfteren und jedes Mal vertröstete man ihn mit „freundlichen Worten“ aufs nächste Mal, wahrscheinlich mit dem Hintergedanken, den zuständigen Leuten einige Geldscheine in die Hand zu drücken! Doch da er das nicht tat, blieben die Kisten mit den so sehr benötigten Medikamenten bei dem zuständigen Apotheker in Panama City ein ganzes Jahr liegen! Wir beteten darüber zu der höchsten Stelle aller Beziehungen, zu unserem himmlischen Vater. Da sagte mir einer der reichen Ladenbesitzer in Tolé, als er davon hörte, dass er gute Beziehungen zu dem stellvertretenden Gesundheitsminister habe und er würde ihm einen Brief schreiben, den ich ihm bringen sollte. So machte ich mich einige Tage später hoffnungsvoll auf den weiten Weg nach Panama City, das etwa 500 km von Tolé entfernt ist. Zu meinem Erstaunen bekam ich auch eine Audienz bei dem Vizeminister des Gesundheitsministeriums. Etwas unsicher brachte ich ihm mein Anliegen vor und übergab ihm den in schlechtem Spanisch und mit vielen Fehlern geschriebenen Brief seines Freundes in Tolé. Doch das alles schien ihn gar nicht zu beeindrucken, auch nicht die gesundheitlichen Nöte der Indianer, die so dringend die Medikamente brauchten, und so zog ich etwas enttäuscht meine Fotomappe heraus mit Bildern von den Guaymi - Indianern in den Bergen von Westpanama. Und ich erwähnte so ganz beiläufig, dass ich auch an der Analyse der Guaymi - Sprache als Linguistin arbeitete. Da sprang er ganz erregt von seinem Sessel auf und rief: “Was, Sie sind Linguistin? Ich bin auch eine Zeitlang Lehrer in der dortigen Gegend gewesen und die Sprache der Indianer interessiert mich sehr! Ich möchte ein Guaymi - Lexikon haben, wenn Sie soweit damit sind!“ Und dann hängte er sich an das Telefon und rief den Apotheker des Gesundheitsamtes an, der meine Medikamente hütete, dass er sofort die beiden Kisten von Deutschland herausgeben solle und sie der deutschen jungen Frau, die gerade bei ihm sei, übergeben! Ich war so überrascht über diesen plötzlichen Umschwung in unserer Unterhaltung, die eigentlich gar nichts mit dem Gesundheitsministerium zu tun hatte, und zog fast wie betäubt mit einem kleinen Schrieb des Vizeministers ab, um mit dem Taxi zu dem zuständigen Apotheker zu gelangen. Der sagte mir mit verschmitztem Lachen: „Gerade war der Doktor von Tolé hier bei mir und ich fragte ihn, ob er verfallene Medikamente haben wolle, die von Deutschtand für die Leute in Tolé geschickt worden seien. Doch dankend hatte der italienische Doktor es abgelehnt, und nun können Sie die Medikamente mitnehmen, denn sie sind noch unberührt und gar nicht verfallen!!“ Was sollte ich dazu sagen?! Ich dankte ihm und sagte, dass ich am nächsten Tag mit einem Auto der Mission kommen würde, um die beiden Kisten abzuholen, und bald danach gelangten diese an ihren rechtmäßigen Bestimmungsort zu den Guaymi - Indianern, an deren Sprache und der Übersetzung des Neuen Testamentes ich auch tätig war.
Ja, es ist gut, zu der höchsten Autorität in dieser Welt die rechten Beziehungen zu haben, zu dem Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, der alles in Seinen Händen hält und keine Bestechungsgelder braucht, wie sie hier auf der Erde oft üblich sind!
Etwas anders war die Notwendigkeit der
Beziehungen bei der Beschaffung meines Dauervisums für Panama. Etwa 35 Jahre
lang musste ich jedes Jahr neu über den Rechtsanwalt unserer Mission einen
Antrag stellen, um für ein weiteres Jahr in Panama bleiben zu dürfen. Später
wurden uns nur noch drei Monate genehmigt, die bei der Einwanderer-Stelle immer
neu beantragt werden mussten. Als ich 1989 vom Heimataufenthalt zurückkam,
konnte ich die benötigten Papiere für ein Dauervisum mitbringen. Der Mitmissionar,
der solche Behördengänge für uns machte, sagte mir fast ärgerlich: “Das mache
ich nicht wieder, denn ich habe es gerade für ein älteres Ehepaar getan, und
sie mussten wohl die hohen Gebühren bezahlen, bekamen aber kein Visum!
Versuchen Sie es selbst in Ihrer Provinz Chiriqui, wo die
Beamten wohl etwas freundlicher mit Ausländern umgehen!“ So ging ich
zum Ausländeramt in David, unserer Provinzhauptstadt und brachte mein Anliegen
vor. Dort sagte man mir, ich solle zu einem bestimmten Rechtsanwalt gehen, der
die Sache für mich erledigen würde. Ich ging zu ihm und präsentierte mein
Anliegen und meine Papiere, die er flüchtig durchsah, und mir dann versprach,
dass ich in drei Wochen das
Dauervisum haben würde. Es koste nur 800.--$, wovon ich die Hälfte gleich
bezahlen müsste, und die andere später, wenn mir das Visum übergeben werden
würde. Ich solle nur bald wiederkommen und die 400.--$ ba!d bezahlen, was ich dann auch tun konnte. Doch bald erhielt
ich einen Anruf, dass ich nochmals zum Rechtsanwalt kommen sollte, weil etwas
noch fehlte. Dies geschah mehrmals, und nach den versprochenen drei Wochen war
immer noch keine Aussicht auf den Erhalt des Dauervisums, und es vergingen
darüber etwa drei Monate. Da ich nicht wusste. was noch fehlen könnte, fuhr ich
nach längerer Zeit noch einmal zum Rechtsanwalt, ohne dass er mich gerufen
hatte. Als er mich in sein Büro eintreten sah und noch ehe ich etwas sagen
konnte, ergriff er sogleich den Telefonhörer und rief bei dem Immigrationsbüro
in Panama City an. Man sagte ihm, dass die Direktorin des Ausländeramtes in
Panama City nicht da sei, aber sie würde am Nachmittag wiederkommen. Ich sollte dann nochmals am Nachmittag
bei ihm vorsprechen. So fragte ich ihn ganz unwissend, wie die Direktorin denn
heiße, und er nannte mir ihren Namen. „Ach“, sagte ich, „die kenne ich ja ganz
gut, denn sie ist Toleanerin, wie ich auch seit etwa 17 Jahren!“ „Was“, sagte
er erstaunt, „Sie kennen die Direktorin?!“ „Ja, sie ist mir bekannt!“ (Obgleich
ich keine direkten Beziehungen zu ihr hatte, wusste ich doch, dass sie eine der
Geliebten des damaligen Staatschefs war, der ihr diesen hohen Posten verschafft
hatte, und dass sie in Tolé wohnte.) Auf diese Tatsache hin, die ich ohne
besondere Absichten erwähnt hatte, hängte er sich nochmals ans Telefon und
sagte, dass das Dauervisum für die „Alemana“ sofort von der Direktorin
unterschrieben, und nach David geschickt werden solle. Und so bekam ich nach
drei Tagen, als ich wieder die einstündige Busfahrt nach David machen konnte,
mein Dauervisum als „‚Turista pensionada“ (pensionierte Touristin), das nicht
erneuert werden muss! Danke, HERR Jesus, Du lenkst die Herzen der Menschen wie
Wasserbäche!
Zu Beginn meines Panama-Aufenthaltes litt ich oft und lange unter z. T. schweren Augenentzündungen (Conjunktivitis und Keratitis) und ging schließlich zu einem Augenarzt in David. Er untersuchte mich genauestens und sagte, dass diese Augenerkrankungen oft bei blauäugigen Ausländern vorkäme und er gab mir Augentropfen und erkundigte sich interessiert nach meiner Arbeit unter den Guaymi. Als ich ihn nach dem Preis für die Augentropfen und die Untersuchung in seiner Privatklinik fragte, sagte er mir ganz bewegt: „Sie tun so viel für unser Volk und helfen den Indianern, was wir fast gar nicht tun, wie kann ich da noch Geld von Ihnen verlangen? Nein es kostet nichts!“ Auch so bewegt Gott manchmal die Herzen der Menschen!
JESUS CHRISTUS IST NICHT GEKOMMEN, DASS ER SICH
DIENEN LASSE, SONDERN, DASS ER DIENE UND GEBE SEIN LEBEN ZU EINER ERLÖSUNG FÜR
VIELE.
Matthäus 20,28
Bericht aus Chichica 1968.
Wie ich meiner Helferin zur Helferin wurde...
Ich war allein auf der weltfernen Missionsstation im Gebirge! Meine Kollegin Eleanor musste für einige Monate zu ihrer kranken Mutter in die USA reisen. Sie wusste noch nicht, wann sie wiederkommen würde und ich brauchte Hilfe, eine kompetente Helferin, die wusste, wie mit Kranken und Gesunden Indianern umzugehen. Wir beteten. Da hörte eine junge Studentin von dieser Notlage in Panama und sie meldete sich bei einem der leitenden Brüder der New Tribes Mission in USA. Dieser war der Bruder meiner Kollegin Eleanor, der von unserer Notlage wusste. Aber er musste, laut den Statuten der Mission dieser Studentin mitteilen, dass die Mission keine Kurzzeithelferin annimmt, wenn sie nicht die offizielle „Boot-camp-AusbiIdung“ (von einem Jahr) gemacht hätte! Doch die Studentin Marlene bestand auf ihrem Standpunkt und schrieb ihm, dass sie auf jeden Fall, ob die Mission damit einverstanden sei oder nicht, nach Panama in ihren dreimonatigen Semesterferien zur Hilfe für diese ihr unbekannte Missionarin fahren würde. Außerdem fand sie noch eine andere Studentin, die Missionarstochter Connie, die auch mit ihr nach Panama fahren wollte. Und so erschienen beide nach einem abenteuerlichen Pferderitt von etwa acht Stunden vor dem Hause der einsamen Missionarin. Welch ein Wunder!!!
Doch die drei Monate, in denen sich beide erstaunlich gut in die Missionsarbeit hineingefunden hatten, vergingen viel zu schnell und Marlene musste nach USA zurückreisen, während Connie noch drei weitere Monate bei mir bleiben wollte. Sie hatte auf dem Missionsfeld ihrer Eltern in Bolivien schon mancherlei Kenntnisse auch in der Behandlung der vielen Kranken, die zu uns kamen, mitgebracht und war mir eine rechte Hilfe.
Da erfuhr ich zu meinem großen
Erstaunen, dass eine andere Helferin auch zu mir kommen wollte, eine
holländische Krankenschwester, die eine gute solide Ausbildung zur Behandlung
aller möglichen Krankheiten erhalten hatte. Welch ein Wunder, auch dass sie gerade in der Zeit kommen wollte, wo die einsame
Missionarin noch allein auf der Missionsstation sein würde! Wunder über
Wunder! Unser himmlischer Vater
weiß, was wir bedürfen, auch in solchen Situationen! So erwartete ich sie voller Freude, obgleich ich sie auch
nicht kannte. Sie konnte sogar mit einem Kleinflugzeug ins Gebirge geflogen
werden, wo sie dann nur einige Stunden zu Pferde brauche, um zu uns zu
gelangen! Alles schien perfekt zu sein und auch Connie, die noch bei mir war,
erbot sich mit zwei von unseren Pferden, sie an der Landepiste des Flugzeuges
abzuholen und sie dann zu mir zu bringen. Alles klappte vorzüglich, und da das
Kleinflugzeug am Nachmittag wieder zurückfliegen müsste, erwartete ich die
beiden Helferinnen am nächsten Tag bei mir. Doch die Holländerin war keine
Reiterin und kannte auch keine Bergpfade, die es in dem ebenen Holland nicht
gibt. Doch mit großer Freude stieg sie auf der kleinen Landepiste im Gebirge am
späten Nachmittag aus dem Flugzeug und da sie eine Tierliebhaberin war, brachte
sie auch zwei junge Kätzchen in ihrem kleinen Gepäck mit. Es fing schon an zu dunkeln und die
Holländerin sah sich nach einer Indianerhütte um, wo sie die Nacht verbringen
könnte. Doch Connie sagte ihr, dass wir heute Nacht noch die kurze Strecke von
ca. vier bis fünf Stunden zurücklegen könnten, denn Carlota wartet schon sehr
auf uns! Und die Holländerin wies
auf ihre Reitunfähigkeit hin besonders in der Dunkelheit. Doch für Connie war
alles leicht und einfach und sie sagte der etwas ängstlichen Holländerin: „Die
Pferde kennen den Weg und sie sind ganz sicher und stark und Du bekommst das
beste Pferd, das Dich sicher nach Chichica bringen wird!“ Und so ritten sie
los. Unser bestes Reitpferd merkte, dass auf seinem Rücken eine nicht reitgeübte
Reiterin saß und es müsste vorsichtig mit dieser großen schweren Frau über die
ihm unbekannten Bergpfade gehen! Die Nacht brach herein und man konnte die Bergpfade nicht erkennen und
auch das Pferd kannte diese Pfade nicht und versuchte einen ganz steilen Pfad
bergauf zu gehen, wo auch Pferde nicht hinaufgehen können, und plötzlich geschah es, Niesje schrie: „Connie ich falle, was
soll ich tun?“ und das Pferd fiel
rücklings auf den steilen Pfad und rollte den Berg hinunter und begrub die
große Holländerin unter sich. Diese fiel mit dem Kopf auf einen Stein und war
bewusstlos! Connie, die hinter der Holländerin her ritt, stieg vom Pferd ab und
suchte mit einer ausgehenden Taschenlampe die Holländerin, neben der nun ihr
Pferd stand, da es sich an einem ebeneren Ort wieder aufrichten konnte. Doch Niesje, die Holländerin, lag
bewusstlos am Boden und Connie versuchte sie aufzurichten, bis diese
schließlich zu sich kam und Connie das Blut von der Kopfwunde im Dunkeln
abwischen konnte! Schließlich fand
sie als einzigen Ausweg, dass sich die Holländerin wieder auf ihr Pferd setzen
musste und sie langsam weiter reiten sollten... Ein Indianischer Mann, der
unsere Pferde zu den beiden Frauen gebracht hatte, war schon lange im Voraus
und es kümmerte ihn der Fall der neuen Gringa wenig. Nach kurzer Zeit fanden
die beiden eine verlassene Indianerhütte am Wege und da die Holländerin die
Kopfschmerzen nicht mehr aushielt, stieg sie ab und Connie machte ihr und ihren
beiden fröhlich spielenden Kätzchen auf der Erde ein Bett zurecht. Den recht
unwilligen Indianer schickten sie mit seinem eigenen Pferd zu Carlota nach
Chichica, um von dort eine Hängematte und einige Helfer zu holen. Ich lag schon
in tiefem Schlaf, als ich draußen eine Stimme hörte, die lakonisch sagte: „Gringa
neue, hat sich geschlagen, braucht Hängematte!“ das war alles, was ich aus dem
Mann herausbekommen konnte! Zitternd vor Schreck suchte ich unsere Hängematte,
während er zu den Nachbarn ritt und ihnen sagte, dass sie zu der Unfallstelle
mit ihm kommen sollten, weil die sehr schwere Gringa sich „geschlagen“ habe und
man sie tragen müsse. Er selbst könnte nicht helfen, sondern müsste
schnellstens zu seiner Familie zurück reiten. Dass ich selbst nicht mehr schlafen konnte sondern betend im
Dunkeln auf meinem Bett saß, lässt sich denken. Wie werde ich meine Helferin,
auf die ich so viel Hoffnung gesetzt hatte, wohl antreffen? Ob sie noch am
Leben ist, oder viele Knochen gebrochen sind?!! Wer kann ihr hier in dieser weltfernen Gegend noch
helfen?! Und dann kamen
schließlich die vier Brüder, erschöpft von der schweren Last, vor unserem Hause
an! Ja, sie war noch am Leben! Und
sie konnte auch noch sprechen! Mit Hilfe von mehreren Brüdern konnten wir sie
in das für sie vorbereitete harte Bett legen, wo sie nur über schwere
Kopfschmerzen klagte. Connie wusch die Kopfwunde aus und verband den Kopf so
gut es ging und ich suchte die stärksten Schmerztabletten aus unserem
Klinikräumchen heraus, die bald die Schmerzen linderten, sodass sie etwas
schlafen konnte. Dank dem HERRN, dass wir keine Knochenbrüche feststellen
konnten und bald auch die
Kopfwunde sich zu schließen begann! Ein Fall auf dem dunklen Bergpfad und ein
schweres Pferd, das auf die schwere Holländerin gefallen war, welch ein Wunder, dass sie am Leben
geblieben war!! Und bald konnten wir sehen, wie sie aufstand und mit Staunen
die schöne Berggegend ansehen konnte. „Wie schön ist es hier“, sagte sie „und
wir wollen Gott loben für alles und IHM hier dienen mit Freuden!“ Das tat sie
nun und half vielen kranken Indianern, die von ihrem Fall gehört hatten und
bald Vertrauen zu ihr fassten! Wie gut und groß ist Gott, bei allem unserem
Versagen, denn ER hat Auswege auch aus dem Tod! IHM sei alle Ehre!
Der Bischofsbesuch
Aufgeregt kam Maria, die Latino Ladenbesitzerin vorn Baumwollberg zu uns gelaufen: „Der Bischof hat heute in seiner Radiopredigt Euch lobend erwähnt! Er sagte, dass da im Gebirge unter ganz primitiven Lebensumständen zwei Nordamerikanerinnen unter den Guaymi-Indianern wohnen. Sie helfen ihnen und tun die Liebes-Werke Christi! Wir alle sollen uns ein Beispiel an ihnen nehmen und auch den Armen helfen und die Werke Christi tun, wie sie!“
Nun, das berührte uns wenig, denn unser Auftrag war es ja, das Evangelium von der Liebe Gottes durch den Opfertod Jesu für unsere Sünden, auch die Sünden der Indianer, ihnen zu bringen. Dass wir dabei eine kleine primitive medizinische Klinik hatten, auch eine Zahnklinik, wo die schmerzenden Zähne gezogen wurden, auch Zähne plombiert werden konnten und ab und zu Gebisse hergestellt wurden - alles ganz umsonst - das war für uns ganz selbstverständlich! Ich, als die zweite Nordamerikanerin kam allerdings aus Deutschland und bekümmerte mich, neben dem Guayrni-Sprachstudium und der Verschriftung der bisher ungeschriebenen Guaymi-Sprache, um die Kranken, die oft mit ihren Angehörigen zögernd und etwas misstrauisch zu uns kamen. Dass die Indianer allerdings ganz andere Vorstellungen über Krankheitsursachen hatten als wir, erkannte ich erst im Laufe der Zeit nach und nach. Nach ihren Vorstellungen sind die Ursachen für alle Krankheiten die bösen Geister, die durch irgendeinen Feind, der einen Zauberfluch über sie ausgesprochen hatte, aktiv wurden und immer Krankheit und Tod verursachen. Und nur der Zauberer hatte die Macht, herauszufinden, wer dieser Feind war und dann konnte er die bösen Geister austreiben! Dabei fällt dann der Zauberfluch auf den Feind, der ihn aussprach, zurück, sodass dieser dann krank wird und oftmals stirbt. So ist das Leben der Guaymi immer nur ein Kampf mit unsichtbaren Feinden, mit den bösen Geistern unter dem Himmel! Wie gut, dass wir ihnen die Frohe Botschaft vom Siege Jesu über alle bösen Geister, ja über den Teufel selbst bringen konnten und viele diese befreiende Botschaft von Jesus an- und aufnahmen, denn auf den Befreier hatten sie ja gewartet so viele Jahrhunderte! So entstanden bald viele Indianerkirchen und die an Jesus gläubig gewordenen Indianer, die spanisch lesen konnten, lasen nun eifrig die Bibel und sagten die Frohe Botschaft anderen weiter.
Doch der Bischof der Provinz Chiriqui, der in David, der Provinzhauptstadt wohnte, wollte sich nun selbst überzeugen von den guten Taten, die die beiden Nordamerikanerinnen dort im Gebirge vollbrachten.
Mit einem kleinen Gefolge kam er eines Tages zu uns herauf geritten, sieben bis acht Stunden auf einem weißen Ross, im weißen Bischofsornat, - wobei er auch einen reißenden Bergfluss im Sattel überqueren musste! Ein katholischer Latino Ladenbesitzer hatte ihn eingeladen, bei ihm zu essen und zu übernachten. Der Bischof erbat sich nun, dass meine Mitmissionarin Eleanor und ich auch an dem Essen teilnehmen sollen. Doch gerade an diesem Tage war sie nicht zu Hause. So musste ich mich allein zu dieser Begegnung bereitmachen! Ich war aber froh, dass ich nach einer etwas spärlichen Unterhaltung nach Hause zurückgehen konnte, aber der Bischof versprach mir, uns im Hause zu besuchen. Ich lud einige meiner Indianerbrüder ein und sie kamen alle mit ihren Bibeln bewaffnet, denn sie hofften auf eine Besprechung mit dem Bischof. Nach einer Tasse Kaffee sangen wir zuerst zwei spanische Choräle, die der Bischof mit „oh, wie schön!“ quittierte. Doch dann hatte er es aber sehr eilig und musste uns verlassen, um noch einige von den katholischen Latinofamilien zu besuchen. Meine Indianerbrüder aber waren sehr enttäuscht, dass sie keine biblische Bischofspredigt hören konnten, auf die sie gewartet hatten und mit ihm über das Wort Gottes zu sprechen Doch beim Abschied sagte mir der Bischof, dass ich ihn doch in David besuchen sollte, wenn ich dorthin käme, was allerdings nur ein bis zwei Mal im Jahr geschah, da wir dafür meistens zwei Tagereisen brauchten -
So meldete ich mich bei meiner nächsten David-Reise telefonisch bei ihm und er lud mich freundlichst zu einem Abendessen in seinem Bischofssitz ein. Ich wurde von einem älteren Priester empfangen, der sich gleich mit mir über ein Buch unterhielt, das von der Offenbarung handelte und meinte, die Offenbarung in der Bibel sei doch ein sehr unverständliches Buch. Ich zückte darauf meine Bibel und sagte, dass es doch ganz einfach zu verstehen sei und versuchte ihm einiges zu erklären. Da kam der Bischof herein und sagte: „Ah, - die Heilige Schrift!!“ und ich musste den alten Priester stehen lassen, um mich zum Essen zu begeben. Der Bischof wurde von einem anderen Priester bedient und ich durfte mich beim Essen mit ihm unterhalten. Es freute ihn besonders, dass ich von Deutschland war und er sagte ganz sehnsüchtig: „Oh, ich würde so gerne Deutschland sehen, aber ich kann doch kein deutsch sprechen!“ - War es wohl das Land Martin Luthers, was ihn so anzog?
Es war gerade die Zeit kurz vor dem zweiten Vatikanischen Konzil in Rom und der Bischof sagte mir, dass alle Bischöfe der Welt daran teilnehmen müssten. Er würde dann drei Monate von Panama fort sein, was ihn eine sehr lange Zeit dünkte. Doch würde er gern in dieser Zeit Deutschland besuchen, da ja Rom nicht allzu weit von Deutschland entfernt ist. So versprach ich ihm, dass ich versuchen würde, einen spanisch sprachigen Mann zu finden, der ihm ein „Reiseführer“ sein könnte. Da kam mir ein gläubiger Schweizer Bankbeamter in den Sinn, der Prokurist bei einer großen Schweizer Bank war und die Konten des spanischen Königshauses verwaltete, also einer, der ein sehr gutes Spanisch sprach. Dazu war er ein klar überzeugter Christ, der auch wusste, wie mit hochgestellten Persönlichkeiten umzugehen sei. Ich schrieb an diesen Bruder, den ich schon länger kannte und dieser erklärte sich gleich bereit, den Bischof zu empfangen und ihm einiges von den Schönheiten der Schweiz zu zeigen. Er schickte sogar ein Foto von sich mit, wo er mit einer Bibel in der Hand zu sehen war. Bei meiner nächsten David--Reise konnte ich dem Bischof das Foto geben und die Adresse von dem Bank Prokuristen. Wunderbarer Weise kam dieses Treffen in der Schweiz zustande und der ehrwürdige Bankprokurist, der Kontakt zu der spanischen Königsfamilie und anderen Ex-Königsfamilien hatte, traf sich mit dem ehrwürdigen panamenischen Bischof, dem „Monseñor“, wie man einen Bischof anredet, in Zürich. Die beiden ehrwürdigen Herren hatten zwei wunderbare Tage miteinander verbracht und der Bankprokurist, Herr Schudel, sagte mir später: „Wir waren wie zwei Schulbuben bei diesen Reisen im Sessellift und freuten uns wie die Kinder!“ Am Abend brachte Herr Schudel den Bischof zu seinem Hotel und sagte: „Wir wollen Gott noch danken für diesen schönen Tag!“ – „Oh, mein Gebetbuch ist aber unten im Auto!“ – „Das brauchen wir nicht,“ sagte Herr Schudel, und kniend dankte er dem HERRN für diesen schönen Tag, während der Bischof ganz erstaunt diesem unkonventionellen Gebet stehend zuhörte.
Die zwei Ferientage mit dem Bischof waren zu schnell vorüber, doch Herr Schudel schlug vor, dass er doch auch noch etwas von der französischen Schweiz mit dem höchsten Berg, dem Mont Blanc, kennen lernen sollte. Er kenne dort den Botschafter der Dominikanischen Republik, einem General, der den Bischof sicher gern empfangen würde. Das Treffen wurde vereinbart und der General empfing den Bischof aus dem Nachbarland Panama. Durch das Zeugnis des Bankprokuristen Schudel war dieser hochgestellte Mann zum lebendigen Glauben an Jesus als seinem Erlöser und HERRN gekommen und so war es dem General ein Anliegen, dem Bischof, der aus dem Staunen gar nicht herauskam, davon zu erzählen. Doch auch diese Tage gingen vorüber und bald befand er sich wieder auf dem Flugplatz in Panama und in seinem Bischofssitz in David.
Eine Radiobotschaft erreichte mich kurz danach: Senorita Carlota solle doch bald nach David kommen, um etwas aus Europa Mitgebrachtes in Empfang zu nehmen. Ich schickte einen Indianer mit einem kleinen Brieflein nach David, da es doch zu weit für mich war. Doch der Bischof gab diesem nicht das Mitgebrachte, sondern ließ mich wissen. dass er es mir selbst demnächst bringen wolle. So kam er diesmal mit einem größeren Gefolge nach Chichica geritten und übergab mir eine geldliche Missionsgabe, die Herr Schudel ihm für mich mitgegeben hatte. Er war immer noch ganz bewegt von seinem Erleben in der Schweiz und sagte immer wieder: „Ja, der René Schudel, das ist ein Mann!!!“ der es ihm angetan hatte! Herr Schudel blieb mit ihm in schriftlichem Kontakt und schickte ihm das ins Spanische übersetzte Buch „Planet Erde, wohin?!“ und auch einen spanischen Tagesabreißkalender mit Kurzpredigten, die er jeden Tag las, wie er mir sagte.
Zum Weihnachtsfest erhielt ich einen kurzen Festgruß, worin der Bischof mich wissen ließ, dass von nun an katholische Kapellen im Guaymi-Gebiet gebaut werden sollten, wo Nonnen und Priester die armen Guaymi unterweisen und ihnen helfen würden. Es war wohl das letzte, was ich von ihm erfuhr und erhielt, aber die HiIfsarbeit unter den Guaymi ging voran. Der Bischof selbst wurde herzkrank, sodass ein anderer Bischof eingesetzt wurde, der ihm beistehen sollte Er hatte nur noch kleinere Aufgaben in seiner Bischofskirche zu tun und vor nicht langer Zeit rief ihn Gott heim in die Ewigkeit.
Ich höre immer wieder von verschiedenen Leuten, die ihn kannten, ein lobend anerkennendes Zeugnis über sein Leben und Werk.
So lenkt Gott unsere Wege, oft in ganz unerwarteter Weise und bringt uns in Kontakt mit Menschen, mit denen wir selbst wohl kaum Kontakt suchen würden, um ihnen ein Zeugnis und eine kleine Hilfe auf dem Weg in die Ewigkeit Gottes sein zu können.
Über-Setzung
Als Missionare haben wir es fast immer mit uns fremden Sprachen zu tun, die wir erlernen müssen, damit wir mit den uns anvertrauten Menschen anderer Länder, zu denen wir gesandt wurden, in der Landessprache, reden können. Aber wenn wir zu einem Stamm gesandt wurden, der seine eigene Sprache hat, die oft noch gar nicht niedergeschrieben ist, so müssen wir diese zweite Sprache auch noch erlernen. Und wenn diese Stammessprache nicht niedergeschrieben ist, so muss diese Sprache erst analysiert werden, was meist eine oft sehr schwierige, langwierige Arbeit ist, besonders, wenn es sich um eine „Tonsprache“ handelt oder die Stammessprache viele Laute hat, die in der Landessprache nicht vorkommen.
Als ich 1962 nach Panama gesandt wurde, war ich in der glücklichen
Lage, dass ich die Landessprache Spanisch bereits gelernt hatte (ausgerechnet
in Marokko. Nordafrika!) Doch die Stammessprache Guaymi in Panama hatte noch
keine Schriftsprache, aber einige Missionare hatten schon vor mir angefangen, die
Sprache zu analysieren, waren dann versetzt worden und so musste ich an der
Sprachanalyse weiterarbeiten. Auf
einem Tonband nahm ich Geschichten oder Berichte von einheimischen Sprechern
auf, die ich nun versuchte, mit spanischen Buchstaben (die aber nicht
ausreichten) niederzuschreiben. Man hatte mir 500 Seiten Text verordnet, die
ich in ca. einem Jahr
niederschrieb; dann versuchte ich mit Hilfe von Guaymi-Helfern, die spanisch
konnten, die Bedeutung des Textes herauszufinden, auch wo ein Wort anfängt oder
aufhört, welche Laute vorkommen u. vieles andere noch musste ich von den vielen
Geheimnissen der Guaymi-Sprache versuchen zu enträtseln. Bis es dann endlich so weit war, dass
ich mit der Übersetzung des Neuen Testamentes in die Guaymi-Sprache anfangen
konnte. Auch da gab es Probleme
anderer Art, denn manche Guaymi wollten die Geheimnisse ihrer Sprache, die ja
ihre Sprache war, der Ausländerin nicht preisgeben. Andere hatten keine Geduld, mir immer wieder die Worte, die
ich nicht verstand, zu wiederholen. Bis ich endlich Layo, einen gläubigen
geduldigen Guaymi-Familienvater fand, der mir sagte: „Unsere Leute brauchen das
Wort Gottes und wir müssen es ihnen in ihrer Sprache niederschreiben! Sie
müssen es wissen, dass Jesus, der Sohn des großen Gottes, der Himmel und Erde
gemacht hat, kam, um die bösen Geister, die die Guaymi seit Jahrhunderten so
schrecklich quälen zu besiegen!“ Mit der Geschichte des von einer Legion von Dämonen besessenen Mannes in
Markusevangelium Kapitel vier begannen wir die Übersetzungsarbeit. Auch die leichte Geschichte vom vierfachen Ackerfeld
versuchten wir zu übersetzen. Dabei stießen wir aber auf mancherlei unerwartete Schwierigkeiten, denn
übersetzen deutet auf einen Fährmann mit einem Boot hin, der die Leute von
einem Ufer auf das andere Ufer übersetzt. Und das andere Ufer ist so ganz
anders, es hat eine andere
Sprache, ein ganz anderes Verständnis der Dinge, des täglichen Lebens, der
Arbeit, der Ernährung usw. Auch die Kultur der Bibel ist wieder ganz anders als
die Kultur und Lebensweise des Indianerstammes.
So übersetzten wir den ganz leichten Vers in Matthäus 26, 20 „ Am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.“ Nun, die Guaymi setzen sich nicht zu Tisch, denn sie haben keine Tische in ihren Hütten und dann stehen sie in irgendeiner Ecke mit ihrer Schale voll Reis oder Yuka, aber so, dass niemand in ihre Schale sehen kann, denn wenn jemand dabei ist, der mit dem „bösen Blick“ das Essen ansieht, wird das Essen verzaubert in Krankheit und der Essende stirbt dann früher oder später! Bei der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem, wo die Leute Zweige auf den Weg streuten, fragte ich den Übersetzungshelfer, warum sie das wohl gemacht haben. Er sagte, die Leute wollten nicht, dass Jesus in Jerusalem einzieht! Nein, sage ich, die Leute wollten Jesus damit ehren. Oh, sagte er, dann müssten sie die Zweige auf die Seite des Weges gelegt haben, damit sie ihm den rechten Weg zeigen konnten.
„Jesus ging auf einen Berg und setzte sich“ (Matthäus 5, 1). Was war das für ein Berg?! will Layo wissen, ein steiler spitzer Berg oder ein runder Berg, oder setzte er sich an den Fuß des Berges, diese drei Möglichkeiten muss ich wissen, denn dieses wird in der Übersetzung mit ausgedrückt. „Nun, dann muss ich nach Israel reisen, um mir anzusehen, wie dieser Berg aussah,“ meinte ich. und wir wählten den runden Berg!
Wenn jemand nach seinem Namen gefragt wird, muss er einen anderen Namen
sagen, aber auf keinen Fall den Guaymi-Namen, eher den spanischen Namen, oder
irgendeinen anderen. Warum? Weil der Name ein Teil der Persönlichkeit ist, den
die bösen Geister kennen und wenn auf diesen Namen ein Zauberfluch gelegt wird,
so stirbt der Betreffende bald! Ich hatte immer große Schwierigkeit mit der Eintragung der Namen in
meine Krankenkartei!
Bei der Übersetzung des Hausbaus auf einen Felsen, in Matthäus sieben, hatten wir auch große Schwierigkeiten. Denn Häuser werden nie auf einen Felsen gebaut, sondern man senkt die vier Hauspfosten, die das Dach tragen, tief in die Erde. Und wir konnten nur mit tief oder nur oberflächlich in die Erde eingesenkten Hauspfosten unser Haus bauen!...
„Weiß wie Schnee“, in Panama kennt man, selbst auf dem höchsten Berg, dem 3500 m hohen Volcan Baru, keinen Schnee. So mussten wir einen anderen Vergleich für die Helle des Schnees finden.
Bei der Übersetzung des Kapitels 10 im Johannes Evangelium, wo Jesus sich als Guten Hirten seiner Schafe bezeichnet, hatten wir auch Schwierigkeiten, weil es im heißen Panama keine Schafe gibt. Bei einem Besuch in Boquete merkte ich, dass es hier auf einer höher gelegenen Farm Schafe gibt, die von einem Farmbesitzer in Kanada gekauft und eingeführt worden waren. Ich konnte ihn und seine Schaffarm besuchen und kaufte ein Schafpärchen, das wir mit allerlei Schwierigkeiten nach Chichica auf unsere erste Missionsstation transportieren konnten. „Was sind das für Wildkatzen?“ fragten die Indianer, die sie vorsichtig von fern betrachteten. „Beißen sie auch?“ Langsam konnten sie den Vergleich von uns Menschen mit den Schafen verstehen und auch, wie Jesus unser „Guter Schafhirte“ sein will!
Über-setzen vom sichtbaren irdischen Leben auf die geistlich-himmlische Ebene ist die Arbeit des HeiIigen Geistes Gottes, die wir aber immer wieder erleben!
Radio-Mission
“Hier ist die Stimme von Tanger!“ so erschallte es etwa sechs Jahre lang von Nordafrika aus über den Äther. Im letzten dieser sechs Jahre (1959) durfte ich dort, ehe der König von Marokko die Schließung aller Radiostationen befahl, mithelfen in der deutschen Abteilung im Auftrag der Deutschen Missionsgemeinschaft. Menschen schlossen in diesem Jahr eine Tür, aber Gott öffnete ein Tor, das nun die ganze weite Welt mit dem rettenden Evangelium erreichen sollte: Trans World Radio, dessen deutscher Zweig der Evangeliums Rundfunk ist, wurde geboren!
Gott führte meinen Weg danach (1962) nach Panama, wo wir von den holländischen Antillen aus die Evangeliums Sendungen von Trans World Radio hören konnten. Doch war dort in Panama meine Arbeit auf medizinischem Gebiet, in der Bibelübersetzung und evangelistischer Arbeit im Stamme der Guaymi Indianer. Aber dennoch ließ mich der Gedanke nicht los, dass dieser etwa 100 000 Menschen zählende Stamm, der weit verstreut in einem unwegsamen Berggebiet wohnt, am besten durch das Radio mit Evangeliumssendungen in seiner eigenen Sprache zu erreichen sei. Ich stieß aber damit nicht auf viel Verständnis bei meinen Mitmissionaren in Tolé: Radio Sendungen in Guaymi?? Nein!!- Wir brauchen ausgebildete Radiosprecher, setzern kennen lernte, als ich 1960 an einem Sprach- und Übersetzungskursus in England teilnehmen durfte. Zu solch einem Stamm wurde ich 1962 gesandt, nämlich zu den Guaymi - Indianern in Panama. Weit verstreut im Bergland Westpanamas lebten die damals ca. 50 000 Indianer in Geisterfurcht und Unwissenheit und Angst in ihren Grasdachhütten. Regiert von ihren Zauberdoktoren mussten sie sich von ihm sagen lassen, welcher böse Geist einen von ihrer Familie krank gemacht hatte und welcher böse Nachbar durch einen Zauberfluch die Krankheit und den Tod herbeigerufen hatte. Jede Krankheit war von bösen Geistern verursacht worden und niemand als der Zauberdoktor konnte den Kranken davon gesund machen. So lebten die Indianer in dauernder Angst vor einander und vor der Rache der bösen Geister, aber auch vor dem Zauberer, wenn man ihm nicht genau gehorchte.
Als die ersten Missionarinnen
Ende der fünfziger Jahre zu den Guaymi-Indianern kamen, versteckte man sich vor
ihnen, denn sie waren sicher auch böse Geister, die ihnen erschienen, da sie
helle Haare und blaue Augen hatten. Doch erst langsam wich die Furcht, als man
merkte, dass sie ihnen nichts Böses antaten. Als dann die Missionarinnen ihnen
sagten, dass sie einen ganz starken „Zauberer“ kennen würden, der Macht über
alle bösen Geister hätte, da fragten sie ganz interessiert: „Wer ist denn das?
Wie heißt er? Wo wohnt er? Wir wollen dort hingehen!“ Auf diese Fragen konnten
wir ihnen sagen: „ER heißt JESUS und ER ist der Sohn des großen Schöpfergottes,
der Himmel und Erde und Eure schönen Berge gemacht hat. Ihr kennt ihn doch!
Dieser Gott liebt Euch und hat sich nicht hinter die Wolken zurückgezogen und
redet nur noch durch die Zauberer mit Euch, wie Ihr meint. Nein, ER hat diesen
Seinen Sohn JESUS zu uns auf die Erde gesandt, um uns von der Macht der bösen
Geister und des Teufels zu befreien!“ – „Das ist aber ein gutes Wort, was
Ihr habt! Wir wollen mehr davon hören!“ war dann meistens die Antwort der
erstaunten Guaymi-Indianer. Und viele kamen, meist im Dunkeln zu uns, um mehr
von diesem Guten Wort zu hören.
Einige von den jungen Männern, die lesen konnten, oder auch bei uns lesen gelernt hatten, fingen an, in der spanischen Bibel nachzulesen, was diese „Weißen Frauen“ ihnen gesagt und aus der spanischen Bibel vorgelesen hatten. Aber Spanisch war nicht ihre Sprache, sie verstanden nur einiges, aber recht wenig; ihre Sprache war eben Guaymi! Aber ihre Sprache wurde nur von ihnen gesprochen und verstanden; sie hatten sie nie niedergeschrieben, wozu auch?! Nun lag vor den Missionarinnen die Riesenaufgabe, der gesprochenen Sprache eine Schriftsprache zu geben: Welche Vokale und welche Konsonanten kommen in der Sprache vor und welche müssen geschrieben werden und welche nicht? Und wie schreiben wir sie? Die Guaymi-Sprecher belauschten wir, Tonbänder hörten wir ab und umschrieben sie. Das erforderte Wochen und Monate bis ein Alphabet zusammengestellt werden konnte, das dann immer wieder, auch von der Regierung, geändert wurde. Jede Sprache hat ja ihre bestimmte Grammatik, und auch diese musste herausgefunden werden neben all den Wortbedeutungen und idiomatischen Ausdrücken. Nach Monaten und Jahren der Forschungsarbeit durch verschiedene Missionare war auch dieses herausgefunden worden. Und erst dann konnte mit der eigentlichen Bibelübersetzungsarbeit begonnen werden, denn die Guaymi brauchten ja das „Gute Wort Gottes“ in ihrer eigenen Sprache, damit sie es richtig verstehen konnten!
Ich selbst hatte mich schon etwas zu früh an die Erstübersetzung des Neuen Testamentes gewagt, obgleich ich vieles von den Geheimnissen der Sprache noch nicht herausgefunden hatte. Doch fand ich nach verschiedenen Versuchen einen bibelkundigen jungen Indianer, der bei uns lesen gelernt hatte und oft ganze Nächte bei schwachem Öllampenlicht in der Bibel las. Er hieß Layo. Er sagte zu mir: „Mein Volk braucht das Wort Gottes in seiner Sprache, damit sie den wahren Gott und Seinen Sohn, JESUS, kennen lernen!“ Ich fragte Layo: „Welches ist die wichtigste Geschichte, die wir zuerst übersetzen sollen?“ Er antwortete prompt: „Markus 5! die Geschichte vom besessenen Gadarener. Mein Volk soll wissen, dass Jesus der HERR über die bösen Geister ist und sie besiegt hat!“ – „Und die zweitwichtigste Geschichte?“ fragte ich ihn. „Johannes 20, die Auferstehung Jesu! Mein Volk soll wissen, dass Jesus vom Tode auferstanden ist und lebt!“ sagte er. So übersetzten wir diese beiden wichtigsten Kapitel und fingen dann mit der Übersetzung des Markus Evangeliums an.
In dieser Zeit merkte ich, wie meine Kraft abnahm und ich Tag für Tag immer weniger Spannkraft und Körperkraft zur Übersetzung hatte. Auch Layo wurde immer wieder, meist in der Nacht, angegriffen von bösen Geistern und kam oft lange Zeit nicht zum Übersetzen. So ging es langsam und schleppend voran und ich musste mich immer wieder hinlegen, um neue Kraft zu bekommen. Doch jeden Tag wurde ich schwächer und kraftloser, ohne bestimmte Krankheits-Symptome zu haben. Was ist nur der Grund? Was soll ich nur tun? Medizinische oder ärztliche Hilfe war in den Bergen nicht vorhanden, doch erinnerte ich mich an den großen Arzt JESUS und sagte mir: Ich will einen Tag des Fastens und Betens haben und den HERRN um Hilfe und Heilung bitten!
An dem Tage geschah nichts, doch gegen Abend kam unser Guaymi - Pastor Tiburcio vorbei, der ein guter Bibelkenner und vollmächtiger Verkündiger war. Als er in die Übersetzerhütte, wo ich mich aufhielt, trat, sagte ich zu ihm: „Bruder Tiburcio, bete doch bitte für mich, ich habe keine Kraft! Bitte Gott um Kraft für mich!“ – „Was, Du hast keine Kraft?“ sagte er und zog seine Bibel heraus und schlug den 1. Korintherbrief auf. „Sieh einmal, hier im 1. Kapitel im 24. Vers steht: „Wir predigen Christus, als Gottes Kraft und Gottes Weisheit!“ – Ja, Christus ist Gottes Kraft für Dich! Du hast keine Kraft, aber ER ist die Kraft für Dich! und es heißt ja auch im 27. Psalm: Der HERR ist meines Lebens Kraft. Er gibt nicht nur Kraft, sondern ER ist Deine Kraft. Nimm IHN als Deine Kraft! Und sieh, Du hast nun angefangen, das Wort Gottes zu übersetzen in unsere Sprache und der Teufel haßt nichts so sehr, wie das Wort Gottes. Darum greift er dich an und nimmt Dir alle Deine Kraft! In Epheser 6 Vers 12 heißt es: „Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel!“ In der spanischen Bibel heißt es: Wir haben zu kämpfen mit Heeren von bösen Geistern unter dem Himmel! Sieh einmal: Heere von bösen Geistern greifen dich an, weil Du das von ihnen gehasste Wort Gottes übersetzt. Nun brauchen wir Heere von Betern, die für Dich eintreten und beten! Ich werde am Sonntag den Geschwistern dort sagen, dass sie jeden Tag für dich beten sollen!“ Während Pastor Tiburcio so zu mir sprach, ging es mir wie ein Licht auf und ich sah die Zusammenhänge zwischen der Bibelübersetzungsarbeit und der furchtbaren Kraftlosigkeit und ich rief plötzlich aus: „Bruder Tiburcio, die Kraft ist wieder da! Die Kraftlosigkeit ist gewichen!“ Er hatte noch gar nicht für mich gebetet, sondern mir nur das Wort Gottes erklärt und ausgelegt! Und ich erlebte etwas von der Wahrheit des Wortes in Hebräer 1, 3: „ER trägt alle Dinge mit Seinem kräftigen Wort!“ oder mit dem Wort Seiner Kraft!“ Ja, Sein Wort ist unseres Lebens Kraft!
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