8 Kindergeschichten
Basilio
Basilio war ein
Guaymi-Indianerjunge, der mit seinem Vater Emibo und einigen Geschwistern in
einer Grasdachhütte im Gebirge wohnte. Unbekümmert spielte er mit seinen zwei
Brüdern und seiner Schwester an dem kleinen Bächlein, das an seinem Hause
vorbei floss. Sein Vater hatte nach alter Guavrni-Stammessitte drei Frauen, die
aber ziemlich friedlich zusammenlebten und die Kinder bekümmerte das wenig,
denn die beiden anderen Frauen waren eben die Tanten, die von den Kindern als
solche akzeptiert wurden. Eines Tages starb Basilios Mutter und er und seine
Schwester waren Waisen, was bei den Guaymis bedeutet, dass sie unter dem Fluch
böser Geister stehen würden und sie zum Leiden verurteilt sind. Die kleine
Schwester wurde weit weg zu Verwandten der Mutter gegeben und Basilio blieb bei
seinem Vater und den beiden „Tanten“, die ihn aber so schlecht wie nur möglich
behandelten. Er musste alle schweren Arbeiten machen, die die anderen beiden
Halbbrüder nicht tun wollten und bekam wenig oder manchmal gar kein Essen.
Eines Tages erkrankte Basilio, hohes Fieber und der ganze Körper war mit roten Flecken bedeckt: Es waren Masern, die bei den Guavmis eine tödliche Krankheit sind. Nur der Vater kümmerte sich um seinen kranken etwa zwölfjährigen Sohn, die “Tanten“ halfen ihm nicht. Es war ein Wunder, dass Basilio genas, der Vater war einige Male zu uns gekommen und hatte um Medizin für seinen kranken Sohn gebeten. Da Masern ja sehr ansteckend sind, erkrankten auch bald die beiden anderen Brüder, um die sich ihre beiden Mütter rührend kümmerten. Sie gaben den kranken Kindern kein Wasser, denn das „schadet“ ja den Kranken (!) und holten Medizin beim Zauberer, doch beide Kinder starben. Es war für die beiden Mütter nicht schwer herauszufinden, wer schuld an dem Tode ihrer beiden Söhne war, das konnte nur Basilio gewesen sein, der einen Zauberfluch auf die beiden Brüder geschickt hatte, sodass sie starben, denn jeder Tod ist nach dem Glauben der Guaymis durch einen Feind verursacht, der durch einen Zauberfluch einen Menschen tötet. Dazu hatte Basilio die tödliche Masern-Krankheit, die er selbst gehabt hatte, weitergegeben, damit er selbst gesund werden könnte. Der Vater Emilio hatte öfter an den Versammlungen in der kleinen Kirche auf unserem Missionsgrundstück teilgenommen und sich zu den Gläubigen bekannt ohne viel vom Evangelium zu verstehen. Seine beiden Frauen, deren Söhne gestorben waren, zwangen nun den Vater von Basilio, ihn durch den Zauberer „bestrafen“ zu lassen. Wie, das war ihm wahrscheinlich nicht bewusst. In einer Nacht, als Basilio schlief, wurde er von bösen Geistern angegriffen und geschlagen, dass ihm das Hüftgelenk ausgekugelt wurde und das rechte Schlüsselbein gebrochen wurde und er, um sich zu schützen, die Arme und Beine anzog und sie nicht mehr strecken konnte. So lag er auf seinem „Rutenbett“ ohne sich bewegen zu können, immer voller Angst, dass die bösen Geister wiederkommen würden und voller Schmerzen. Zwei tiefe Wunden am Rücken und Hinterkopf (Decubitus) waren die Folgen der Bewegungslosigkeit auf dem harten Bett und man hörte ein dauerndes Jammern und Stöhnen, was durch die starken Schmerzen verursacht war. Der Vater kam zu uns und bat um Medizin für die “Löcher“ am Kopf und Rücken, die seinem Jungen soviel Schmerzen verursachten, erzählte aber nichts von den Ursachen. Ja, sein Junge hatte die Masern überstanden, aber er könne nicht mehr gehen. Wir konnten uns das alles nicht zusammenreimen und baten den Vater, den Basilio zu uns zu bringen. In einer alten Decke brachte Emilio nun seinen Sohn zu uns, ein jämmerliches “Häufchen Elend‘! Ich sah die angezogenen Arme und Beine, die er nicht mehr strecken konnte und hörte sein von den Schmerzen verursachtes Stöhnen und Jammern und fragte mich: wie können wir ihm nur helfen?
Emilio ließ eine von seinen Frauen, Basilios “Tanten“ bei uns, die den Jungen betreuen und ihm zu Essen geben sollte. Doch diese sagte zu mir: “Ich gebe ihm nichts zu essen, er ist ein so böser Junge, er hat mit Zauberei unsere Kinder getötet!“ So gaben wir ihm zu essen, aber er konnte kaum etwas zu sich nehmen, nur etwas trinken und er deutete an, dass diese Anklagen nicht stimmten. Wenn ich zu Basilio in die Strohdach-Krankenhütte kam, ging ein mattes Leuchten über sein Gesicht und er hörte auf zu jammern, wenn ich mit meiner Gitarre ihm einige Jesuslieder sang und für ihn betete. Er konnte kaum sprechen, meistens sagte er nur: “Bete für mich!“ Doch wie ich ihm in seiner Krankheit heften sollte, wusste ich nicht und ich hörte Tag und Nacht immer nur sein Stöhnen und Jammern. Meine einzige Zuflucht in dieser notvollen Lage war Jesus, der größte und allmächtige Arzt, denn bei uns im Gebirge gab es ja keinen Arzt. Ich fing an zu fasten und zu beten für Basilio und ging dann zur Abendbibelstunde in unsere kleine Kapelle, wo eine Handvoll gläubiger Indianer sich versammelt hatten. Einige Tage zuvor hatte ich schon zwei der leitenden Brüder gebeten, doch für Basilio zu beten, doch diese sagten mir: „Nein, wir können nicht für ihn beten, denn er hat Zauberei betrieben und die bösen Geister würden sich auf uns stürzen, wenn Basilio frei werden würde!“ Doch nach dieser Bibelstunde am Abend erklärten sich zwei ganz junge unerfahrene Brüder bereit, zu uns zu gehen und für Basilio zu beten. Wie froh war ich! Sie kamen kurz danach zu mir und berichteten, dass sie mit dem Vater gesprochen hätten und dieser ihnen erzählt hätte, dass er zum Zauberer gegangen sei und dass der Zauberer Basilio bestraft hätte und dass Basilio dann von den bösen Geistern so zusammengeschlagen worden wäre. „Habt ihr denn mit dem Vater und für Basilio gebetet?“ fragte ich sie, “Nein!“ antworteten sie! Nun wusste ich wenigstens einiges von den Hintergründen dieser merkwürdigen Krankheit und konnte mit dem Vater darüber sprechen. Ich sagte zu ihm: “Emilio, Du bist schuld an der schweren Krankheit deines Sohnes. Du bist zum Zauberer gegangen, was Du als Christ nicht tun darfst und Du hast den Zauberer gebeten, Deinen Sohn zu bestrafen, was er mit Hilfe seiner bösen Geister getan hat. Nun solltest Du Gott um Vergebung bitten für die Sünde, die Du als Christ begangen hast!“ Emilio ließ sich sagen und betete und bat um Vergebung seiner Schuld und um Hilfe für seinen kranken Jungen. Und ich betete auch. Als Emilio, der Vater, nach Hause gegangen war, merkte ich, dass Basilio nicht mehr stöhnte und jammerte. Ein kleines Lächeln war auf seinem Gesicht zu sehen und er sagte: “Carlota, bete für mich. Wenn ich wieder gesund bin, dann werde ich Dich auch besuchen!“ Das ist nämlich die größte Ehre, wenn ein gesund Gewordener seinen Wohltäter besucht! “Oh, er hat Hoffnung,“ dachte ich, denn ich hatte noch wenig Hoffnung, er konnte ja weder Arme noch Beine strecken! Doch wir sangen, er versuchte wenigstens mitzusingen und ich las ihm aus der Bibel vor. Er fing nun wieder an zu sprechen und auch zu essen. Am nächsten Tag kam Emilio zu uns und sagte: Ich muss Basilio heim tragen, denn die Frau kann nicht länger hier bleiben. So nahmen wir bewegten Abschied von Basilio.
Ich besuchte ihn danach noch einmal in seiner Grasdach-Hütte, wo er auf seinem Rutenbett sich ein wenig besser bewegen konnte und die Wunden auch ziemlich geheilt waren. Doch gehen konnte er nicht. Da begab es sich, dass wir mit einem gläubigen Arzt aus dem Kanalzonen Militär - Krankenhaus Kontakt bekamen, dem ich von Basilios Krankheit erzählte. Er sagte gleich: “Das ist ein interessanter Lehrfall, bringt ihn doch zu uns ins Krankenhaus!“ Wir konnten den Vater überzeugen, dass er seinen Sohn in dies gute Krankenhaus geben sollte und er willigte ein. Er musste ihn dann in einer Decke auf dem Rücken über Berg und Tal tragen, etwa acht Stunden bis er ihn zu dem nächsten Ort dem Latino Städtchen Tolé bringen konnte. Dort nahm sich eine ältere Missionarin, die ein Auto hatte, seiner an und brachte ihn am nächsten Tag nach vielleicht zehnstündiger Fahrt zu dem Militär - Krankenhaus in der Panama Kanalzone. Dort untersuchten ihn wohl 20 amerikanische Ärzte und fragten immer wieder, wie es kam, dass er zu diesem Zustand mit angezogenen Armen und Beinen gekommen sei. Doch Masern konnten nicht die Ursache dafür gewesen sein, wie ihnen immer wieder gesagt wurde, denn er hatte ein zerbrochenes Schlüsselbein und ein ausgekugeltes Hüftgelenk mit Knochenvereiterung…. Doch nahmen sie ihn im Krankenhaus auf und streckten langsam seine Arme und Beine mit Gewichten, die angehängt wurden. Er wurde mehrmals operiert und sein Körper in Gips gelegt, bis er schließlich langsam lernte, wieder zu gehen. Er war ein fröhliches Kind, der Liebling aller Krankenschwestern und Ärzte, der beim Medikamenten- und Essenverteilen half und er blieb neun Monate im Krankenhaus. Dort lernte er Lesen und Schreiben, denn zu Hause hatte er nicht zur Schule gehen können. Besonders aber freute er sich, wenn er die biblischen Geschichten hörte und begann zu Jesus zu beten und bat Ihn in sein Herz zu kommen. Als er dann wieder zu seinem weit entfernten Heimatort im Gebirge zurückkehren konnte, nahm er freudig an den Bibelstunden und Gottesdiensten der dortigen Indianerkirche teil und gab Zeugnis von der rettenden Gnade Jesu in seinem Leben, der ihn von den grausamen, zerstörerischen Mächten des Teufels und seiner bösen Geister gerettet hatte. Ja, Jesus, dem Sieger über alle satanischen Mächte sei die Ehre und der Dank!
IRENO, der Waisenjunge
In Mittelamerika, da wo Nord -und Südamerika fast auseinanderbrechen und ein berühmter Kanal die beiden Weltmeere, den Atlantischen und den Pazifischen Ozean miteinander verbindet, liegt das kleine Land Panama. Im Westteil dieses Landes, das von hohen Bergen durchzogen ist, wohnen in kleinen grasgedeckten Hütten, die Guaymi Indianer die man auf 100 000 Personen schätzt. Sie sind Animisten, d.h. sie glauben an die bösen Geister, vor denen sie sich sehr fürchten. Wenn jemand bei ihnen krank wird, oder gar stirbt, so haben die bösen Geister es verursacht, sagen sie.
Wenn nun aber der Vater oder die Mutter eines Kindes stirbt, und das Kind als Waise zurückbleibt, so ist dies ein Zeichen dafür, dass die bösen Geister es zum Leiden bestimmt haben. Und da man ja den bösen Geistern gehorchen muss,- denn sonst würden sich diese an einem rächen,- so muss man das Waisenkind leiden lassen. Die Verwandten, die solch ein Waisenkind dann aufnehmen, behandeln es wie einen Sklaven, der kein Recht hat. Es darf nicht mit den anderen Kindern spielen, sondern muss arbeiten, es bekommt wenig oder nur das schlechteste zum Essen, es wird ungerecht behandelt und oft gestraft oder geschlagen. Es muss ja wissen, dass es ein Waisenkind ist, das zum Leiden bestimmt ist.
So erging es dem kleinen Ireno, dessen Vater und Mutter starben, als er noch klein war. Er wurde dann in der Familie eines Onkels aufgenommen und musste dort schwer arbeiten, wurde oft geschlagen und ganz ungerecht behandelt. Er wurde auch nicht zur Schule geschickt, wie die anderen Kinder, und konnte deshalb weder schreiben noch lesen. Ireno erduldete dies alles, war dabei aber sehr unglücklich, und überlegte hin und wieder, ob es ihm nicht woanders besser ergehen würde und er vom Onkel und seiner Familie einfach weglaufen sollte. Aber wohin?
Eines Tages hörte er von einer großen Stadt, die Tolé hieß. Wo viele große Häuser aus Steinen sein sollten, keine Grasdachhütten wie bei den Guaymi Indianern. Dort sollten ganz viele Leute leben, die schöne Kleidung und viele schöne Sachen haben sollten. So entschloss er sich,- er war inzwischen elf Jahre alt geworden,- dorthin zu laufen. Sicher würde da in einem der großen Häuser Platz für ihn sein, und die Leute würden ihn besser behandeln, denn er würde ihnen ja nicht sagen, dass er ein Waisenkind sei, dachte Ireno. Gedacht - getan! Ganz früh, als alle noch schliefen, machte er sich auf den Weg. Er lief schnell, denn er wollte ja nicht zurückgeholt werden, wenn man entdeckte, dass er weggelaufen war. Doch der Weg war sehr lang! Bergauf, bergab ging es. Auch Bäche und Flüsse hatte er zu durchqueren. Doch es machte nichts, dass er dabei nass wurde, nur fort, fort von diesem Ort des Leidens! Nachts schlief er unter einem Baum am Wegesrand und morgens früh ging es weiter. Endlich, nachdem er unterwegs mehrmals vorbeigehende Indianer, die ihn nicht kannten, nach dem Wege gefragt hatte, sah er die Stadt Tolé unten in einer Talebene liegen. In welches von den vielen Häusern da unten sollte er wohl gehen?! Würden die Leute ihn dort wohl auch so schlecht behandeln? Nein, schlimmer als bei den Verwandten könnte es gewiss nicht sein!...
Da unterbricht eine Stimme seine Gedanken: „Na Kleiner, wo willst Du denn hin, so alleine?!“-„Weiß ich nicht!“ ist Irenos Antwort. „Wo kommst du denn her?“ fragte die Stimme des freundlichen Mannes weiter. „Na da“, sagte Ireno und deutete mit dem Finger auf den Pfad, den er gekommen war. „Und wissen deine Eltern, dass du hier bist?“ fragt der Mann weiter. „Die sind tot!“ sagt Ireno traurig. „Und Deine Verwandten?“ bohrt der Fremde weiter. „Da bin ich weggelaufen!“ ist Irenos barsche Antwort. „Aber wo willst du denn hin?“ wundert sich der fremde Mann. „Weiß ich nicht!“ sagt Ireno und schlägt die Augen nieder. Da erfasst den fremden Mann das Mitleid. Hatte er doch erst vor kurzem selbst erfahren wie Gott mit ihm, dem bösen Manne und Trunkenbold Mitleid gehabt hatte, und wie Gott ihm nachgegangen war und ihn von Sünde und Trunk befreit hatte, und ihn zu einem Gotteskind gemacht hatte.
Freundlich sagte er zu Ireno: „Na, dann komm mal mit mir mit, Du kannst bei meiner alten Mutter bleiben.“ Erstaunt über soviel Freundlichkeit ging Ireno mit und wurde bei einer alten Frau abgeliefert, die mit ihrem Mann in einem ziemlich großen Lehmhause am Rande des Städtchens Tolé wohnte. Hier half Ireno gerne mit bei den leichten Aufgaben, die man ihm gab, und die gleichaltrige Rosa, die auch als ein Guaymi Waisenkind schon als Baby von der Familie aufgenommen war, half ihm bei all dem Neuen, was er hier sah und erlebte.
An einem Samstag morgen sagte die alte Frau zu ihm: „Ireno, du kannst heute mit Rosa zu der Carlota zur Kinderstunde gehen.“- „Was ist das, eine Kinderstunde?! dachte Ireno. Das hatte er noch nie gehört! „Dort ist es schön“, beruhigte ihn Rosa, „da singen wir und hören schöne Geschichten vom Herrn Jesus aus der Bibel.“ Was singen und Geschichten aus der Bibel bedeuteten, wusste Ireno nicht. Er hatte noch nie Leute singen gehört, wohl aber die Vögel. Aber wer dieser Jesus war, von dem die Carlota erzählten wollte, davon hatte er noch wenig Ahnung. Gespannt ging er hinter Rosa her die 10 Minuten bis zum Hause der Carlota. Da waren in einer kleinen Wellblechhütte, wo einige Bänke und Hocker standen, schon einige Kinder versammelt. Scheu trat Ireno ein und mit ängstlichem Gesicht nahm er auf einem Hocker in der Ecke Platz. Die Carlota war die Missionarin, die die Kinderstunde leitete, sie war so groß und sah so ganz anders aus, als die Leute, die er bisher gesehen hatte. Sie hatte blaue Augen und blonde wellige Haare. Merkwürdig, wo die wohl herkam?! Die musste aber auch, weil sie so groß war, sehr stark sein, und würde ihn gewiss schlagen!...
Es tönte schön, beinahe wie Vogelgesang, als die Kinder zu singen begannen, und Carlota an diesem komischen Ding, das sie Guitarre nannte, mit ihren Fingern zupfte. Und die Geschichte, die sie erzählte war auch sehr schön, obgleich Ireno keine Ahnung hatte, wer Gott war, den Carlota immer wieder erwähnte. Erleichtert atmete Ireno auf, als die Stunde zu Ende war, denn weder die Carlota noch die anderen Kinder hatten ihn geschlagen! Doch die ganze Woche über freute er sich schon auf den nächsten Samstag, wo er mehr von dem Gesang und von dem Gott hören würde, den er doch gar nicht kannte. Mit größerer Zuversicht und nicht mehr so ängstlich betrat er zum zweiten Male das kleine Häuschen, wo die Kinderstunde stattfand. Jetzt verstand er schon mehr von dem großen wunderbaren Gott, der die Welt erschaffen hatte und der alle Menschen so lieb hat. Ob er wohl auch ihn, den Waisenjungen lieb hatte?! Sicher nicht, denn keiner hatte ihn lieb, er war ja nur ein Waisenjunge! Doch bei der nächsten und übernächsten Kinderstunde wurde es ihm klar, Gott liebt auch mich, den Waisenjungen und hat auch für mich seinen einzigen Sohn, den Herrn Jesus gesandt als Zeichen dafür, dass ER mich lieb hat! Das machte ihn so glücklich, dass er beschwingt nach Hause ging und sich die ganze Woche auf die nächste Stunde freute. Diesmal erzählte Carlota, dass Gott uns sogar zu seinen Kindern machen will, wenn wir seinen Sohn in unser Herz aufnehmen. Als sie dann fragte, wer dies heute tun wollte, meldete sich Ireno sofort: „Ja, ich will es tun!“ Nachdem die anderen Kinder nach Hause gegangen waren, blieb Ireno noch zurück und betete: „Herr Jesus, ich habe viel Böses getan, aber vergib es mir, denn Du hast mich doch lieb und bist sogar für all das Böse, das ich getan habe, am Kreuz gestorben. Ich nehme dich jetzt in mein Herz auf und danke Dir, dass Du mich so lieb hast. Amen.“
Mit einem strahlenden Gesicht und tiefer Freude lief Ireno nach Hause und erzählte es Rosa, die es schon zwei Jahre vor ihm getan hatte. Wie freute sie sich mit ihm! Die alte Frau, bei der die beiden wohnten, verstand dies nicht, denn sie hatte noch nicht erkannt, dass auch sie Jesus brauchte.
Nun war Ireno bei jedem Gottesdienst, auch für die Erwachsenen, zugegen und lernte auch mit den anderen zu singen. Die Carlota, die ihm zuerst von Jesus gesagt hatte, liebte er besonders, doch auch all die anderen, die zu den Gottesdiensten kamen, und die Jesus in ihr Herz aufgenommen hatten, denn sie gehörten ja auch zu der großen Familie der Gotteskinder, zu der er nun gehören durfte. – Gehörst Du auch dazu?!
Ireno bekannte mit sechs anderen seinen Glauben an Jesus bei seiner Taufe in Tolé, am 15. April 1990, wo auch ich zugegen sein durfte.
Der folgende Bericht ereignete sich in den siebziger Jahren in Tole‘, Panama.
Jesus spricht: „ICH bin in die Welt gekommen als
ein Licht, damit, wer an MICH glaubt, nicht in der Finsternis bleibe!
Johannes 12, 46
MINDA
Im hohen Indianer Gebirge West Panamas lebte das Guaymi-Mädchen Minda im Kreise ihrer acht Geschwister fröhlich und ohne Sorgen, denn Mutter und Vater sorgten ja für sie und die große Familie und beschafften das einfache tägliche Essen, Otoe, eine Knollenfrucht, und Bohnen. Der Vater war blind seit einigen Jahren, aber auch der örtliche Zauberdoktor konnte ihm nicht helfen, wieder zu sehen, doch trotzdem arbeitete der Vater auf dem Felde und die Familie hatte sogar einige Kühe und Kälber, was bei den Guavmis ein großer Reichtum ist. Ihr größter „Freund“ war allerdings der Zauberer, dem sie gehorchten und der die Familie mit seinen Zauberriten “beschützte“. Bei Krankheiten ging man immer zu ihm, damit er herausfinden sollte, wer der Urheber der Krankheit war, sodass man den Krankheitsfluch wieder auf den Betreffenden zurückschicken konnte. Dabei wurde dieser krank und der Kranke gesund.
Nun hatte der Vater einen Bruder, der ihm den Besitz der Kühe neidete und sie gern für sich gehabt hätte. Darum ging er zum Zauberer und legte einen Zauberfluch auf die Familie seines Bruders, indem er sagte: “Ihr werdet alle lange leben!“ Wenn man nämlich bei den Guavmis etwas Positives über eine Familie ausspricht, bedeutet dies das Gegenteil, nämlich Krankheit und Tod. Und so geschah es, dass bald danach das jüngste Kind krank wurde und starb. Nicht lange danach erkrankte das zweitjüngste Kind und starb und ihm folgte bald danach das drittjüngste Kind. Der örtliche Zauberer konnte, trotz aller Versuche, der Familie nicht helfen, er hatte nicht Gewalt über diese bösen Geister, die ihr Feind, der Onkel der Kinder, angerufen hatte. Nun kam, als viertjüngstes Kind Minda an die Reihe. Sie konnte nicht mehr essen und erbrach alles, was man ihr einflößte oder zu essen gab. Ihr ältester Bruder, Francisko mit Namen, liebte seine Schwester sehr und sagte: „Nein, sie darf nicht sterben, ich muss sie zu dem stärksten Zauberer bringen, der sie gesund machen kann!“ und so wickelte er sein krankes Schwesterlein in eine Decke und trug sie auf dem Rücken zu diesem starken Zauberer, der aber sehr weit entfernt wohnte. Unterwegs, auf einem der schmalen Bergpfade begegnete er einem anderen jungen Indianer, der ihn fragte: “Wohin gehst Du denn mit diesem Bündel auf dem Rücken?‘“ Francisko war erstaunt, dass ihn jemand nach dem Wohin fragte, denn das ist bei den Guaymis nicht üblich. Doch Francisko erzählte dem teilnahmsvoll Fragenden von seiner Absicht zu dem stärksten Zauberer zu gehen, da dieser seine kranke unter einem Zauberfluch stehende Schwester gesund machen würde. Der freundliche junge Indianer sagte ihm darauf: “Ich weiß einen besseren Zauberer, der viel stärker ist, als der, zu dem Du gehen willst! Er heißt JESUS, Er ist der Sohn des großen Schöpfergottes. der hat Macht über alle bösen Geister und kann immer helfen! Geh nur zu den Missionaren, die in Tolé wohnen, die werden Dir helfen und mehr davon sagen. Hier hast Du einen Dollar, geh nur in Richtung zur großen Hauptstraße und dort fährt ein Bus vorbei, der nach Tolé fährt!
Francisko folgte dem freundlichen Rat des jungen Indianers und ging, von den Bergpfaden zu der großen interamerikanischen Straße, wo Autos und alle Stunde Busse vorbeifuhren, die über Tolé nach Panama City gelangten. Gegen Abend kam er schließlich bei uns auf der Missionsstation an, völlig erschöpft mit seiner Schwester Minda, die ohnmächtig in der Decke auf seinem Rücken hing. Wir machten eine Hängematte daraus, in der sie nun blass und regungslos dalag. Während Francisko nun meinem Mitmissionar Bruce die traurige Geschichte seiner Familie erzählte und auch von dem freundlichen jungen Indianer auf dem Bergpfad, der ihm den Dollar geschenkt hatte, standen wir anderen Missionare an der Hängematte der kleinen Minda. Wir beteten für sie und dankten Gott, dass ER Seinen eingeborenen Sohn Jesus in die Welt gesandt hatte, um die Werke des Teufels auch im Leben dieses Kindes zu zerstören. Wir sangen verschiedene Lieder vom Siege Jesu und der Macht des für uns vergossenen Blutes Jesu. Minda regte sich nicht und wir wussten nicht, ob sie die Nacht überleben würde. Francisko, ihr Bruder, schlief auf der Erde neben ihrer Hängematte und wir gingen, weiter für sie betend zu Bett.
Am nächsten Morgen ging ich nach ihr sehen und siehe, sie hatte die Augen offen und fragte mich: “Wo bin ich denn? Bin ich noch auf der Erde? O, ich habe Hunger und ich möchte essen!“ Ich glaubte nicht recht zu hören und lief zu der Mitmissionarin, damit sie ihr etwas zum Essen bereiten sollte. Etwas ganz Leichtes, so wie Gelatine, denn nach etwa zwei Wochen ohne Nahrung verträgt der Magen noch keine schwere Nahrung. Doch Minda wies entrüstet das süße „Zeug‘‘ von sich. „Das ist doch keine Nahrung. Ich möchte Otoe und Bohnen!“ sagte sie. Von da an ging es ‘‘aufwärts“ mit Minda. Wir beteten mit ihr und für sie, was ganz neu für sie war und sangen geistliche Lieder, die sie sehr liebte. Inzwischen beschäftigte sich der Mitmissionar Bruce sehr mit Francisko und machte ihm aus dem Worte Gottes den Heilsplan Gottes klar, der auch für ihn und seine Schwester und die ganze Familie gültig ist. Francisko nahm freudig an, dass Jesus auch für ihn und seine Sünden gestorben ist und erkannte in Jesus auch das Heil für seine ganze noch so in der Finsternis lebende Familie. Am zweiten Tag sagte er: „Ich muss nach Hause gehen und meiner Familie die wunderbare Botschaft bringen! Ich muss ihnen aber auch sagen, dass Jesus und nicht der Zauberer meine schwerkranke Schwester geheilt hat. Der Zauberer ist ein Diener des Teufels und nicht ein Diener des Schöpfergottes, wie er uns immer erzählt!“ So lief Francisko förmlich über die Berge zurück, um die gute Nachricht seiner Familie zu bringen, die mit großer Freude die Gute Nachricht von Mindas Heilung und von Jesu Macht und Liebe aufnahmen.
Minda wurde mit viel Liebe von dem Missionarsehepaar Bruce und Edi Haste, die selbst keine Kinder hatten, aufgenommen als Pflegetochter und fand dort den Weg zu Jesus, als ihrem persönlichen Heiland und Erretter. Sie blieb nicht nur einige Wochen bei ihnen, sondern einige Jahre, bis sie schließlich einen feinen gläubigen Mann fand, mit dem sie sich nach einer fröhlichen Hochzeitsfeier im Hause ihrer Pflegeeltern in Tolé verheiratete. Mindas Eltern und Geschwister, auch Tanten und andere Verwandte kamen voller Neugierde nach Tolé, um die geheilte Minda zu sehen und von Jesus, dem Retter und Heiland mehr zu hören. Die Botschaft von Jesus, dem Retter, behielten sie aber nicht nur für sich, sondern gaben sie weiter an die Nachbarn und Verwandten, und das Wort Gottes lief förmlich über die Berge. Francisko ließ sich von Bruce, der ihm den Weg zu Jesus gezeigt hatte, weiter im Wort unterweisen und wurde Prediger des Wortes Gottes und Pastor von einer Reihe von ihm neu gegründeten Gemeinden im Gebirge.
Minda zog mit ihrem Mann Bemardo und ihren vier Kindern später in die Nachbarprovinz, wo er Pastor einer Indianer-Gemeinde wurde und sich auch als ausgebildeter Krankenpfleger im Krankenhaus den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente.
In die Finsternis des Heldentums und die Welt der bösen Geister war das Licht Gottes in Jesus auch in diese vom Evangelium bisher unerreichte Gegend gekommen. Es hatte aber angefangen mit dem schlichten Zeugnis eines jungen gläubigen Indianers auf dem Wege, der mitleidig den traurigen Francisko nach dem Wohin seines Weges fragte, und ihm dann von Jesus sagte.
Marcelino
AUS DEM MUNDE DER JUNGEN KINDER UND SÄUGLINGE
HAST DU EINE MACHT ZUGERICHTET
Psalm 8,3
Marcelino FI. kommt seit einigen Monaten zu unserer Donnerstag Abend Bibelstunde in unser Haus. Er arbeitet auf einer ziemlich weit entfernten Kaffeefarm und kommt öfters, auch bei strömendem Regen! meist mit einigen seiner Kinder, um das Wort Gottes zu hören. Er ist eifrig dabei und kann fast alle Fragen beantworten. Ich weiß nur, dass er am Moskitoberg zu Hause ist und dass er dort einer gottlosen Familie angehört. An einem Abend, als alle anderen sich wegen des starken Regens nicht hinauswagten, kommt er allein mit seinem 13jährigen Sohn zur Bibelstunde, wo wir gerade ein Kapitel aus der Offenbarung besprechen, woran er regen Anteil nimmt. Am Schluss erzählt er mir: „Carlota ich bin durch ein Kind zum Glauben gekommen, einen fünfjährigen Jungen!“ Mit bewegter Stimme erzählt er mir: „Ich war ein gottloser böser Mensch, der sich oft betrank und dann meine Frau vor den Augen meiner Kinder schlug. Auch mein Jüngster, mein Fünfjähriger, musste das mit ansehen, aber durch Gläubige auf dem Moskitoberg war er zum Glauben an Jesus gekommen.
Eines Tages wurde der Kleine schwer krank und musste zum Krankenhaus gebracht werden. Als ich ihn dort besuchte, sagte er zu mir: Papa, ich gehe jetzt zu Jesus, aber Du kommst nicht dorthin, in den Himmel zu IHM, wenn Du nicht Jesus in Dein Herz aufnimmst!“ – „Nein, Kleiner, sagte die Krankenschwester. Du wirst wieder gesund und gehst zu Deinem Papa!“ - Doch der Kleine wusste es genau: Ich gehe jetzt zu Jesus! Er betete noch für seine Eltern und schlief friedlich ein, um bei Jesus zu sein! Der Vater war untröstlich, doch er vergaß die Worte seines kleinen Kindes nicht, das nun bei Jesus war und kam bald darauf zum lebendigen Glauben an Jesus, dem Heiland seines Kindes.
Bald darauf kam auch seine Frau und die älteste schon verheiratete Tochter, die einen ungläubigen Mann geheiratet hatte, zum Glauben an Jesus und kam auch einige Male zu uns mit ihren zwei kleinen Mädchen zur Bibelstunde. An einem Donnerstag brachte sie auch ihren ungläubigen Mann mit, der sich mit bösem Gesicht in die letzte Bank setzte. Bruder Benjamin, der gerade diesmal die Bibelauslegung hatte, sprach nach der Stunde mit diesem Mann und erklärte ihm mit viel Geduld das Evangelium. Und siehe da, der Mann nahm Jesus als den Erlöser von Sündenschuld an und kam zum lebendigen Glauben. Nun kam auch er zu jeder Bibelstunde und Gottesdienst und an seinem ganz veränderten strahlenden Gesichtausdruck, konnte man sehen, dass auch Genaro eine neue Kreatur geworden war!
Auch der 13jährige Sohn F. kam nach einer Bibelstunde zum Glauben an Jesus und fehlt an keiner Stunde und macht mit seinem Vater zusammen einen schriftlichen Bibelkursus. Auf der Farm, auf der Marcelino arbeitet, war auch ein 17jähriger Jugendlicher, den Marcelino mitbrachte. Nach einer Bibelstunde kam dieser, Fernando mit Namen, zu mir und sagte vor allen anwesenden Indianern: Ich will Jesus annehmen! Ich konnte mit ihm reden und beten und strahlenden Gesichtes ging er mit Marcelino zu seiner Farm zurück und jedes Mal freue ich mich an seiner fröhlichen Teilnahme am Bibelstudium! Am folgenden Donnerstag war der kleine neunjährige Bruder Martin mitgekommen, den Meli mit einigen anderen Kindern in einem anderen Raum unterwies. Er kam nach der Stunde zu uns und sagte: Ich will Jesus annehmen! Bruder Benjamin, unser Radiotechniker, der gerade hier war, sprach und betete mit Martin. Letzten Donnerstag, 24. September, kam die zwölfjährige Dora, Fernando und Martins Schwester zu uns, um Jesus ihr Leben zu übergeben! Eine Kettenreaktion aus dem Munde eines kleinen Kindes, das an Jesus glaubte und Zeugnis von der Erlösung in Jesus gab!
Der kleine Gotteszeuge, oder die glänzende Brücke
Es war nur ein kleiner sechsjähriger Indianerjunge, der mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern auf einer der Kaffeefarmen von Boquete wohnte. Durch den Dienst meines Indianer-Mitarbeiters Daniel M. kam dieses Kind Anfang Januar 1996 zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Er erfasste die Heilstat Gottes in Jesus Christus so klar, dass eine tiefe Liebe zu Jesus und eine große Freude sein kleines Herz erfüllte. Dies blieb auch seinen ungläubigen Eltern nicht verborgen, die ihn aber nicht hinderten, zu den gottesdienstlichen Versammlungen der Indianer zu gehen. Zu Hause war er für seine Mutter eine große Hilfe und er war willig zu jeder Arbeit, die er mit Freuden tat, worüber seine Mutter sehr glücklich war.
Eines Tages erkrankte er ganz plötzlich und da es nicht besser mit ihm wurde, brachten ihn die Eltern ins Kinderkrankenhaus unserer Provinzhauptstadt David. Es war merkwürdig, dass die Ärzte, die die Diagnose einer Lungenentzündung gestellt hatten, nichts bei ihm ausrichten konnten. Er wurde immer schwächer und plötzlich sagte er mit fieberglänzenden Augen zu seiner Mutter, die am Bettrand saß: „Mama, ich sehe da eine wunderbar glänzende Brücke, ich will über diese Brücke gehen zu dem herrlichen Licht da auf der anderen Seite!“ Mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht schlief er ein. Er war über die glänzende Brücke gegangen auf die andere Seite, da, wo Jesus, den er liebte, ihn erwartete.
Die Mutter, die Jesus nicht kannte, war untröstlich und wollte ohne ihren Liebling nicht auf dieser Erde bleiben. Doch eine tiefe Sehnsucht nach Jesus, den ihr Kind liebte, erfüllte ihr Herz, dass sie nun auch den Weg zu dieser glänzenden Brücke zu suchen begann.
Der Vater, der von dem Tod seines kleinen Sohnes hörte, machte sich auf den Weg nach David, doch da er kein Geld hatte, irrte er traurig in den Straßen von Boquete umher. Ein Latino-Mann sprach ihn an und sagte: „He Indio, willst Du Dich betrinken und dann einen Faustkampf anfangen, oder..?“ „Nein, nichts von alledem“, sagte er, „mein Kind ist gestorben und ist tot im Krankenhaus in David, aber ich habe kein Geld, dorthin zu fahren, noch einen Sarg zu kaufen, um ihn nach Boquete zu bringen.“ Der Mann war so bewegt, dass er einen 20.- $ Schein aus der Tasche zog und ihn dem erstaunten Indianer gab. „Wir wollen jetzt zur Polizei gehen und sie um Hilfe bitten,“ sagte er. Diese halfen dann mit der Besorgung des Sarges und dem Transport, sodass die sterbliche Hülle des kleinen Gotteszeugen von seinen Eltern und Verwandten in die Erde gesenkt werden konnte. Doch der Vater ist nun auch auf der Suche nach der glänzenden Brücke, über die sein Kind in die Herrlichkeit zu Jesus gegangen ist.
Erzählt von der Mutter des Kindes, die es dem Bruder Daniel Miranda am 30. Juli 1996 in Boquete mitteilte.
Die verborgenen Wege Gottes, oder:
Dein WORT ist meinem Munde süßer als Honig
Psalm 119, 103
War es wirklich wert, diese große Gruppe von fast 70 Indianer-Kindern von zwei bis fünf Jahren in einem kleinen Raum in Schach zu halten und dabei zu versuchen, ihnen etwas von der Liebe Gottes und von Jesus zu sagen?! Diese Unruhe und dies Geschrei von den Kleinsten, die ihre Mutter vermissten! Oder auch dieser ängstliche zweijährige Cecilio, der es nicht einmal wagte, diese merkwürdige große Frau mit den hellen Haaren und blauen Augen auch nur anzuschauen! Was sollten da die Kinder bei diesen drei Kinderstunden während der Neujahrskonferenz in Chichica auch schon „mitnehmen“?! Nun, wenn wirklich nichts “hängenblieb“, so blieb doch in dem Herzen des kleinen Cecilio bei seinem ersten Ausflug in die „große Welt“ eines haften: die weiße Frau hat mir ein süßes Bonbon gegeben! Dieses Glücksgefühl in einem kleinen, armen Indianer—Kinderherzen blieb unverwischt über die Jahre haften!
In den Gefahren der Bergwelt wuchs Cecilio in der Hütte seiner Eltern, zusammen mit seinen Geschwistern auf. Der Weg zu der kleinen Kirchenhütte mit dem Grasdach war weit, es ging dorthin auf und ab, doch die Geschichten von Jesus, die er dort hörte, waren so süß, wie das Bonbon, das er bei seiner ersten Teilnahme an einer Kinderstunde empfangen und gekostet hatte! Aus einem Kind wurde ein Jugendlicher und trotz seiner stillen, sanften Art hatte Cecilio doch etwas Mitreißendes, Ansteckendes an sich, dem die anderen Kinder und Jugendlichen gern folgten. Er wagte es, nun selbst die biblischen Geschichten und Wahrheiten anderen weitezusagen und die Kindergruppen, wie auch der Jugendkreis wuchsen ständig.
Die große weiße Frau war inzwischen von ihrer Bergstation weg in die Stadt Tolé gezogen. Nur ab und zu begegnete er ihr bei einer Neujahrskonferenz, oder auch wenn er in der, weit von seinem Heimatberg entfernten Stadt etwas zu tun hatte. Dann blieb er in dem Übernachtungsheim der Indianer, wo auch die weiße Frau mit einigen anderen Missionaren wohnte.
Eines Tages, er war inzwischen etwa 18 Jahre alt geworden, saß er vor dem Hause dieser Frau, die Carlota hieß. Plötzlich kam diese auf ihn zu und fragte ihn unvermittelt; „Möchtest Du gern einmal an einem schriftlichen Bibelkursus teilnehmen?“ Nun und ob er das wollte! Schnell hatte er die Erklärungen verstanden und versprach, die beantworteten Fragen der ersten Bibellektion zurückzubringen. Der Weg nach Tolé war weit, wohl sechs bis sieben Stunden zu Fuß, doch waren diese Bibellektionen über das Leben Jesu so interessant, dass er fast wieder an die Süße des Bonbons erinnert wurde, das er bei seiner ersten Bibelklasse als Kind empfangen hatte. So war es schon wert, sie zurückzubringen zur Korrektur und um ein neues Lektionsheft zu empfangen. Doch da war eine Frage, die ihm schwer fiel zu beantworten. Sie lautete: Hast Du Jesus schon als Deinen Heiland und Herrn in Dein Leben aufgenommen? Um ehrlich zu sein, musste er „nein“ schreiben, und so fragte ihn dann die Missionarin, ob er das denn nicht tun wolle. Selbstverständlich wollte er das, doch niemand hatte ihm das bisher gesagt. So hörte er aufmerksam zu, als Carlota ihm den Heilsplan Gottes noch einmal erklärte und mit frohem Herzen bat er Jesus in sein Herz und Leben zu kommen, als sein Erlöser und HERR. Wie froh konnte er nun auch seinen Freunden im Jugendkreis davon sagen und mit Freuden im Jugendkreis davon sagen und mit Freuden arbeitete er weiter an den Bibellektionen und nie war ihm der Weg zu weit, um ein neues Bibelstudienheft zu empfangen.
Doch eines Tages sagte man ihm, dass die Missionarin Carlota in ihr Heimatland Deutschland zurückgefahren sei. Das musste wohl sehr, sehr weit sein und er fragte sich, ob sie von dorther wohl wiederkommen würde, er wollte doch weiter an den Bibelkursen arbeiten! Cecilio war inzwischen einer der Leiter seiner sehr lebendigen, ständig wachsenden Kirche am Hasenberg geworden und half in einer der vier Kindergruppen und auch im Jugendkreis mit. Doch am Hasenberg, wie in anderen Gegenden des Gebirges, gibt es kaum eine Möglichkeit zum Geldverdienen. Dies ist fast nur möglich, wenn man während der Kaffee-Ernte, ab Oktober oder November für einige Monate fleißig auf einer Kaffee Farm die roten, reifen kirschenähnlichen Kaffeebeeren pflückt. Die Stadt Boquete, die umgeben ist von vielen Kaffeefarmen ist das Zentrum für die Kaffee-Ernte in Panama. Dorthin ging Cecilio wieder einmal im November, um sich Geld zu verdienen. Die Teilnahme an einem evangelischen Gottesdienst war ihm auch in einer fremden Latinostadt zum Bedürfnis geworden, und so hörte er von der wieder eröffneten evangelischen Kirche der Zentral-Amerikanischen Mission, die sich fast im Zentrum des Städtchens Boquete befindet. Wie erstaunt war er‚ als er dort die Missionarin Carlota in der ersten Bankreihe sitzen sah! Wie kam sie denn nur gerade hierher?! War sie denn nicht im fernen Deutschland geblieben, oder auch nach Tolé, wo sie früher wohnte, wieder zurückgekehrt?! Und nun aber war sie in Boquete! ALs sie sich umdrehte, erkannte sie ihn gleich. “Cecilio, Du bist hier?! Ich habe für Dich die ganze Zeit über, die ich in Deutschland war, gebetet! Wie schön, Dich hier wieder zu sehen!“ Und da war er, trotz der Not, auf einer Kaffeefarm auf engem Raum mit lauter Ungläubigen und spottenden Menschen wohnen zu müssen, wieder “zu Hause“! Die “Gemeinschaft der Heiligen“, wie die Bibel sagt, hilft auch über die innere Einsamkeit mit Ungläubigen auf dem Arbeitsplatz hinweg! In seiner freien Zeit konnte Cecilio nun weiter an den Bibelkursen arbeiten, die ihm bisher so zum Segen geworden waren. Und er tut es mit Freuden, damit er die “süße“ Botschaft des Evangeliums auch anderen besser schmackhaft machen könnte‚ denn immer wieder erinnert er sich an seine erste Begegnung mit dem Evangelium, die so süß war, wie das Bonbon, das er bei seiner ersten Kinderstunde von der großen weißen Frau empfangen hatte!
Der ältere Bruder!
Jeder Stamm hat seine Ordnungen und geheimen „Gesetze“, im Familien- und Stammesleben und seine Vorschriften, denen man folgen muss. So auch im Guaymi-Indianerstamm in Panama, obgleich dieser Stamm schon lange mit der Zivilisation der in Panama herrschenden Latinos, d. i. der spanisch sprachigen, der katholischen Religion angehörigen Oberschicht in Kontakt ist. Im Laufe der letzten 40 bis 50 Jahre sind durch evangelische Missionare viele zum lebendigen Glauben an Jesus Christus als ihren HERRN gekommen und viele einheimische evangelische Kirchen wurden gegründet, die sich von den falschen unbiblischen Regeln und Stammesgesetzen gelöst haben. Aber immer noch gelten die bisherigen Regeln und Gesetze bei den Ungläubigen für das Zusammenleben der Stammesangehörigen. Frauen und Mädchen stehen ganz unter der Herrschaft ihrer Eltern, die sie einem Manne, von dem sie meinen, er könne sie ernähren, als 12 - bis 15jährige übergeben, selbst dann, wenn dieser Mann schon eine oder zwei andere Frauen hat. Doch wenn die Mädchen schon bei ihrem Gatten leben, so hat immer noch der ältere Bruder Macht über sie, d.h. er kann entscheiden, wie lange sie bei diesem Manne bleiben soll, sodass der ältere Bruder sie einfach wegholen kann und einem seiner “Freunde“ übergeben, wenn dieser ihm dann als „Gegengabe“ seine eigene Schwester als Frau übergibt. - Auch in Krankheitsfällen bestimmt nicht der Gatte, sondern der ältere Bruder zu welchem Arzt oder HeiIer er seine Schwester bringen darf!!
So geschah es in diesem Jahr (2003), dass die 14jährige Tochter des früheren Pastors einer großen Indianergemeinde krank wurde. Doch leider hatte sich dieser vorher so eifrige Pastor Thomas, ganz vom HERRN und seiner eigenen Gemeinde abgewandt, als ein neuer Pastor von der Gemeinde eingesetzt wurde. Obgleich sein Wohnhaus dicht neben der Kirche stand, ging er nicht mehr zu den Gottesdiensten, sondern verschwand vorher auf eines seiner Felder in den Bergen. Von seinen drei Söhnen war nur einer ‚ der dem HERRN von ganzem Herzen nachfolgte, die anderen blieben fern von Gott und nur noch ihren Stammesgebräuchen treu. Da die merkwürdige Krankheit seiner Tochter immer mehr zunahm, brachten die Eltern ihre noch nicht verheiratete Tochter zum hiesigen Krankenhaus. Es sah so aus, als ob ein Feind der Familie einen Zauberfluch auf das Kind gelegt hatte, was sich meistens in Halsverengungs-Symptomen bemerkbar macht. Die Ärzte taten ihr Bestes, um dem Mädchen zu helfen, konnten aber nicht herausfinden, was die Krankheitsursache war. Alle Laboruntersuchungen waren normal und auch Operationen brachten keine Erleichterung der Symptome. Doch Gott fügte es so, dass die Ärzte das Mädchen nicht aufgaben, sondern sie weiter betreuten mit immer neuen Methoden und behandelten sie als einen interessanten Lehrfall. So gingen drei Monate im Krankenhaus dahin und das Mädchen verlor fast ihre Stimme, musste künstlich ernährt werden und litt unter den vielen Untersuchungen und Halsoperationen, aber mit früher Gewissheit der Hilfe Gottes, durch die Gebete vieler Gläubiger und auch ihrer gläubigen Mutter, die die ganze Zeit bei ihr war. Da tauchte mit einem Male ihr ältester Bruder, der sie noch nie besucht hatte, im Krankenhaus auf. Er hatte schon des öfteren seinem Vater gesagt, dass die Ärzte seiner Schwester nicht helfen könnten, nur der Zauberer könnte ihr noch helfen! Deshalb wolle er sie aus dem Krankenhaus entführen und zum Zauberer bringen. Der vom HERRN abgefallene Vater konnte nichts dagegen tun. Und so tauchte unerwartet an einem frühen Morgen der älteste Bruder im Krankenhaus auf, um seine Schwester zu entführen. Doch am Tage zuvor hatte der Stationsarzt entschieden, sie in ein anderes Zimmer zu verlegen und auch die Mutter, die bei ihr die ganze Zeit wachte. Obwohl der ältere Bruder die bisherige Zimmernummer wusste, aber nicht die neue, konnte er sie doch nicht finden und sein ganzer teuflischer Plan war vereitelt! Er sah sie wohl in der Mittagsbesuchszeit, konnte sie da aber nicht mehr entführen, zudem auch sein gläubiger Bruder zugegen war, dem er von seinem Plan erzählte...! Ja, die Augen des HERRN schauen alle Lande, dass ER stärke, (und bewahre) die, so von ganzem Herzen bei IHM sind! Die 14jährige Ofelina hatte in diesen drei Monaten ihr Herz und Leben Jesus anvertraut, der sie heilen und bewahren konnte!
Auf das Gebet vieler Gläubiger hin und durch die unermüdliche Behandlung der Ärzte und die liebevolle Betreuung der Krankenschwestern, schenkte es Gott, dass alle Krankheitssymptome verschwanden und sie anfing, nach über drei Monaten wieder zu essen und zu sprechen und aufzustehen. Welche Freude! Doch beten wir weiter für den abgefallenen Vater und den ungläubigen älteren Bruder!
Ein anderer Fall ereignete sich vor Jahren in Chichica, wo ich für die Kranken dort verantwortlich war. Eine junge Frau wurde von ihrem Mann und ihrer Familie zu uns zur Behandlung gebracht. Wir konnten sie mit Medikamenten behandeln - sie wohnten alle in unserer kleinen Krankenhütte - wo sich eine langsame Besserung anbahnte. Der Gatte war bei ihr und wir hatten guten Kontakt zu ihm. Doch der ältere Bruder war nicht einverstanden, dass seine Schwester bei uns war und sagte: „Die Gringa kann ihr nicht helfen, nur der Zauberer!“ Obgleich der Gatte ihm versicherte, dass es ihr schon besser ginge, hörte er nicht auf ihn. Im Morgengrauen trug er sie fort, ohne uns zu benachrichtigen und als ich aufstand, um ihr die Medizin zu bringen, war die Krankenhütte leer!!! Welch ein Schrecken für uns! Wir hörten dann, dass der ältere Bruder, gegen den Willen ihres Gatten, sie zum Zauberer gebracht hatte, wo sie nach kurzer Zeit starb. Der Gatte kam nach der Beerdigung weinend zu uns und berichtete uns von dem tragischen Tod seiner Frau. Wir konnten ihn nur trösten im Hinblick auf den Sieg Jesu am Kreuz, von dem wir der Kranken und ihrer Familie gesagt hatten, und wir hofften und beteten, dass sie Jesus angenommen hatte. „Unser Kampf ist nicht mit (Menschen von) Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel! (Epheser 6, 12)
9 Tiergeschichten aus PANAMA
Das „fromme“ Schweinchen
„Ruff, ruff, ruff“ - Mitten in unseren Sonntagsgottesdienst kommen mit lautem Getön noch einige „Nachzügler“, - diesmal nicht zwei - sondern vierbeinige Gottesdienst-Besucher: Es sind zwei kleine Schweinchen, die zielbewusst auf unsere Kapelle zusteuern, in der die Guaymi-Indianer-Christen, die dicht gedrängt auf den runden Baumstamm-Bänken sitzen, fröhlich die Glaubenslieder zur Ehre Gottes singen. Die Melodien sind nicht so ganz, wie sie vom Liederdichter komponiert waren, doch das stört keinen, auch die beiden Nachzügler nicht!
Eins der beiden Schweinchen ist ganz schwarz, natürlich mit einer dicken Schmutzkruste überzogen und das andere ist schwarz- weiß - gefleckt. Das schwarze scheint von vornherein nicht viel Interesse an den frommen Leuten dort in der Kapelle zu haben, denn es schlägt bald eine andere Richtung ein. - Doch das andere, das schwarz- weiß - gefleckte, scheint entschlossen zu sein, zu den frommen Leuten zu gehen, deren Herzen und Leben vielleicht auch so schwarz- weiß - gefleckt sind, wie ich, - denkt das Schweinchen — Da, - mit einem Male, kurz vor der Kapelle entdeckt das Schweinchen etwas Interessantes: etwas zum Fressen! Da bleibt es stehen und wühlt aufgeregt mit dem Schweinerüssel in dem wertvollen Fund: etwas zum Fressen! Das muss näher untersucht werden und das kann man sich nicht entgehen lassen! So bleibt es dicht vor der Kapelle stehen und wühlt in der Erde, in der dieser interessante Fund versteckt ist - und richtig, es ist etwas Gutes zum Fressen! - Das Schweinchen frisst und schmatzt vor Vergnügen und wühlt weiter, ob nicht vielleicht noch mehr von diesem wertvollen Fund für den Bauch versteckt ist, - so nahe der Kapelle! So wühlt und wühlt es weiter, Nase, Mund und Augen aufgeregt auf die Erde geheftet. Dabei merkt es gar nicht, dass es immer weiter von den frommen Leuten abkommt, zu denen es eigentlich hingehen wollte! Doch über dieser wertvollen Magenspeise sind alle höheren Ziele und Gedanken vergessen und bald ist es, genau wie das schwarze Schweinchen, weit von dem Gottesdienstort entfernt und doch nicht hineingekommen.
Geht das nicht auch vielen Menschen genauso? Sie sind nicht ganz schwarz, nur schwarz- weiß - gefleckt, und sie wollen auch fromm sein und auch bei den frommen Leuten sein und sind auf dem besten Wege zu ihnen, schon ganz nahe und beinahe sind sie dort, doch da kommt plötzlich etwas in die Quere, was im Augenblick doch viel interessanter und wichtiger ist Nein, das kann ich mir letzt nicht entgehen lassen, das muss ich schnell noch ein wenig untersuchen und noch mitnehmen und dann kann ich immer noch zu den frommen Leuten gehen! Und beim Untersuchen dieser interessanten Sachenkommt immer mehr Interessantes ans Tageslicht und man wühlt und wühlt und vergisst darüber ganz die frommen Pläne und Absichten und am Schluss ist man genauso fern, wie die schwarzen Schweinchen, die nie vorhatten zu den frommen Leuten zu gehen! - Geht es Dir vielleicht auch so ?!
Froschgeschichten
Es ist Abend geworden und draußen ist es ganz dunkel. Hier bei uns in den Bergen gibt es keine Straßenbeleuchtung, da gibt es auch keine Straßen und keine Beleuchtung. Nur, wenn das große Himmelslicht, der gute alte Mond gerade sein ovales oder rundes Vollmondgesicht aufgesetzt hat, dann haben wir Straßenbeleuchtung hier in Chichica! Doch heute Abend ist es dunkel, der Mond scheint zu schlafen. Doch ich muss noch einmal schnell hinaus und öffne die Türe, um hinauszugehen. Da, was ist das?! Hopp, hopp, hopp kommt etwas Schwarzes auf mich zugehüpft. Bei dem schwachen Schein der Petroleumlampe sehe ich, dass es eine dicke fette Kröte ist, die auf der kleinen Zementstufe vor unserem Haus im Dunkeln gesessen hat und nun, vom Licht geblendet, versucht zu entfliehen. Wohin vor lauter Angst? Die Froschaugen, die eigentlich nur im Dunkeln gut sehen können, funktionieren nicht mehr richtig und in der Aufregung geht aller Richtungssinn verloren. Dazu kommt noch, dass diese riesige Gestalt da in der Tür mit einem Stock ihr einen Schlag versetzt, dass es ganz mit ihrer Fassung vorbei ist!
Wohin nun fliehen? Wo ist Sicherheit und Rettung für mich? denkt die arme Kröte! So hüpft sie statt nach draußen, wo sie gut sehen kann, geblendet in die verkehrte Richtung, ins Haus hinein und zielbewusst auf mein Zimmer zu. Nein, eine Nacht gemeinsam mit einer Kröte zu verbringen, ist doch kein angenehmer Gedanke! Doch je mehr ich sie hinauszujagen versuche, umso mehr sucht sie nach einem Zufluchtsort im Hause. Schließlich sieht sie etwas Schwarzes in der Ecke stehen: meine Schuhe! Das ist der richtige Ort! denkt sie, und hüpf, hüpf, ist sie drin und versucht sich tief in das schwarze Loch hinein zu verstecken. Doch das ist noch weniger angenehm - eine Kröte in meinem Schuh! So nehme ich den Schuh, samt der Kröte und trage beide hinaus in die Dunkelheit, wo der Aufenthaltsort für die Kröte ein wohlbekanntes Gelände ist. Wie glücklich ist sie, in der Dunkelheit verschwinden zu können und gerettet zu sein vor diesem unheimlichen Menschenwesen dort im Hause.
Wie viele von uns sitzen wohl manchmal auf einer Stufe, wo sie eigentlich nicht hingehören. Und dann werden sie plötzlich geblendet und verlieren allen Richtungssinn und wissen nicht mehr, was recht und unrecht ist! Satan versteht es so gut, uns zu blenden, dass wir die Richtung verlieren und nur das eine wissen, dass wir nicht am richtigen Platz sind. In unserer Angst suchen wir nach einem Zufluchtort, doch gerade in der verkehrten Richtung, in den Dingen dieser Welt und nicht bei dem, der allein Hilfe und Rettung ist, bei JESUS! Alle „Schuhe“, in die wir hineinflüchten, bieten keinen Schutz, bis Einer, der sich unser erbarmt uns hinausträgt an den Ort, wo wir hingehören: in Seine Nähe, „unter dem Schirm des Höchsten und dem Schatten des Allmächtigen“! Dann erst können wir sagen: „Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe - denn ER errettet dich!“ „Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen“ (5. Mose 33, 27). Wie wunderbar!
Die Nachtarbeiter
„Brum, brum, brum!“ Was ist das für ein merkwürdiges Gebrumm am Abend wo alles sonst still ist und selbst die Fliegen und Küken sich in ihre „Schlafzimmer“ zurückgezogen haben?! So ein Lärm am späten Abend! — Da sehe ich etwas Schwarzes, Rundes sich langsam von der Decke her, der Petroleumlampe nähern und mit einem kleinen Knall fällt das schwarze Etwas auf den Tisch. Ausgerechnet auf den Rücken ist es gefallen und ich sehe, wie das Tierlein aufgeregt mit den Beinen in der Luft strampelt. Es ist ein riesengroßer Käfer, so groß, wie ich noch nie einen gesehen habe, dunkelbraun, dick und rund. Der Kopf sieht beinahe aus, wie ein Spaten. Meine Kollegin erklärt mir, dass das Tierlein diesen Spaten zum Graben benutzt. Es ist ein nützliches Tier, ein Käfer, der dafür sorgt, dass alles schön sauber und aufgeräumt ist in unserem Garten, wo die Pferde grasen. Dort bekümmert es sich besonders um den Pferdemist, den es zu kleinen runden Kugeln formt und in bestimmte, vorgegrabene Löcher verschwinden lässt. Wenn man dann am Morgen aufsteht, ist alles schön sauber und aufgeräumt und kein Pferdedung liegt mehr auf den Wegen herum. Während wir schlafen, tun diese Käferlein fleißig diese wichtige Arbeit und wenn wir dann aufstehen, dann haben sich die Käfer in ihre „Schlafzimmer“ in der Erde zurückgezogen, wo sie kein Huhn oder Raubvogel finden kann.
Eines Morgens sehe ich beim Ausfegen unseres Hauses etwas Schwarzes, Rundes auf dem Rücken liegen. Als ich es mit dem Besen anstoße, bewegt es sich und ich sehe, wie diese „Kugel“ Beine hat, die aufgeregt in der Luft strampeln. Es ist einer unserer Nachtarbeiter, der beim Flug sich in unser Haus verirrte und dort auf den Rücken fiel und sich nicht mehr aufrichten konnte. So lag er die ganze Nacht hilflos auf dem Rücken und als ich ihn am Morgen anstieß machte er nochmals einen vergeblichen Rettungsversuch. Ich richte ihn auf und trage ihn nach draußen. Da sehe ich, wie er mit dem „Spaten“ am Kopfe versucht, sich in den Boden hinein zu graben. Doch er merkt, dass es hell draußen ist und für ihn Zeit zum Schlafen. Doch der Boden ist hart und es gelingt ihm nicht, sich einzugraben und sich in Sicherheit zu bringen. Da kommt auch schon der größte Käferfeind angelaufen, eins unserer Hühner, für die so ein fetter Käfer eine Delikatesse ist! Doch ich scheuche das Huhn fort und verzweifelt macht der Käfer nochmals einen Eingrabe- und Rettungsversuch. Doch wieder vergeblich und mit aller Gewalt versucht das Huhn, den fetten Käfer zu fressen. Da bringe ich ihn an einen Ort, wo der Boden weich ist und der Käfer sofort im Boden verschwinden kann.
Ist das nicht ein Bild für den Teufel, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann, einen, der sich auf hartem Boden befindet und sich selbst nicht retten kann! Nur bei Jesus, dem starken Retter ist Sicherheit vor diesem tödlichen Feind!
„Jesus spricht: „ICH BIN der Gute Hrte. Der Gute
Hirte lässt Sein Leben für die Schafe.“ „Meine Schafe hören Meine Stimme und
ICH kenne sie und sie folgen Mir und ICH gebe ihnen das ewige Leben und sie
werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus Meiner Hand reißen.“
Johannes 10, 11 und 27 – 28
Schlangengeschichten
„ABER die SCHLANGE war listiger als alle Tiere
auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte und sprach... „Ja, sollte Gott
gesagt haben…?“
1. Mose 3, Vers 1
„Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du
das getan hast, seist du verflucht… Und ICH will Feindschaft setzen zwischen
dir und dem Weibe...“
1. Mose 3, Vers 14+15
Bei allen Naturvölkern existiert eine natürliche Abneigung gegen alle
Arten von Schlangen und nur die Zauberer benutzen sie für ihre finsteren
Zwecke. Wenn unter den Guaymi-Indianern das spanische Wort „Culebra“ ertönt,
wissen alle, dass ein gefährlicher Feind in der Nähe ist, den man nicht am
Leben lassen darf und weil die Indianer eine teuflische Macht hinter jeder
Schlange sehen, sind diese Tiere der Feind Nr. 1 für sie.
An einem Nachmittag kam ein mir nicht bekannter Zauberer mit seiner kranken 12jährigen Tochter zu uns in die Klinik, um für sie „Zaubermedizin“ zu bekommen, da die seinige ihr nicht geholfen hatte. Es war ein Hautekzem und ich gab ihm eine entsprechende Salbe und erklärte ihm die Anwendung. Mit gleichgültiger Miene nahm er die Salbe entgegen und begab sich aber sogleich in unsere Küche. Dort sah er einige Gefäße, in denen wir Zucker und Mehl aufbewahrten und sagte mir: das will ich haben! Ich erklärte ihm, dass sie die einzigen Gefäße sind, in denen wir Zucker und Mehl aufbewahren müssen und weigerte mich, sie ihm zu geben, bot ihm aber dafür ein anderes kleineres Gefäß an, was er nicht annahm, und wütend davonging. Am Abend saßen meine Mitarbeiterin und ein Besucher noch längere Zeit beim trüben Schein unserer Kerosinlampe in der Küche, als aus dem Zimmer neben dem Klinikräumchen, in dem ein lndianer-Mädchen schlief, der Ruf ertönte: „Culebra Eine Schlange ist in meinem Zimmer!“ Wir fragten: „Wo?“ „An der Tür in meinem Tragnetz!“ rief sie. Wir öffneten die Tür und eine giftige schwarze Schlange fiel zu Boden, die zu entkommen versuchte. Doch der Indianer Besucher fand schnell einen Knüppel mit dem er die Schlange tötete. Wie war sie nur dahin gekommen, in den innersten Raum unseres kleinen Hauses? Wir waren uns einig, dass nur der Zauberer sie dorthin gelegt haben könnte, aus Rache, dass ich ihm nicht gab, was er haben wollte!
An einem Spätnachmittag machte ich im Abendsonnenschein, nach einem langen Kliniktag noch einen Spaziergang zu einer Bergwiese, von der aus man den Pazifischen Ozean sehen konnte. Ich achtete nicht auf den schmalen Graspfad, der im Sonnenschein lag, doch merkte ich plötzlich, dass sich etwas neben meinem Schuh bewegte und bemerkte zu meinem Schrecken, dass es eine kleine, aber sehr giftige Schlange war, die auf dem Pfade schlief. Doch schlaftrunken bewegte sie nur ihren giftigen Kopf ein wenig zurück und schlief weiter! Welch ein Wunder, dass sie mich aus Rache, dass ich ihr vor den Kopf gestoßen hatte, nicht gebissen hatte! Ich war vor Schreck nach vorn gesprungen und rief einen Mann zu Hilfe, der gerade in der Nähe war. Mit einem Stecken kam er vorsichtig näher und erschlug sie. „Oh, das ist aber eine ganz giftige Schlange, wenn die dich gebissen hätte!“‘ Doch ich dankte Gott für die Bewahrung!
An einem anderen Abend war ich gerade von meinem Abendspaziergang zurückgekommen und musste nur noch den kleinen Hügel, auf dem unser Haus lag, hinaufgehen, als ich einen großen Schritt machte und wie ich es sonst nicht tue, auf meine Füße schaute. Da sah ich zu meinem Schrecken, wie auf der Erde zwischen meinen beiden Füssen eine dicke schwarze Schlange hindurch kroch! Ich sprang nach vorne und schrie (wie ich es sonst auch nicht tue) laut auf: „Jetzt hat sie mich aber gebissen!“ doch spürte ich keinen Biss und bemerkte nur, wie die Schlange im hohen Gras verschwand. Welch eine wunderbare Bewahrung! Mit Dank erreichte ich unser Haus und erzählte, wie Gott mich so gnädig bewahrt hatte! Ja, selbst die Schritte eines Gerechten sind von Gott gelenkt!
Als ich einmal in meiner Übersetzerhütte beim Arbeiten an der Guaymi-Übersetzung des Neuen Testamentes mit Pablito, meinem Übersetzungshelfer, arbeitete, fiel mir auf, wie eins unserer Hühner nach vorne und dann nach hinten sprang. Ich fragte Pablito, warum das Huhn sich so merkwürdig aufführt. Er sagte: „Es kämpft mit einer Schlange!“ Und richtig, sie wollte die kleine Giftschlange wie einen Wurm verzehren, aber die Schlange griff sie an. sodass das Huhn zurücksprang und dann wieder einen Angriff auf die Schlange machte. So ging das eine ganze Weile hin und her, bis Pablito die Schlange tötete und das Huhn den „Wurm“ auffressen konnte, ohne von ihm den tödlichen Biss zu erhalten.
Ein anderes Mal hörten wir, wie etwas auf die Erde herunterplatschte. Ich fragte wieder, was das wohl bedeuten könnte. Pablito erklärte mir, dass sich eine der langen Baumschlangen auf die Erde geworfen habe, um ein Tier zu verspeisen. Wir sahen nach und bemerkten, wie die Baumschlange einen Frosch im Maul hatte, den sie gerade verschlucken wollte. Der Kopf des Frosches war schon in ihrem Maul, nur die beiden Beine konnten wir noch sehen. Ich holte schnell meine Kamera, um ein Foto zu machen, denn das Verspeisen geht auch bei Baumschlangen nicht so schnell vor sich. Pablito erschlug die Schlange und das Fröschlein sprang fröhlich aus dem Maul der Schlange heraus! Es war also keine giftige Schlange, sondern eine Würgeschlange. Welch eine Lektion konnte ich daraus erkennen! Der Teufel in seiner Schlangeneigenschaft hat auch schon manche Menschen in seinem Maul, um sie ganz in seine Gewalt zu bekommen, doch wenn Jesus, der Stärkere für ihn eintritt, kann ein Mensch auch noch aus dem Maul, d. i. aus der Gewalt des Teufels errettet werden!
Auch Katzen lieben Schlangenfleisch und greifen sie an, wo sie sie finden. An einem Nachmittag rief mir Pablito zu, ich war gerade in der Küche unseres Hauses: „Rufe Pussi, unsere Katze!“ Ich wußte nicht warum, sah aber, dass sie den Kopf hin und her bewegte und vor ihr eine aufgerollte Schlange, deren Kopf nur ein wenig von Pussi entfernt war, sich ebenso bewegte. Jedes von beiden Tieren wartete auf den geeigneten Augenblick, um dem anderen den Todesstoss zu versetzen. Ich konnte unsere Pussi gerade noch vor der Schlange retten und Pablito nagelte die Schlange mit einem langen Stab auf die Erde. Welch ein Kampf auch im Tierreich!
Schlangengeschichten 2
Es war an einem Abend in dem Latinostädtchen Tolé, wo ich etwa 17 Jahre lang wohnen durfte. Unser kleines Holzhäuschen war nicht mehr ganz dicht, auch nicht die mit Fliegendraht verkleideten Fenster, die an einigen Stellen Löcher aufwiesen. Ich hatte die seltene Freude, eine Besucherin aus Deutschland bei mir zu haben, mit der ich einige Zeit am Strand des Pazifischen Ozeans verbringen konnte. Nun waren wir nach Tolé zurückgekehrt und unterhielten uns noch ein wenig in meinem Zimmer, wo ich dicht am kleinen Fenster saß. Als ich mich umdrehte und die bunten Vorhänge vorziehen wollte, bemerkte ich, dass die Bänder, mit denen ich die Gardinen zusammenhielt, recht schmutzig geworden waren. Das kommt vor, dachte ich, doch als ich näher hinschaute, sah ich zu meinem Schrecken, dass die „Bänder“ sich leise bewegten und dass es eine schmutzigfarbene Schlange war, die sich um die Regalbretter geschlungen hatte, deren Kopf aber unter dem Brett sich leise bewegte! Eilig sprangen wir beide auf und ich rief einen Indianer, der gerade in der Nähe war, dass er kommen sollte, um die Schlange zu töten. Er kam vorsichtig herein und fragte: „Wo ist sie?“ „Um das Brett gewickelt!“, sagte ich. „Oh. eine kleine Boa“ sagte er etwas verächtlich, „keine Giftschlange! Gib mir ein Stöckchen und eine Strippe!“ Ich gab ihm beides, ohne zu wissen, was er damit wollte. Er machte eine Schlinge und befestigte die Strippe an dem Stöckchen, streichelte die Schlange unter dem Bauch, sodass sie den Kopf hochhob und er die Schlinge wie ein Lasso über ihren Kopf werfen konnte, die er mit einem Ruck zusammenzog und die Schlange baumelte an seinem Stöckchen! „Ich werde sie an einem Baum aufhängen, morgen früh ist sie dann tot!“ sagte der Indianer. Nein, sagte ich, töte sie lieber gleich mit der Matschette, sagte ich ihm ängstlich, weil ich nicht sicher war, ob sie dann wirklich tot wäre und sich nicht aus der Schlinge befreit hätte und uns nochmals besuchen würde!
Einige Jahre später in Boquete, wo ich jetzt wohne, geschah es an einem Sonntag, als wir ahnungslos in der Kirche saßen. Miguel, der Mann von Sara, war mit ihrem kranken Söhnchen Julian zu Hause geblieben, als er in unserem kleinen Hühnerstall hinter unserem Wohnhaus hörte, wie die Hühner unruhig wurden. Er schaute nach und sah zu seinem Entsetzen eine riesige Boa Constrictor, die gerade dabei war, eine von unseren beiden großen Legehennen aufzufressen. Da die Boa zu groß war, um sie allein zu erlegen und er auch kein Gewehr hatte, rief er einen verwandten Indianer zu Hilfe, der auch in der Kirche war und schnell ihm zur Hilfe eilte. Beide fanden einen großen Ast, an dem sie einen dicken Strick befestigten und eine Schlinge, ein Lasso, aus dem Strick machten und dann mit vereinten Kräften die Riesenschlange hochhoben und an einem großen Baum aufhängten. Sie muss wohl 50 Pfund gewogen haben und etwa 3 Meter lang gewesen sein. Da hing sie nun und wand sich wie ein Knäuel mit dem muskulösen dicken Körper hin und her, ich konnte sie sehen, als wir aus der Kirche gekommen waren. Welch ein Untier, das selbst Menschen und größere Tiere zerdrücken und auffressen kann! Wie dankten wir Gott für die Bewahrung, denn sie muss schon öfter unseren Hühnerstall besucht haben, denn es fehlten immer wieder Hühner! Ja, „groß Macht und viel List, sein grausam Rüstung ist!“ und das gilt vom Teufel, der „alten Schlange“! (Offenbarung 12, 9).
Schafe und Bienen
Ovejas y Abejas
Bei der Übersetzung des Neuen Testaments in die Guaymi-Sprache waren Layo und ich im Johannes Evangelium und begannen das zehnte Kapitel. Ich fragte ihn: Kennt Ihr Schafe? Habt ihr sie schon einmal gesehen? Nein, sagte er. Was sind denn das für Tiere? Die gibt es bei uns nicht. Ich versuchte die „Ovejas“, wie sie im spanischen heißen, zu beschreiben, doch er konnte sich diese Tiere nicht richtig vorstellen und es war ihm fremd, dass sie jemand brauchen, der sie betreut und immer bei ihnen ist, einen Hirten. Da es in der Guaymi-Sprache ja kein Wort gibt für ein Tier, das dort nicht existiert, mussten wir das spanische Wort Oveja für dies unbekannte Tier gebrauchen. Ich suchte nach Bildern von Schafen, doch auch diese sagten nicht allzuviel aus über diese in der Bibel oft vorkommenden Tiere. Da „begab es sich“, dass ich in einer kleinen Ferienpause zu dem Höhenort Boquete fuhr, um dort ein paar Tage auszuruhen. Als ich an einem Tage die Strasse entlang ging, sah ich einen Lastwagen vorbeifahren, auf dem ein Schaf gemalt war und darunter stand: „Die Farm der Lämmer“: - Kann es sein, dass es an diesem Ort irgendwo Schafe gibt? dachte ich. Ich fragte einen Ortsansässigen, ob es wohl hier eine Schaffarm gäbe. Ja, sagte er, der frühere Bürgermeister, Herr Guerra hat eine Schaffarm, sein Haus ist hier ganz in der Nähe und er zeigte mir das Haus. Etwas verlegen klopfte ich an die Tür und eine forsche Frau öffnete mir und fragte nach meinem Begehr. Etwas zögernd sagte ich: Ich sah den Lastwagen auf dem „die Farm der Lämmer“ stand. Gehörte der Wagen Ihnen und haben Sie wirklich Schafe? Ja, sagte sie erfreut, wir haben Schafe! Sind sie daran interessiert? Ohne meine Antwort abzuwarten, holte sie den Autoschlüssel und sagte: Wir können gleich zu unserer Farm fahren, steigen Sie nur ein! Auf holprigen Wegen gelangten wir schließlich zu der Farm, die an einem Berghang lag, der mit saftigem Gras bewachsen war, wo lustige Schäflein herum sprangen und der Farmbesitzerin freudig entgegen liefen. Auch ich wurde von den lebendigen fröhlichen Schafen „umarmt“, dass ich fast umfiel. Wir haben etwa 120 Schafe hier, von der englischen Suffolk Rasse, die wir von USA in einem Flugzeug einfliegen ließen vor einigen Jahren und sie haben sich hier so sehr vermehrt. Wieviel Schafe wollen Sie? Nun, zwei, sagte ich etwas überrascht, ein Schafpärchen! Aber wir wohnen weit weg von hier! Das macht nichts, mein Mann kann sie im Kofferraum unseres Autos nach Tolé transportieren und ein Indianer kann sie dann die Berge hinauftreiben bis zu Ihrem Ort Chichica. Das ist kein Problem! Wieviel kosten sie denn? fragte ich immer noch überrascht. 25 Dollar das Stück, Sie können mir einen Scheck schicken oder direkt in bar bezahlen! So schnell wie wir kamen, fuhren wir zurück in dem Jeep der Bürgermeistersfrau und ich ging noch wie betäubt zu meinem Hotel zurück. Schafe für Indianer! Das ist ja wunderbar, dann werden sie auch verstehen, was Jesus meint, wenn Er von den Schafen und ihrem Hirten sagt!
Als ich wieder in Chichica, wo ich damals wohnte, ankam, suchte ich sogleich nach einem zuverlässigen und willigen Indianer und fand auch einen Jugendlichen, Narciso, der bereit war, nach Boquete zu fahren und zu der Bürgermeistersfrau zu gehen und das Schafpärchen zu kaufen und es dann zu uns nach Chichica hinauf zu treiben. Unbekümmert fuhr er, mit dem Bargeld für die zwei Schafe in der Hand nach Boquete, das die meisten Indianer von den Kaffeefarmen, auf denen viele von ihnen arbeiten, kennen. Der Bürgermeister fuhr dann in seinem Privatauto die beiden an den Beinen zusammengebundenen Schafe im Kofferraum und den Indianer-Jugendlichen die 150 km nach Tolé, wo er die beiden Schafe, die still und geduldig im heißen Kofferraum ausgehalten hatten, losband und sie dem Indianerjungen übergab. Dieser band ihnen einen Strick um den Hals und führte sie langsam die Bergpfade hinauf, wo sie oft keuchend ihrem jungen Führer folgten. Ein Problem war der breite Bergfluss, den sie ohne Brücke überqueren mussten. Der junge Narciso band das eine Schaf am Ufer fest und legte das andere Schaf auf seine Schultern und trug es durch den Fluss auf die andere Seite. Dann ging er zurück und holte das andere dort angebundene Schaf und trug es sorgfältig auf seinen Schultern auf die andere Seite zu dem dort wartenden Schäfchen. Nach dieser mühsamen 24 Stunden währenden Bergreise (wofür wir sonst nur acht Stunden zu Pferd brauchen) kamen alle drei keuchend und erschöpft an unserem kleinen weißen Holzhäuschen in Chichica an. Ich holte gleich Wasser für die durstenden Schafe und band sie im Schatten eines großen Baumes an, wo sie sich langsam wieder erholten. Wir nannten das Schafpärchen Wolly, den Bock und Molly, das Weibchen.
Als dann die ersten Indianer zu unserer kleinen Krankenstation kamen und die beiden Schäfchen friedlich grasen sahen, fragten sie erschrocken: Was sind denn das für „Wildkatzen“? Beißen sie denn auch? Fressen sie auch Menschen oder irgendwelche Tiere? Nein, sie fressen nur Gras und Mais, wenn ich es ihnen bringe. Sie sind zahm und wehrlos und ganz auf die Hilfe von uns Menschen angewiesen! Staunend betrachteten sie diese merkwürdigen Tiere, doch keiner wagte es, ihnen zu nahe zu kommen. Doch die beiden Schäfchen, Wolly und Molly, denen ich täglich ihre Portion Mais brachte, akzeptierten mich schnell als ihre „Hirtin“ und Besitzerin, der sie überall hin folgten. Als ich einmal einen Besuch machen wollte zu Indianern, die ziemlich weit entfernt wohnten, wollte ich nicht, dass die Schafe mir folgten. Doch sie folgten mir auf gewissem Abstand immer nach. Wenn ich mich umdrehte, scheuchte ich sie zurück und ließ sie wissen, dass sie zu Hause bleiben sollten, doch wenn ich mich wieder umgedreht hatte zum Weitergehen, kamen sie heimlich hinter mir her geschlichen, und so ging das eine ganze Weile, dass sie sich immer hinter einem Busch versteckten, wenn ich mich nach ihnen umdrehte. Schließlich musste ich es aufgeben und sie auf Abstand mir folgen lassen!
Die Hitze machte meinen Schafen mit ihrer dicken Wolle schon zu schaffen und wir mussten sie immer wieder scheren und im Bach waschen. Außer dem ersten Pärchen Wolly und Molly, die krankheitsanfällig waren und starben, mussten wir noch fünf weitere Schafe kaufen, die ich dann aber in die höheren Bergregionen schicken musste. Ein gläubiger Indianer, Franzisko Qu., der ihr Schafhirte wurde, betreute sie liebevoll und in der kühleren Gegend vermehrten sie sich auch, sodass Franzisko schließlich eine ziemlich große Herde hatte. Er spendete dann zu den großen Bibelkonferenzen, wo meistens über 1000 Menschen zusammenkamen, einige von seinen Schafen für die Verpflegung der Teilnehmer. Zuerst hatten die Indianer Angst, dies fremde Fleisch zu essen, was ihnen nach ihrem alten Aberglauben schaden könnte, doch als keiner von ihnen, die es wagten das Schaffleisch zu essen, krank wurde, da aßen es die anderen auch ohne Bedenken.
Ich versuchte auch, die Wolle zu verwerten und kaufte in Deutschland einige Spinnräder und wir hatten für einige Frauen eine Spinn-Freizeit, wo diese spinnen lernten, doch die meisten kamen mit den Spinnrädern nicht zurecht, die auch in den Bergen schnell kaputt gingen. Doch die Indianer-Geschwister, die nun das zehnte Kapitel des Johannes Evangeliums u. a. Bibelstellen lasen, verstanden, was Schafe sind und warum uns Gott mit Schafen vergleicht, die in die Irre gingen und einen Guten Hirten, der sie rettet, brauchen!
Das spanische Wort für Bienen ist ABEJAS, ganz ähnlich dem Wort OVEJAS, aber beide Tierarten sind doch sehr verschieden! Eins ein vierbeiniges Säugetier und das andere ein kleines Insekt mit Flügeln, das Honig von den Blüten der Bäume oder Blumen einsammelt und in seinen Waben aufbewahrt Die Indianer kennen wilde Bienen und ihren süßen Honig, den sie in hohlen Bäumen oft finden können und ihn dann mit Buschmessern aus dem Baum herausholen und sie schätzen den wilden Bienenhonig sehr. Doch ist es recht selten, dass solch ein süßer Schatz in einem Baum gefunden wird.
Eines Tages kam zu unserem kleinen Häuschen im Gebirge ein amerikanischer Peace Corps Mann, der uns erzählte, dass auf einer großen Lehrfarm von der Regierung ein Kursus für Bienenzucht angeboten wurde, an dem er selbst schon teilgenommen hatte. Er machte uns Mut, doch einige Indianer dorthin zu schicken und dort ausbilden zu lassen. Ich schrieb an den Leiter dieser Kurse und bekam eine freundliche Zusage, dass ich zunächst zwei Indianerbrüder dorthin schicken konnte. Sie kamen begeistert und hocherfreut mit je einem Bienenstock zurück, stellten diesen auf und kümmerten sich nicht mehr darum. Der Erfolg ist leicht auszudenken, große schwarze Ameisen nisteten sich ein und töteten die Bienen und bei den schweren Regengüssen konnten sie nicht fliegen und Honig sammeln und verhungerten so in der Regenzeit!
Ich versuchte es noch einmal mit drei anderen Brüdern, die ich dorthin schickte und die eifrig lernten und siegreich mit je einem Bienenstock zurückkehrten. Zwei von ihnen kümmerten sich sehr eifrig um ihre Bienen und konnten mit den Jungbienen ein und später mehrere Bienenvölker züchten und damit ihren Honigertrag mehren. Da das Herausnehmen des Honigs von den Bienenwaben oft schwierig war, konnte ich von Deutschland mir eine Honigschleuder durch meine Mutter schicken lassen, die diese auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung gesehen hatte und für mich bestellte und schicken ließ. Das war eine Freude, als diese nun bei den Indianern in Aktion trat! Ein Indianerbruder, Emilio, hatte inzwischen seine Bienenstöcke auf über 20 vermehren können und diese produzierten nun Mengen von wertvollem Honig, den er verkaufen und auch verschenken und selbst gebrauchen konnte. Er war ein begeisterter Bienenfreund geworden und die Bienen kannten ihn und er wurde fast nie von ihnen gestochen. Und ich freute mich, wenn ich ihn besuchte und seine Bienenstöcke bewundern konnte. Doch dann kam das Unglück, das ganz Amerika vom Süden her heimsuchte: Die „Killerbienen“ kamen auch nach Panama und drangen in alle Bienenstöcke ein und töteten unsere zahmen Bienen! In großen Schwärmen kamen sie geflogen und es hörte sich an, wie der Motor eines Flugzeuges, wenn sie über uns hinweg flogen. Nicht nur zahme Bienen, sondern auch Menschen und Tiere griffen sie an und ich weiß von einem Pferd, das in Tolé von solch einem Bienenschwarm getötet wurde. Auch von ihnen angegriffene Menschen töteten sie und kein von ihnen angegriffener Mensch konnte sich selbst retten. Einmal hörte ich auf einem Spaziergang, bei dem ich allein war, das “Motorengeräusch“ eines solchen Bienenschwarms über mich dahinfliegen. Ich warf mich auf die Erde und bat Gott um Seinen Schutz und der Schwarm flog über mich hinweg! – Danke! Ein älterer Latino-Bruder, der auf einem Bulldozer saß, der ziemlichen Krach machte, wurde einmal von den Bienen angegriffen, konnte aber noch weglaufen und musste zum Krankenhaus gebracht werden, wo ihm mit Antihistaminspritzen geholfen werden konnte.
Doch ein 14jähriger Schüler unserer Missionsschule geriet bei einem Ausflug in solch ein Killerbienennest und wurde von ihnen so gestochen, dass er dort starb. Da dies auf einem Berg geschehen war und die mit einem Hubschrauber angeflogenen amerikanischen Hilfskräfte von der Kanalzone den toten Jungen nicht erreichen konnten, mussten sie zurückfliegen und Bienenschutzkleidung holen, da auch sie von den Bienen angegriffen wurden.
Doch was tat nun unser Indianerbruder Emilio mit seinen 22 Bienenvölkern? - Er musste ansehen, wie die Killerbienen in die Stöcke seiner zahmen Bienen eindrangen und diese töteten und sich selbst dort einnisteten und sehr vermehrten. Doch mit großem Mut und Vorsicht holte er sich von den ihm noch verbliebenen zahmen Bienen eine Bienenkönigin heraus und setzte sie in einen von den Killerbienen besetzten Stock. Und siehe da, die Jungbienen wurden wieder zahm von der zahmen Königin! Doch das war ein schwieriges Unternehmen, zumal die Killerbienen schon die meisten Stöcke eingenommen hatten. Schließlich blieben ihm noch zwei zahme Bienenvölker übrig, bis diese auch von den gefährlichen Killerbienen eingenommen wurden. Diese tragen auch guten Honig, aber sie bleiben nicht lange an einem Ort oder in einem Bienenstock, sondern fliegen wieder davon! So haben wir in Panama und in anderen südamerikanischen Ländern nur noch Honig von Killerbienen, den einige dafür gut ausgerüstete Bienenzüchter geerntet haben. Wir selbst aber haben gesehen, wie auch in der Tierwelt der Kampf der bösen Bienen gegen die guten tobt und das Böse immer stärker ist als das Gute. Doch der Stärkste, der Schöpfer Selbst, der auch die Bienen schuf, kann und wird auch das Böse in der Tierwelt überwinden, wenn JESUS kommen wird, um Sein Tausendjähriges Reich auf dieser Erde aufzurichten, wie es uns in der Offenbarung, im Kapitel 21 berichtet wird. Wie sehnen wir uns danach und beten: Komme bald, HERR JESUS!
Tierpark Panama
„Und GOTT sprach: Lasset uns Menschen machen, ein
Bild, das UNS gleich sei, die da herrschen über die Fische...und über die
Vögel,. über das Vieh.. und über alle Tiere des Feldes...und über alles Gewürm,
das auf Erden kriecht!“
1. Mose 1, 26
„Was Gott uns durch Tiere sagen will!“
Heute Morgen gegen 6 Uhr wachte ich durch den wunderbaren Gesang eines großen Vogelchores auf, der mit vielen Stimmen harmonisch das Lob Gottes laut erschallen ließ. Die negativen Gedanken, die sich beim Aufwachen bei mir einschleichen wollten, verschwanden sofort und ließen mich mit einstimmen in das vielstimmige Lob Gottes!
Beim Hinausschauen sah ich in dem ersten Sonnenstrahl, das leuchtende Rot der Lilien und die herrliche Schönheit der Rosen in unserem Vorgarten, die alle von der Schönheit Gottes redeten. Der alte Indianerbruder José folgerte daraus und sagte: „Wenn Gott solche schönen Blumen gemacht hat, dann muss ER SELBST sehr schön sein!“
Nach dem gewaltigen Morgenlied der Vögel folgt etwas später das laute melodische Pfeifen des amerikanischen Regenpfeifers, der den Wechsel der Jahreszeiten ankündigt: Nach der heißen Trockenzeit von etwa vier bis fünf Monaten, beginnt nun wieder die etwas kühlere Regenzeit, die bis zum November geht, wo das Gras und manches, was vertrocknet schien, wieder neu grünt und blüht!
Unsere Hühnerfamilie folgt nun bald auf unserem grasigen Hof in ganz bestimmter Ordnung: Zuerst der Hahn, der keinen Nebenbuhler duldet, sondern bis zum Tode ihn verfolgt! Ich sah einmal zwei Hähne erbittert miteinander kämpfen und überlegte, wie ich sie wohl voneinander trennen könnte, doch dann sah ich zwei kleine australische Perlhühnchen ankommen, die durch die kämpfenden Hähne hindurchgingen, und die beiden Hähne ließen voneinander ab, denn die kleinen Friedensstifter stellten sich immer wieder zwischen die beiden Kampfhähne, bis diese schließlich, entrüstet krähend sich zu ihren Hühnerhäusern zurück begaben!
Aber auch die Ordnung in der Hühnerfamilie ist erstaunlich. Wenn das Futter ausgeteilt wird, kommen zuerst die ältesten Hennen dran, die anderen müssen warten, bis sie an der Reihe sind und ganz zuletzt dürfen sich die größeren und kleineren Küken von dem Futterrest etwas nehmen. Es gilt auch hier, wie in unserer gefallenen Welt das Recht des Stärkeren!
Was flitzt denn da im Dunkeln an der Wand entlang? Ich mache das Licht an und sehe eine graue Eidechse, die versucht, sich an einem dunkleren Ort zu verstecken. Innerhalb und außerhalb des Hauses kann man diese Tierchen sehen. Man nennt sie „Limpia-Casa“, d. h. „Haus-Reiniger“, denn sie sind es, die das Haus von lästigen Insekten befreien. Da sehe ich neulich am beleuchteten Fenster einen „Haus-Reiniger“ und auch einen Nachtfalter, der auch vom Licht angezogen ist. Vorsichtig schleicht sich die graue Eidechse an den ahnungslosen Nachfalter heran und mit einem Schwupp hat der Haus-Reiniger den Falter im Mäulchen!
Doch in einer anderen Nacht wache ich um vier Uhr früh auf und sehe zu meinem Entsetzen am Vorhang des gegenüberliegenden Fensters etwas Schwarzes, Längliches majestätisch herunter kriechen: Ein großer schwarzer Skorpion!! Schnell springe ich aus dem Bett und, da ich keine andere Waffe habe, wickle ich den Skorpion in den Vorhang ein. Was soll ich nun tun? Skorpione sind die schmerzhaftesten Feinde des Menschen, für die uns in Lukas 10,19 eine besondere Verheißung gegeben worden ist, die unter die Rubrik „alle Gewalt des Feindes“ eingestuft ist! Nach einem Stossgebet kann ich den eingewickelten Skorpion auf die Erde fallen lassen und mit dem Schuh zertreten! „Danke HERR!“ sage ich! Wie oft musste ich schon diese Skorpionen - Verheißung für mich in Anspruch nehmen, denn in einem neu gebauten kleinen Holzhaus auf der Reiterhöhe, wo wir ein Jahr wohnten, musste ich wohl mehr als 30 Skorpione töten!
Hier im kühlen Boquete gibt es doch keine Skorpione, dachte ich! Doch da tauchten sie auch in meinem Zimmer mehrmals auf! Unser tapferer Schäferhund mit dem schönen Namen „Beethoven“, wurde an einem Abend von einem Skorpion (den wir nachher fanden) ins Bein gebissen und heulte laut auf vor Schmerz! Mit einem Wattetupfer, den ich mit Ammoniak getränkt hatte, konnte das Gift neutralisiert werden und der Hund sprang dann schnell wieder fröhlich umher! Skorpione sind Nachttiere, die sich nie im Licht sehen lassen! Aber die unzähligen schönen Nachtfalter erfreuen mich immer wieder, besonders der kleine weisseidene Falter mit dem Goldrand! Aber auch die unzählig vielen anderen Muster der Nachtfalter, die vom Licht angezogen werden! Und im Licht der Nachttischlampe sehe ich die kleinsten Tierchen vollkommen mit ihren winzigen Beinchen, Fühlern und Flügeln, die vielleicht nur an ihrem einzigen Lebenstag fröhlich im Lampenlicht tanzen! Wie groß ist Gott, der eine unzählige Schar von Insekten gemacht hat, die IHN mit ihrem Tanz loben!
Aber die anderen Tiere, die uns in Lukas 10, 19 unter der Rubrik „Gewalt des Feindes“ genannt werden, sind die Schlangen, die aber am Tage und in der Nacht erscheinen und mit ihren Giftzähnen Menschen und Tiere töten können! Ich bin auch mancherlei Schlangen begegnet, vor denen mich Gott immer bewahrt hatte. Doch neben den oft sehr kleinen Giftschlangen gibt es auch die Riesenschlangen, die nicht giftig sind‚ aber sehr muskulös stark und riesengroß. Hier in Panama ist es die „Boa Constrictor“, die uns mehrmals begegnet ist, Wir wunderten uns, dass unsere schon recht zusammengeschrumpfte Hühnerfamilie immer kleiner wurde. Bis, an einem Sonntagmorgen, als Miguel mit seinem kranken Sohn Julian zu Hause geblieben war, er eine Unruhe im Hühnerhaus bemerkte Er ging hin um nach der Ursache zu forschen. Da sah er eine Riesenboa, etwa 3 Meter lang, wie sie gerade eins unserer Hühner im Maul hatte! Er wusste aber, dass er allein das Tier nicht töten konnte, auch nicht mit dem berühmten Buschmesser und so rief er telefonisch einen anderen Indianer um Hilfe, der gerade im Gottesdienst war und schnellstens zu uns gelaufen kam. Gemeinsam machten sie aus einem Strick ein Lasso, das sie der Schlange über den Kopf warfen und die Schlange am Lasso an einem großen Baum aufhängten, wo die Schlange sich hin und her wand, bis sie aber doch noch einige Stunden lebte, bis sie tot war! Die Schlange wird ja als erstes Tier in der Bibel namentlich genannt und als listig bezeichnet, das Satan gebrauchte, um Eva mit seiner List und mit der Lüge zu verführen und damit die ganze Menschheit von Gott durch die Sünde zu trennen! -Aber auch die Verheißung des Erlösers wurde uns gegeben und das Zertreten der Schlange durch den am Kreuz durch das Sündengift getöteten Sohn Gottes!
Beim Beobachten der Tiere fielen mir immer wieder die Ordnungen und die Intelligenz auf, mit der Gott viele von ihnen ausgestattet hat. Der große Delphin sieht einen Menschen ertrinken und nimmt den Ertrinkenden auf seinen Rücken und schwimmt ihn ans Ufer. Gott ruft den großen Fisch (einen Walfisch?), der den ins Meer geworfenen Jona verschluckt bis Gott ihm befiehlt, den ungehorsamen Propheten Jona wieder ans Ufer auszuspeien! und der große Fisch gehorcht seinem Schöpfer!
Als ich einmal am Pazifischen Ozean die Seevögel beobachtete, sah ich, wie diese auf Ihre Beute warteten, die die Fischer mit ihren 5 km langen Netzen gefangen hatten. Da kamen zuerst die großen Seevögel dran, danach eine andere Gruppe, dann eine andere Seevogelart und zuletzt die edlen Pelikane, die geduldig auf den Wellen schaukelten, bis alle anderen Vögel ihre Beute verzehrt hatten, dran waren. Es war kein Streit unter ihnen, jeder wartete auf den anderen! Einmal, als ich einen Einzelpelikan sah, der auf mich und meine beiden Freundinnen zugeflogen kam, sagte ich auf deutsch zu ihm: „Komm ein wenig näher, kleiner Pelikan!“ Und er watschelte näher auf mich zu und drehte das Köpfchen hin und her. Ich fragte ihn, ob er krank sei, worauf er seinen Kopf nach hinten lehnte, was wohl „nein!“ bedeuten sollte. Ich sprach wohl zehn Minuten mit ihm, bis es fast dunkel wurde und ich ihm sagte: „Wir müssen nun nach Hause gehen und du musst auf deinen Schlafbaum fliegen“! Da erhob er seine langen Schwingen und flog davon! Diese Vertraulichkeit mancher Tiere ist bewegend, wie wir es ja auch von der Treue der Hunde wissen, die, wenn sie an einen anderen Ort gebracht werden, doch immer wieder den Weg zu ihrem Herrn zurückfinden! Aber das sprichwörtliche Verhalten zwischen Hund und Katze trifft nicht immer zu. Wir bekamen ein kleines weißes Kätzchen geschenkt und ließen aber das Kätzchen nicht mit dem Hund zusammenkommen. Doch dann sahen wir eines Tages, wie der große Hund mit dem kleinen Kätzchen fröhlich spielte, sich auf die Erde legte und die Katze mit ihm ruhig zusammen schlief!
Wir beobachteten auch mehrmals, wie Katzen Schlangen angreifen und verzehren, während Hunde sie nur anschauen, aber nicht angreifen!
Unsere Pussi saß an einem Morgen still und steif vor unserer Haustür und bewegte ihren Kopf hin und her, was sie sonst nie tat. Da sahen wir, wie etwa einen halben Meter von ihr entfernt eine hoch aufgerichtete Schlange saß, die ihren Kopf hin und her bewegte und Pussi tat das gleiche. Jedes der beiden Tiere wartete auf den Angriff des anderen Tiers, doch da wir unsere Pussi nicht verlieren wollten, konnten wir sie aus dem Blickfeld der Schlange entfernen und die Schlange mit einem langen Pfahl an die Erde spießen und töten! An einem anderen Tag sahen wir, wie ein kleines Kätzchen, was uns geschenkt worden war, etwas in seinen Pfötchen hielt und es am Verzehren war. Es war eine ganz giftige Schlange, doch wir fanden später den Kopf der Schlange, die das Kätzchen aber vorher abgebissen hatte!
Eine rührende Szene sah ich einmal in einem künstlichen Fischteich, wo eine Schar von Fischen sich tummelte, aber ein kranker Fisch unter ihnen war, der immer wieder umfiel. Die anderen Fische bemühten sich lange, ihn immer wieder aufzurichten und schwammen von allen Seiten um ihn herum und richteten ihn auf, damit er doch wieder richtig schwimmen sollte! Auch Fische bemühen sich, ihren „Kameraden“ zu helfen. Welch ein bewegendes Zeugnis! Und ich dachte an die Verheißung in Römer acht, was auch für die Tierwelt gilt!
„Die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig sondern durch den, der sie unterworfen hat auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und in Wehen liegt bis jetzt und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Heiligen Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung der Erlösung unseres Leibes, denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden!“
„Ich erzähle von allen DEINEN WUNDERN!“
Das sollte das Thema dieses Auszuges aus meinem langen Leben sein, das Gott der HERR mir geschenkt hat.-
Es sind noch viele andere Wunder, die ich hier nicht berichtet habe, aber die Gott, der in Jesus Christus mein VATER geworden ist, an mir getan hat. Auch dass ich jetzt, im Jahre 2010 mit 88 Lebensjahren noch am Leben bin und IHM dienen darf, ist ein WUNDER!-- Mein ganzes Leben soll ein Loblied Seiner Gnade sein hier auf Erden und einst bei IHM in der ewigen HERRLICHKEIT!
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