Mit Schwierigkeiten leben

MEINE  LIEBEN BRÜDER,  ACHTET ES FÜR LAUTER FREUDE, WENN IHR IN MANCHERLEI  ANFECHTUNG FALLET UND WISST, DASS EUER GLAUBE, WENN ER BEWÄHRT IST, GEDULD WIRKT!
Jakobus 1, 2 - 3

„UNSERE TRÜBSAL, DIE ZEITLICH UND LEICHT IST, SCHAFFT EINE EWIGE UND ÜBER ALLE MASSEN GEWICHTIGE HERRLICHKEIT, UNS, DIE WIR NICHT SEHEN AUF DAS SICHTBARE SONDERN AUF DAS UNSICHTBARE.“
2. Korinther 4, 17

„DARUM BIN ICH GUTEN MUTES, IN SCHWACHHEIT, IN MISSHANDLUNGEN, IN NÖTEN, IN VERFOLGUNGEN UND ÄNGSTEN UM CHRISTI WILLEN, DENN WENN ICH SCHWACH BIN, SO BIN ICH STARK!“
2. Korinther 12, 10

Wer von uns möchte wohl gern mit Schwierigkeiten leben? Wir weichen ihnen lieber aus oder suchen uns einen leichteren Weg. Aber das Wort Gottes spricht von „lauter Freude“ bei Anfechtungen, von Bewährung des Glaubens, von Geduld und von Herrlichkeit, gerade in Trübsal, bei Schwachheit, Nöten und Ängsten, die wir um Christi willen erleiden!

In jedem Leben gibt es Schwierigkeiten, selbst verschuldete oder unverschuldete, auch im Leben von Gotteskindern oder auch im Leben einer Missionarin. Ein Gebiet, auf dem wir alle zu kämpfen haben, ist das Zusammenleben mit anderen. Als allein stehende Missionarinnen können wir uns die Mitarbeiterinnen nicht aussuchen, wie in einer Ehe, sondern wir werden einfach zusammengestellt mit jemandem, der zwar gläubig ist, aber den wir nicht kennen, meist mit jemand aus einem anderen Land und anderer Kultur! Bei mir waren es Amerikanerinnen, Holländerinnen, eine Neuseeländerin und englische oder australische Missionare. Und keiner von ihnen war ein „Engel“! Jeder hatte seine Art und Unarten, an die ich mich anpassen musste. Eine Mitarbeiterin liebte Katzen über alles und schlief sogar mit ihnen im Bett; eine andere erlaubte nicht mal, dass eine Katze ins Haus kam. Eine war großzügig in geldlichen Dingen und die andere zensierte mich jedes Mal, wenn ich einem Armen etwas schenkte. „Du machst sie damit zu Bettlern!“ war ihr Argument. Eine Mitarbeiterin kam aus gläubigem Hause, die nächste, mit der ich auf engstem Raum zusammenlebte, kam aus ganz ungläubigem Hause, deren Mutter war sogar Zauberin! Das wirkte sich auch im Zusammenleben aus. Sie, die mehr als 30 Jahre jünger war als ich und neu auf dem Missionsfeld war, fand immer einen Grund, mir zu sagen, was ich falsch machte und wie ich es richtig machen müsste, besonders im Umgang mit den Kranken und Hilfesuchenden, die zu uns kamen und denen ich auf keinen Fall helfen dürfte. Wie sollte ich darauf reagieren? Im Frieden miteinander leben und offen alles miteinander besprechen bei so ganz gegensätzlichen Ansichten, die von Fall zu Fall zu entscheiden waren? Es war dann eine große Erleichterung, als diese Mitarbeiterin nach drei Jahren des Zusammenlebens in Heimaturlaub ging und ich allein entscheiden konnte, wem ich wie helfen durfte! Aber auch, dass ich bei ihrer Rückkehr nicht mehr mit ihr zusammenleben musste, war eine Hilfe für mich, doch es wurde eine andere allein stehende Missionarin mit ihr zusammengestellt, die aber auch nach kurzer Zeit sich von ihr trennen musste. Was habe ich nun in dieser für mich sehr schweren Zeit gelernt? Ich prüfte mich meistens und fragte mich: Was habe ich falsch gemacht, dass sie so reagiert? Was habe ich zu tun? Ich lernte es zu vergeben und in Geduld die so ganz Andere zu tragen und für sie zu beten, und sie zu lieben in der Liebe Jesu.

Es ist eine ganz andere Situation, wenn man mit Einheimischen zusammenarbeitet und wohnt, wie es bei mir über viele Jahre der Fall war. Ich hatte drei Indianer-Mädchen bei mir zu wohnen, die ich zum Dienst anleiten konnte, und mit denen ich beten und Gottes Wort betrachten konnte, sodass sie zu tüchtigen Mitarbeiterinnen heranreiften! Aber auch da gab es „kulturelle“ u. a. Schwierigkeiten und Widerstände, aber Gott gab Weisheit und Gnade zum Überwinden und zum Siegen! „Sie erhalten einen Sieg nach dem anderen!“ heißt es in Psalm 84, 8, und auch das wurde mir geschenkt!

Ein anderes Gebiet von Schwierigkeiten sind Krankheiten und Schwachheiten bei Missionarinnen oder anderen, mit denen wir konfrontiert werden. In den Bergen des Guaymi-Gebietes gibt es außer dem Zauberdoktor keinen, der sich der Kranken annimmt. Der nächste Arzt war acht Stunden per Pferd von uns entfernt, und zum nächsten Krankenhaus brauchte man zwei Tagereisen. Mir war es klar, dass ich, wenn ich krank werden würde, zu keinem Arzt würde gehen oder reiten können. Ich lernte es in dieser Zeit, nur dem himmlischen Arzt zu vertrauen und bereit zu sein, dass, wenn ER mich abberufen würde, ich bei IHM sein würde, auch ohne ärztliche Hilfe. Die gläubig gewordenen Indianer befahlen alle ihre Kranken dem himmlischen Arzt an, beteten für sie und erlebten wunderbare Heilungen. Warum konnte ich nicht auch mich diesem wunderbaren Helfer allein anvertrauen? Als ich mit der Bibelübersetzung anfing, bekam ich eine ganz schlimme Augenerkrankung, die auf keine meiner Augenmedizinen reagierte, sondern es nur noch schlimmer machte, sodass ich fürchtete blind zu werden. Ich betete “HERR Jesus, ich brauche doch meine Augen für die Bibelübersetzung, heile mich! Doch ich wurde an Jakobus 5, 14-15 erinnert, wo der Kranke die Ältesten der Gemeinde rufen sollte, dass sie über ihm beten sollten... .Und wir hatten eine kleine Kirchgemeinde mit jungen Indianerbrüdern. Zu ihnen konnte ich noch am folgenden Sonntag gehen und sie um diesen Dienst bitten, den sie bisher noch nie getan hatten. „Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der HERR wird ihn aufrichten!“ Und so geschah es, dass ich nach wenigen Tagen wieder klar sehen und an der Übersetzungsarbeit weiterarbeiten konnte. Etwas später überfiel mich eine merkwürdige Schwäche, die an jedem Tag zunahm, sodass ich nichts mehr tun konnte. Was war es nur und was sollte ich da tun? Und keine Hilfe weit und breit, aber „mein Helfer ist in der Höhe!“ und an IHN wendete ich mich. Fasten und beten war die Antwort, und Gott schickte mir einen jungen Indianer Predigerbruder, der mir schlicht und im Glauben das Wort auslegte, das ich im Glauben für mich in Anspruch nehmen konnte, und die Kraft, die mir durch Angriffe aus der Finsterniswelt des Teufels genommen war, kehrte wieder. Ja, unser Körper ist oft im Missionsdienst der Angriffspunkt des Teufels. „Dem widerstehet fest im Glauben!“ Welch einen wunderbaren Helfer haben wir doch als Kinder Gottes, an den wir uns in jeder Lage um Rat und Hilfe wenden können!

Wenn der HERR nicht das Haus baut

WENN DER HERR NICHT DAS HAUS BAUT, SO ARBEITEN UMSONST, DIE DARAN BAUEN.
Psalm 127, 1

“Könnten Sie wohl dieses evangelische Indianerkind am Sonntagmorgen in die evangelische Kirche gehen lassen?“ so fragte ich die Latinofrau, bei der die Indianer- Oberschülerin aus gläubiger Familie untergebracht ist.  „Ja, natürlich, gern schicken wir sie!“ bekomme ich zur Antwort. Doch ein Sonntag nach dem anderen vergeht und nicht ein Mal kommt die Indianer-Schülerin zum Gottesdienst. „Warum?“ frage ich sie.“ Die Familie lässt mich nicht gehen! Zur Messe könnte ich in die katholische Kirche gehen, aber nicht zu unserem Gottesdienst.“ Immer und immer wieder erlebte ich dies in den fast 17 Jahren, die ich in dem Latino - Städtchen Tolé wohnte. Dorthin müssen die Guaymi - Indianer von ihren Bergen herunterkommen, um einzukaufen oder Arbeit zu suchen oder auch in die Poliklinik zum Arzt zu gehen. Aber die Kinder müssen, wenn sie die sechs Grundschuljahre beendet haben, von ihren Grasdachhütten nach Tolé gehen, um dort die restlichen Schuljahre (bis zum Abitur) zu absolvieren. Viele der dort wohnenden Latino - Familien nehmen gern einen „Cholo“ in ihr Haus auf, wie sie die Indianerkinder verächtlich nennen, weil diese so scheu sind und alles was es an Arbeiten im Haus gibt, ohne Widerspruch tun und sie dann wie Sklaven von ihnen behandelt werden. Mir legte sich diese Not seit langer Zeit wie eine schwere Last aufs Herz, doch wusste ich nicht, wie dem abzuhelfen sei.

Bei meinem letzten Heimataufenthalt 1994/95 wurde mir ganz unerwartet von einer Missionsfreundin eine größere Gabe überwiesen: Für die Missionsarbeit in Panama. – „Danke HERR, doch wofür?“  fragte ich im Gebet. Als Antwort darauf wurde ich an die Indianer-Schüler in der sehr gottlosen Stadt Tolé erinnert. Ja, sie brauchen einen Schutzort, wo sie wohnen und betreut werden und von wo aus sie zur Schule gehen können.

::Pictures to use:construction.jpg Ich  schrieb an die leitenden Brüder des Guaymi - Kirchenbundes und diese antworteten mir sogleich, dass sie diese Not schon lange in ihren Herzen und Gebeten bewegt hätten und sie froh wären, wenn wir ihnen helfen könnten. Auch manchen Beterinnen gab ich dies Anliegen weiter, das sie auf ihr betendes Herz nahmen.

Ja, wir sollten ein Haus für diese Kinder haben, beschlossen die Brüder der Kirchenleitung und suchten nach einem geeigneten Platz dafür. Auf dem Gelände des früheren Missionsgrundstückes, das den Guaymi - Kirchen übergeben worden war, sollten wir ein Haus für Oberschülerinnen bauen und am anderen Ende eines für die Jungen!

Es war dann wunderbar zu sehen, wie Gott für alles sorgte, für das benötigte Geld durch Missionsfreunde, denen Gott das Herz bewegt hatte, für den geeigneten Baumeister und für die benötigten behördlichen Genehmigungen. Alles wurde in relativ kurzer Zeit geschenkt, nachdem ich Ende Juni 1995 nach Panama zurückkehrte. Der jung gläubige Baumeister Pablo A., Sohn des hiesigen Laienpastors, hatte erst vor nicht langer Zeit sein Universitäts-Studium im Bauwesen abgeschlossen und war eifrig in Kinder- und Jugendarbeit der Kirche tätig, war aber ohne Arbeit. Er nahm das Angebot des Internatsbaus in Tolé (150 km von Boquete entfernt) an und zeichnete die Pläne. Trotz einiger fehlender Grundstückspapiere erhielt er sofort die Genehmigung zum Bau, dessen Beginn er zum 6. November geplant hatte. Ich war erstaunt, wie er für sich und seine zwei Helfer alles genau geplant und ausgearbeitet hatte. Die Arbeit für jede Woche, bis zur Fertigstellung des Baus nach vier Monaten, die benötigten Materialien und die Kosten dafür. Aber noch mehr staunte ich, dass alle Material - Lieferungen zur rechten Zeit kamen, und dass fast ohne Verzögerungen die Zeitpläne eingehalten werden konnten, was in Panama fast nie der Fall ist. Nebenbei konnten auch noch die beiden eingeplanten Kinderbibelwochen und ein Jugendlager von Pablo und einem seiner Helfer durchgeführt werden.

Auch der Kostenvoranschlag stimmte fast genau mit den Ausgaben überein. Zwei Schweizer Missionare halfen beratend und mit manchen Material-Transporten und auch bei besonders schwierigen Arbeiten, wie beim Schweißen der Metall - Dachstützen und Türen. Gott bewahrte vor Unfällen und anderen Schwierigkeiten. Fast jedes Wochenende kam Pablo zu mir und berichtete von der Arbeit der vergangenen Woche und rechnete ab, und ich konnte ihm das für die kommende Woche benötigte Geld geben, für die Arbeiter und Materialien zum Bau. Und wir legten in Gebetsgemeinschaft mit Dank und Bitte alles dem HERRN hin.

Zu Beginn des neuen Schuljahres am 1. April war alles fertig und einzugsbereit: die Wände gestrichen und die zweistöckigen Betten in den drei großen Schlafräumen. Alles war sehr schön geworden und wurde von allen bewundert. Am 8. April konnten wir mit Lob und Dank gegen Gott IHM das Haus weihen,  in dem jetzt zwölf Jungen wohnen, während die fünf Mädchen provisorisch in einem alten Haus auf dem ehemaligen Missionsgelände untergebracht sind. Soweit wir jetzt sehen können, planen wir für das nächste Schuljahr, wahrscheinlich im Herbst ein zweites Haus zu bauen, das für die Mädchen sein soll.

Der Leiter des Guaymi - Kirchenbundes Julio J. wohnt mit seiner Familie auf dem gleichen Gelände und betreut vorläufig die 17 Oberschüler, bis die geeigneten Hauseltern gefunden sind. Diese 17 Schüler benötigen sehr der Fürbitte. Nicht alle sind gläubige Christen und bei einem engen Zusammenleben außerhalb ihrer Familie treten immer Probleme auf, auch bei den sonst friedlichen, aber sehr individualistischen Guaymi. Danke für alle Gebetshilfe und liebendes Mithelfen!

DER FRIEDE GOTTES, DER HÖHER IST ALS ALLE VERNUNFT, BEWAHRE EURE HERZEN UND SINNE IN CHRISTUS JESUS.
Philipper 4,7

 

Das irdene Gefäss

WIR HABEN ABER DIESEN SCHATZ IN IRDENEN GEFÄSSEN, DAMIT DIE ÜBERSCHWENGLICHE  KRAFT VON GOTT SEI UND NICHT VON UNS!“    
2.Korinther 4, 7

Wir hatten gerade diesen Text mit meinen drei Mädchen und den zwei Helfern bei der Kinderbibelwoche in unserem Haus gelesen und besprochen, als sich der Fall ereignete, bei dem das Irdene Gefäß  einen empfindlichen Sprung erlitt! Es war um die Mittagszeit am 4. Februar, als ich auf der sehr glatten Terrasse vor unserem Haus ausglitt und auf dem rechten Oberschenkel hart aufschlug. Ein gefährlicher Riss, der die obere Hälfte dieses langen Knochens zersplitterte, wurde bei den Röntgenaufnahmen im 50 km entfernten Privatkrankenhaus in David festgestellt, sodass der Orthopäde Dr. Baez gleich die Operation vorbereiten ließ, die am gleichen Abend durchgeführt wurde. Eine lange Metallplatte mit 13 Schrauben wurde eingesetzt, um den geborstenen Knochen zu stabilisieren.

Nur vier Tage war ich im Krankenhaus, wo mich die dortigen Krankenschwestern und einige meiner Mitmissionare liebevoll betreuten und Abelina die Nächte bei mir war. Das Ambulanz - Auto brachte mich dann zu der Schweizer Missionars - Familie Mannale, bei denen ich mich noch zwei Wochen erholen konnte, bis die Wundklammern entfernt werden konnten. Seit dem 21. Februar bin ich nun wieder im kühlen Boquete, allerdings im Gästehaus, wo alles zu ebener Erde ist, und lerne hier, zuerst im Rollstuhl, dann mit einem Gehgestell, langsam wieder zu gehen. Ich bin dankbar, dass die Beweglichkeit des angeschlagenen Beines langsam wiederkommt und dass ich soviel Liebe und Fürsorge erfahren darf.

Beim Nachdenken über diesen „Fall“ und der Frage nach dem „Wozu“, - wurde ich an das Wort aus Psalm 118,13 erinnert:“ Du hast mich hart gestoßen, dass ich fallen sollte, aber der HERR half mir!“ Aus dem Zusammenhang konnte ich ersehen, dass dieses „du“ kein anderer als der altböse Feind sein konnte, dem der HERR dazu die Erlaubnis gab, damit ER in der Not mir helfen konnte und ER mich manches lehren konnte, was ich anders nicht hätte lernen können. „Durch Leiden vollkommen gemacht“ wurde JESUS, unser großer Hoher Priester, wie sollte ER nicht auch uns hin und wieder ein Leiden auferlegen, dass wir IHM darin ähnlich werden in der Gemeinschaft seiner Leiden?

Ich lerne es, zu warten und von anderen in den kleinsten Dingen abhängig zu sein, denn man braucht ja beide Beine, um von einem Ort zum anderen zu kommen! „… aber der HERR hilft mir“ denn der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein HEIL!“  Psalm 118, 14.


7 Indiandergeschichten

Josué, der Indianer, der Gott gefallen wollte

LEHRE MICH TUN NACH DEINEM WOHLGEFALLEN, DENN DU BIST MEIN GOTT, DEIN GUTER GEIST FÜHRE MICH AUF EBENER BAHN
Psalm 143, 10

::Pictures to use:misty mountains.jpg Josue‘ war ein typischer Bergindianer, vom Stamme der fast 100 000 Menschen zählenden Guaymi - lndianer. Er liebte seine schöne Bergheimat, und wohnte am Fuße des großen Felsberges, der „Weißer Felsen“ hieß. Er war der von allen geachtete Chef eines großen Familien-Klans, der bei den Einführungsfesten für die Indianerjungen einer der Leiter war und bei den Trink- und Tanzfesten mit ihren grausamen Rivalitätsspielen meist als Sieger hervorging, und dann die Ehre hatte, die Frauen der Verlierer mit sich nach Hause zu nehmen. So hatte er fünf Frauen, die er, da er viel Landbesitz hatte, gut versorgen konnte. Er wusste um die alten Guaymi - Stammes Mythen, um die lustigen und listigen Tiergeschichten, um die Weit der bösen Geister, die hinter seinen Kühen her waren, sodass diese oft von den steilen Berghängen abstürzten und sie dann von den Geistern aufgefressen wurden… Auch wusste er um Ngöbö, den großen Schöpfergott, der die Welt geschaffen hatte, der auch die Menschen gemacht hatte, sich dann aber über die Wolken zu „dem Platz dort oben“, wie man den Himmel nannte, zurückzog und nur noch durch die Zauberer mit den Menschen verkehrte. Er gab den Menschen wohl zu essen, aber er holte sich dann‚ wenn er Hunger hatte, einige von ihnen und aß sie auf! Darum hatten die Indianer furchtbare Angst vor diesem großen Schöpfergott und taten alles, um ihn nicht zu erzürnen, oder ihn zu überlisten.

Als Jose‘ etwa 50 Jahre alt war, hörte er von zwei weißen Frauen, “Gringas“ nannte man sie, die von weit her gekommen waren, und für die Kranken gute Medizin mitgebracht hatten, die oft besser helfen sollten, als die Kräutermedizin, die ihre Medizinmänner oft gegen hohes Entgelt den Indianern gaben. So konnte man ja, wenn die Medizin des Zauberdoktors nicht half, zu diesen Gringas gehen! Und so kam dann Jose‘ auch einige Male von seinem Felsenberg zu unserem kleinen weißen Holzhaus auf dem Bergrücken, der Chichica hieß, und erbat sich Medizin, die meist in kleinen runden weißen oder bunten Kügelchen den Kranken gegeben wurde. Natürlich halfen die bunten, besonders die roten Kügelchen mehr als die weißen, und sicher waren  zwei oder drei davon besser als nur eins!! Jose‘ brachte auch meistens ein Huhn als Bezahlung mit, obgleich die Gringas keine Bezahlung verlangten. Doch die Geschichten von dem „Gott der Gringas“, dem Ausländergott interessierten ihn wenig, der war ja nur für die Gringas da und nicht für die Indianer. Außerdem sprach dieser Gott nur spanisch und kannte die Guaymi Indianersprache nicht.

Eines Tages stand Jose‘ vor dem großen ‘Weißen Felsen“, der zu seinem Landbesitz gehörte und sah bewundernd zu ihm hinauf. Wer hat denn nur diesen großen Berg dorthin gestellt? fragte er sich. Den hat doch Ngöbö, der große Schöpfergott, dahin gestellt, der muss aber sehr stark sein, folgerte er. Einige Tage später stieg er, schnell und leicht, wie eine Bergziege, den steilen Berg hinauf und sah da weit unten dem großen Meer, dem Pazifischen Ozean, mit seinen dauernd zum Strand heranrollenden WeIIenbergen bewundernd zu. Dieses große Meer hat ja gar keinen Anfang und kein Ende, dachte er, das hat doch auch Ngöbö gemacht, da muss er aber noch viel größer sein, als das große Meer, das er gemacht hat! Ja, Ngöbö ist sehr groß! folgerte er.

::Pictures to use:flower.jpg Heiß schien die Tropensonne auf ihn herab und er versuchte hinauf zu schauen, musste aber gleich seine Augen schließen, weil die Sonne so hell war, dass ihm die Augen geblendet wurden. Die Sonne ist doch auch von Ngöbö gemacht worden‚ dachte er, Ngöbö muss aber noch so viel heller sein, als die helle Sonne, die er gemacht hat, sagte er sich. Am späten Abend schaute er wieder zum Himmel hinauf und sah die Heere der unzähligen Sterne am dunklen Himmelszelt, die er so oft schon bewundernd gesehen hatte, wie sie immer wieder jede Nacht heraufkamen und ihre Bahnen zogen, dass man danach die Nachtstunden bestimmen konnte. Ngöbö, der große Schöpfergott, der auch alle diese Sterne gemacht hatte‚ muss aber sehr weise sein, sagte er sich.

Am nächsten Tage sah er an den Berghängen und an den Bergbächen viele schöne bunte Blumen wachsen, die er immer wieder staunend bewunderte und sagte sich: Alle diese schönen Blumen mit soviel Farben und Formen hat doch auch Ngöbö gemacht, der muss doch auch noch so viel schöner sein als die Blumen, die er erdacht und gemacht hat!

Als er zu seiner Grasdachhütte zurückging und an den vielen Bananenstauden und Zuckerrohrpflanzungen und Jukafeldern und den vielen Orangenbäumen vorbeikam, sagte er sich: Alles dies hat doch auch Ngöbö gemacht und wachsen lassen, damit wir etwas zu essen haben, Ngöbö muss aber sehr gut sein! Nein, ich glaube nicht, dass er uns essen will, er muss wirklich gut sein und uns lieb haben! Dieser Gedanke, der so ganz seinem bisherigen Denken entgegen war, machte ihn sehr glücklich, und ein anderer Gedanke, der ihn noch glücklicher machte, wurde ihm noch dazu gegeben: Wenn Ngöbö, der große Schöpfergott, so gut ist, und so stark und groß, wie das weite Meer ist, und so hell und so weise und so schön, warum sollte ich dann nicht alles lassen, was er hasst und nur tun, was er liebt? Ja, das will ich tun, entschloss er sich sogleich und überlegte, was es wohl sein könnte, das Ngöbö hasst, und was er, Jose‘ von nun an lassen sollte: Nun, das Sich-Betrinken und die damit verbundenen Faustkämpfe, die immer mit blutigen Wunden und Hass beim Besiegten enden, die hat der gute Schöpfergott nicht gern, darum will ich mich nicht mehr betrinken, entschloss er sich. - Er ging sogleich zu seiner Familie und verkündete ihnen diesen seinen Entschluss. Doch sie reagierten nur mit Lachen und den Bemerkungen: Jose‘, bei dem nächsten Trinkfest wirst du dich aber ganz sicher wieder betrinken und mit deinen Gegnern kämpfen! Doch Jose‘ bezeugte es mir, als er mir erzählte, wie er zum Glauben kam, dass er sich nicht mehr betrinken musste und ihm auch keiner Alkohol einflößen durfte, wie man ihm gedroht hatte, denn Gott hatte ihn bewahrt!

Aber was liebt denn der große Schöpfergott Ngöbö, das ich tun sollte, woran er auch wirklich Gefallen hat, fragte er sich und fand keine Antwort darauf. Dann erinnerte er sich, dass da auf einem anderen Berg, nicht so weit von ihm entfernt, eine Gruppe von Indianern wohnte, die das „Buch Gottes“ hatten. Da einige von ihnen lesen konnten, er selbst konnte ja nicht lesen, könnten sie ihm sicherlich sagen, was Gott liebt und was er zu tun hätte, um ihm zu gefallen. So ging er dorthin und fragte diese Indianer, was er denn tun müsste, um Gott zu gefallen. Sie antworteten ihm: Jose‘, Gott liebt dich so sehr, dass er seinen eigenen einzigen Sohn vom Himmel auf die Erde geschickt hat, um uns gut zu machen! - Aber ich bin doch so schlecht und habe viel Böses getan, Gott kann mich doch gar nicht lieben, ich muss doch erst etwas Gutes für ihn tun! sagte Jose‘. - Nein, Jose‘, Gott hat alles schon getan, um das Böse aus deinem Leben wegzunehmen, denn er hat seinen einzigen Sohn an einem Kreuz sterben lassen, damit alles Böse, was du und wir getan haben, weggetan werden würde. Du brauchst gar nichts mehr dazu zu tun, nur an IHN glauben und IHM danken! wurde ihm gesagt. Fassungslos hörte Jose‘ zu und sagte nur: Gracias Ngöbö, Du hast mich lieb, obwohl ich soviel Schlechtes getan habe, gracias! - Da die Guaymi-Sprache kein entsprechendes Wort für danke hat und man auch nie danke sagen würde, gebrauchte Jose‘ das spanische Wort „gracias“, um seinen Dank Gott gegenüber auszudrücken. Die an Jesus gläubigen Guaymi-Brüder erzählten ihm noch vieles mehr von der Liebe Gottes und dem, was Jesus für uns getan hat. Auch dass wir Menschen mit IHM reden dürfen, sagten sie ihm und das beglückte Jose‘ so ganz besonders. Es musste ja allerdings in spanisch sein, da das Buch Gottes, die Bibel, die die Indianerbrüder hatten, in Spanisch war, also musste man mit Gott in spanisch reden! Doch mit seinem mangelhaften spanisch redete er von nun an mit diesem großen, liebenden Gott, der durch seinen Sohn Jesus auch sein Vater geworden war!

Jose‘ wurde ein Beter, wie ich selten einen getroffen habe. Immer wieder spürte man in seinen Gebeten das große Staunen über solch einen liebenden und doch so großen und allmächtigen Gott und Vater. Morgens, lange vor Sonnenaufgang, begann er laut zu beten, sodass alle, die in seiner sehr großen Grasdachhütte auf den Bambusbetten schliefen, es hören konnten: Vater, DU hast die Welt geschaffen, sie ist Dein, wir danken Dir dafür. Du hast uns Menschen geschaffen, wir gehören Dir, DU hast uns lieb, wir danken Dir dafür! DU hast uns Deinen lieben einzigen Sohn gesandt, dass ER uns von Satan und Sünde erlöste, wir sind Dein, ich danke Dir dafür. Jesus DU bist am Kreuz auch für meine Sünde gestorben, ich bin Dein, ich danke Dir dafür. Jose‘ zählte jede einzelne Erlösungstat Gottes auf und dankte IHM dafür. Danach ging er zur Fürbitte über für seine Familie und die Menschen seiner Umgebung, die noch so harte Herzen haben Gott gegenüber, dass ER ihre Herzen doch weich machen wolle, dass sie auch zu Jesus kommen und gerettet werden. Und so entstand durch Jose‘s Gebet eine lebendige Kirche, für die er selbst Kirchenhütten baute, dass dort das Wort Gottes verkündigt werden könnte. Er organisierte auch Bibelkonferenzen an seinem Ort, zu denen über tausend Menschen herbeiströmten und für die dreitägigen Konferenzen spendete er selbst die dafür nötigen Lebensmittel für das Essen.

Als er uns einmal in Tole‘ besuchte und sich auf einer Bank etwas ausruhte von der zwölfstündigen Reise zu Fuß und zu Pferd, setzte ich mich neben ihn und wollte ihn vieles fragen. Doch er antwortete mir: Carlota, bevor ich mit Dir rede, möchte ich erst mit Gott reden und Ihm danken! - Zuerst Gott, dann erst alle anderen!

Durch seinen ununterbrochenen Gebetsumgang mit Gott hatte er fast eine prophetische Schau, nicht in Visionen oder Träumen, sondern ein Wissen um Gottes Willen in jeder Lage. Als ich ihn einmal besuchte, durfte ich in einer neuen Grasdachhütte schlafen, die er extra für Besucher gebaut hatte. Aber eine giftige Schlange hatte doch an einem Morgen ihren Weg in unsere Hütte gefunden und sich dort irgendwo versteckt. Ich lief zu Jose‘ und sagte: „Jose‘, Culebra! Eine Schlange ist in unserem Haus!“ Er lief so schnell ‚dass ich nicht mitkam zu unserer Hütte, schnitt sich im Laufen einen dicken Ast von einem Baum ab und suchte und fand schließlich die Schlange und tötete sie. – „Das ist aber eine ganz besonders giftige Schlange, für die es kein Heilmittel gibt! Die hat der Teufel Euch gesandt, aber Gott hat Euch bewahrt vor dieser Schlange, danke, Vater!“ – Wie dankten wir unserem himmlischen Vater für Seine Bewahrung! Als wir am nächsten Morgen ganz früh los reiten wollten, um in drei Stunden in Chichica in unserem Holzhäuschen zu sein, kam er mit vielen anderen noch zur Verabschiedung und betete für unsere Reise: „Carlota wird um zwei Uhr in Chichica sein, Vater bewahre sie auf dem Ritt unterwegs und lass es nicht eher regnen!“ betete er. Ich dachte: Wie kommt er darauf zu sagen, dass wir um zwei Uhr erst in Chichica sein würden? Ich wollte doch ganz früh schon am Vormittag dort sein! Doch unsere Pferde gingen diesmal so langsam und grasten friedlich immer wieder, dass wir gar nicht vorwärts kommen konnten. Wir hörten schon den Donner rolIen und sahen die dicken Regenwolken heraufziehen. Mit letzter Kraft ritten wir in unser Gehege am Haus hinein, sprangen ab vom Pferd und da begann ein wolkenbruchartiger Regen herunterzuprasseln. Ich sah nach der Uhr: es war zwei Uhr und wir waren zu Hause im Trockenen!

In den letzten Jahren seines langen Lebens wurde Jose‘ blind, doch er verlor sein fröhliches Lachen nicht und blieb weiter mit dem HERRN JESUS im Gebet verbunden. Als er wusste, dass der HERR ihn rufen würde und es heimwärts in die Gegenwart Gottes ging, rief er seine Familie an sein Bett und betete für sie alle und segnete sie. Danach legte er sich hin und schlief im Frieden ein, um in der Herrlichkeit bei Jesus aufzuwachen und mit neuen Augen IHN zu sehen, dem er sein Leben gegeben hatte und dem er allein gefallen wollte. „Lasset uns IHN lieben, denn ER hat uns zuerst geliebt!“ das war der Grundton seines Lebens.

Der obige Bericht wurde im Januar 2000 von Charlotte Teubner, in Stadthagen Deutschland geschrieben. Sie hatte Jose schon kurz vor seiner Bekehrung kennen gelernt und lebte 37 Jahre in Panama und wohnte unter den Guaymi-Indianern. Jose wurde etwa 90 Jahre alt, man weiß sein Alter nicht genau, weil damals die Geburtsdaten nicht registriert wurden. Wir hätten den von allen geliebten Bruder gern zu einer Augenklinik geschickt, wo man ihm sicher mit einer Staroperation das Augenlicht hätte wiedergeben können, doch er weigerte sich, sein inneres Auge jedoch blieb ungetrübt. Er betete jeden Tag für viele Menschen, die er kannte, mit Namen, auch besonders für „Carlota“, die Missionarin, die von weither gekommen war, um ihnen von der Liebe Gottes durch den Kreuzestod Seines geliebten Sohnes Jesus für unsere Sünden zu sagen, damit sie von dem ewigen Verderben erlöst würden und ewiges Leben bei Gott hätten.

SO SEHR HAT GOTT DIE WELT GELIEBT, DASS ER SEINEN EINGEBORENEN  SOHN GAB, AUF DASS ALLE, DIE AN IHN GLAUBEN NICHT VERLOREN WERDEN, SONDERN DAS EWIGE LEBEN HABEN.
Johannes 3,16

 

Hoffnungslose Fälle?!

Sollte dem HERRN etwaz unmöglich sein?

Genaro M. war für mich ein hoffnungsloser Fall. -  Er kam von der anderen Seite der Berge, wo die dort ansässigen Indianer viel rauher und grausamer sind, als die  schon  etwas „zivilisierteren“ Indianer auf „unserer Seite“ im Bergland von Chiriqui.--

Bei den Guaymi Indianern gilt es als die größte Ehre, wenn ein Mann im Faustkampf den anderen besiegt, indem er mit seinen Fäusten auf den anderen einschlägt, solange bis dieser blutend am Boden liegt. Doch dürfen beide nur mit ihren  Fäusten dem anderen ins Gesicht schlagen, an keine andere Stelle des Körpers!—Doch nur in betrunkenem Zustand und vor den Augen einer Zuschauermenge wird dieser Faustzweikampf ausgeführt und beide Männer werden von „ihrer Seite angefeuert“ weiter zu schlagen, bis der andere bewusstlos am Boden liegt! – Nicht nur in den Bergen, besonders bei den heidnischen „Balseria“ Festen finden solche Zweikämpfe statt, aber auch sogar in den Städten und auf den Strassen, wie z.B. in Boquete , sodass die „zivilisierten Latinos“ sich den wilden Indianern haushoch überlegen fühlen! ---

Genaro war einer, der in der Wildnis, wo er aufgewachsen war, schon etwas von der Feindesliebe im Evangelium gehört hatte, doch von Hunger und Abenteuerlust getrieben war er über die Berge  gewandert, wo er Arbeit auf den Kaffeefarmen von Boquete fand und Geld verdiente, was er zum Kauf von alkoholischen Getränken verbrauchte.- Auf den Farmen, wo alle eng zusammengedrängt wohnen, fand er schliesslich Kumpels, die ihn zum Zweikampf aufforderten. Und so ging er nach einigen Versuchen, die hiesige Indianerkirche zu besuchen, mit den anderen Indianern nach jedem Geldempfang zu einem ausführlichen Trinkgelage, was meist mit einem Faustkampf mit anderen, die ihn „beleidigt“ hatten, endete. So fand ich ihn oft vor einem der kleinen Läden stehend mit verschwollenem Gesicht an und mit lallender Stimme sage er: „Carlota, wann ist  der Gottesdienst bei Euch?“ - „Das weißt du doch, Sonntag vormittag um ein halb zehn  Uhr!“ – „Ja, ich komme nächsten Sonntag zu Euch!“ -  Doch dabei blieb es; Genaro kam nicht vom Trunk los, doch wir fingen an, für ihn zu beten, auch sein zehnjähriger Sohn, der schon als Kind zum Glauben an Jesus, den Retter auch vom Alkohol, gekommen war. ER kam ja, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist—auch Genaro! Aber dann, an einem Sonntagmorgen, als ich in die Kirche trat, sah ich zu meinem großen Erstaunen Genaro mit seinem Söhnchen stehen und ich fiel ihm vor Freude um den Hals (was man bei Indianern nicht machen darf) und sagte: „Genaro, wie freue ich mich, dass Du nun endlich gekommen bist!“ .Doch diese Freude währte nicht lange, denn als er wieder mit seinen alten Kumpels zusammen war, die ihn wegen seines Kirchenbesuches hänselten, war er wieder im Zweikampf verwickelt!--  Doch dann kam unser treuer Evangelist Daniel, der auch von der „anderen Seite der Berge“ kam und ihn kannte, und sprach lange mit ihm, und Genaro übergab Jesus sein Leben!

Jesus, der Sohn Gottes, hatte auch bei ihm die Bande der Trunkenheit besiegt, als ER am Kreuz auch für Genaros Sünden starb. -

Nun fing für Genaro ein neues Leben an, das merkten besonders seine Frau und ihre fünf Kinder. Aber auch die ungläubigen Indianer, die mit ihm auf einer der weltfernen Farmen am Fuße des höchsten Berges von Panama wohnten und arbeiteten, und Genaro fing an, kleine Zeugnisgottesdienste zu halten, und, was er von Jesus, dem starken Erlöser wusste, weiterzugeben, und las aus der Bibel vor. Bruder Daniel besuchte und ermutigte ihn jedesmal, wenn er nach Boquete kam.

Doch dann kam der altböse Feind wieder zu ihm „zu Besuch“ und verführte ihn zu einem kleinen „Trank!“ -  Doch diesmal  meldete sich sein Gewissen und klagte ihn an und wieder war es Bruder Daniel, der mit ihm reden und beten und ihn zurecht -bringen konnte. Als ich ihn dann, da er jetzt näher bei der Stadt  wohnte,  in der Kirche sah, begrüßte ich ihn freudig mit seiner Frau und dem jüngsten Kind und er bat um Fürbitte für seine Frau, die sehr elend war und kaum mehr essen konnte. Gott erhörte unser Gebet und heilte die Frau. Genaro sah ich dann fast jeden Sonntag im Gottesdienst mit einem so befreiten Lächeln, wie ich es vorher nicht für möglich gehalten hätte! – Ja, bei Gott sind alle Dinge möglich, DANKE, HERR JESUS!

Dem anderen Genaro M. begegnete ich bei unserer kleinen Donnertagabend Indianer Bibelstunde, die ich in unserem Hause hielt. Er war mit der Tochter eines gläubigen Indianerbruders verheiratet, die eifrig zu unseren Bibelstunden mit ihrem Vater und drei Kindern kam. Und einmal war auch Genaro, ihr Mann, dabei. Ich begrüßte ihn und fragte ihn, warum er denn so traurig dreinschaute, was er mir natürlich nicht beantworten konnte. – Doch die biblische Botschaft, die ein Indianerbruder in seiner Sprache gab, bewegte ihn, und als dieser nach der Bibelstunde noch lange mit ihm über den Weg des Heils persönlich sprach, übergab Genaro dem HERRN Jesus sein Leben.- Von da an wandelte sich sein trauriger Gesichtsausdruck völlig und ich staunte über sein strahlendes Gesicht. Er kam danach regelmäßig mit seiner Familie zu unseren Bibelstunden. Doch als er auf eine andere Farm versetzt wurde, kam er nicht mehr, es war zu weit, - oder?! Er irrte vom rechten Wege ab, und ich hörte, dass er sich weit entfernt hatte und keine Gemeinschaft mehr mit dem HERRN und Seinen Kindern hatte. So kam er am letzten Sonntagnachmittag zu uns, und er sprach lange mit mir und erzählte mir von dem tiefen Fall, den er getan hatte. Doch er wolle zurück zum HERRN kommen, sagte er mir. Ich konnte ihm aus dem Worte Gottes den Weg der Rückkehr zeigen, und er wollte dies annehmen. Knieend betete er, was er selbst vorschlug, bekannte seine Sünden und  nahm  die Vergebung an.  Welch eine Freude der Vergebung wurde auch bei ihm sichtbar! JA, JESUS nimmt die Sünder an:

„JESUS nimmt die Sünder an, saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann: JESUS NIMMT DIE SÜNDER AN!“

 

Krankheiten -- woher kommen sie?!

Das ist die große, fast unlösbare Frage, die alle Guaymi bewegt und die besonders die Mütter immer wieder um das Leben ihrer Kinder bangen lässt. Der einzige, der ihrer Meinung nach helfen kann, ist der Zauberer oder Schamane, der Macht über die bösen Geister hat, denn alle Krankheit, so sagt man,  wird verursacht durch böse Geister, die aktiv werden, wenn ein Feind der Familie einen Zauberfluch ausspricht! Dann wird jemand aus dieser Familie, meist das jüngste Kind‚ schwer krank und stirbt. — Der Zauberer muss aber vorher noch herausfinden, wer diesen Fluch ausgesprochen hat, um dann den Zauberfluch auf den betreffenden zurückzuschicken! Dieser wird dann krank und stirbt und das kranke Kind wird dann wieder gesund!! So ist das Leben der Guaymi-Indianer ein steter Kampf um das Überleben und die Bestrafung der Ausrottung ihrer vermeintlichen Feinde!

Doch eine der tödlichsten Krankheiten sind die Masern, gegen die die Guaymi keine Abwehrkräfte haben und die sich schnell ausbreiten in den Familien, die in ihren Hütten so eng beieinander wohnen. Da bringt man uns einen etwa zwölfjährigen Jungen mit Namen Basileo nach Chichica. Seine Eltern gehören der Mama-Tschi-Religion an und hatten schon ihren Sohn zum Zauberer gebracht, der aber nicht heften konnte!  Die Mutter, eine schon ältere, finstere Frau, sagte uns, dass wir ihren Jungen schnell „heilen“ sollten, denn sie müsste gleich wieder nach Hause gehen!  Doch Basileo war am Rande des Todes. Unsere Krankenschwester Nies zählte den Puls, etwa 180, und der zähe Schleim in beiden Lungen ließ dem Jungen kaum noch die Möglichkeit zum Atmen.  Wir standen ratlos am Lager des in den letzten Zügen liegenden Kindes. Doch ein junger Guaymi Bruder, der mit uns in der Krankenhütte war, erklärte den heidnischen Eltern, dass hier nur noch der Allmächtige Gott helfen könnte durch ein Wunder Seiner Macht. Doch ER sei groß und habe sie so lieb, dass ER dies tun könnte, wenn wir IHN darum bitten würden.  Die Eltern willigten zögernd ein, dass wir für das sterbende Kind beten sollten.  Während des Gebetes bemerkte ich, wie der Junge sich zu räuspern begann, wozu er vorher gar keine Kraft hatte und es schien uns, als ob der zähe Schleim in den Lungen in Bewegung geriet.   Mit flüsternder Stimme verlangte er nach Wasser,  was,  wie der Zauberer sagte,  dem Kranken schaden würde und als wir es ihm gegeben hatten, begann er zu husten,  und wir merkten, dass Gott hier ein Wunder getan hatte. Der Puls begann sich zu verlangsamen, sodass wir ihn, nachdem wir ihm einige Bibelverse in seiner Sprache vorgelesen hatten, mit seinen Eltern alleinlassen konnten.  Am Morgen sahen wir dann, dass Gott wirklich Gnade zum Leben gegeben hatte,  und er begann sich langsam zu erholen.  Über eine Woche lang konnte er nicht sprechen, so ausgedörrt war er, doch dann lächelte er glücklich, wenn wir in seine Hütte zu ihm kamen.

Inzwischen waren seine anderen Geschwister daheim auch von Masern angesteckt worden und die Mutter drängte darauf, dass wir Basileo „schnell heilen“ sollten, dass sie nach Hause zu den anderen kranken Kindern gehen konnten. Als der Vater dann schließlich heimging mit Medizin, die wir ihm mitgegeben hatten, fand er eins seiner Kinder tot zu Hause. Es war am Abend bevor er kam, gestorben.  Nun beeilte er sich, die anderen kranken Kinder und Familienglieder,  darunter auch zwei junge Frauen, zu uns zu befördern, damit sie nicht auch noch sterben würden. So hatten wir nun fünf kranke Kinder und zwei junge kranke Frauen in unserer kleinen Krankenhütte. Das zweieinhalbjährige kleine Mädchen kam so ausgedörrt bei uns an, dass es auch ein „hoffnungsloser Fall“ zu sein schien! Es hatte sechs Tage lang nichts mehr getrunken und die Leute glauben der Lüge des Zauberers, dass das Wasser den Fieberkranken schadet!  So waren die Augen ganz eingesunken, die Gesichtshaut verdorrt und der Mund mit einer dicken Kruste bedeckt, ebenso die Zunge, die blutete, als Nies versuchte den Mund zu reinigen.  Es war so schwer, der jungen Mutter beizubringen, dass sie dem Kinde dauernd etwas zu trinken geben müsse.  „Es will nicht trinken!“ war ihre Entschuldigung  und so lassen sie das Kind lieber sterben, als einem Kinde gegen seinen Willen etwas zum Trinken zu geben, zumal die Mutter immer noch glaubt, es könne dem Kinde schaden,  und dann sind wir schuld an dem Tode ihres Kindes. Wir beteten um Weisheit, denn auch von uns wollte das Kind keinen Löffel Wasser annehmen. Da gab uns Gott den Rat, es doch mit warmem süßen Tee zu versuchen- und siehe da,   das Kind schlürfte dankbar den süßen Tee und bald merkten wir, wie die eingefallenen Augen sich wieder zu „runden“ begannen, und auch die Gesichtshaut wieder normal auszusehen begann!!  Welche Freude! Danke, HERR Jesus!  Und bald konnte die ganze Familie mit der einfachen Wasser- oder Tee-Diät wieder gesunden und dann fröhlich nach Hause reiten oder gehen!

Einige Zeit später hatten wir uns vorgenommen, einen Besuch am Weißen Felsen zu machen, der spitz von den anderen Bergen der Umgebung absticht und den man auch besteigen kann, weil dort der gläubige Bruder José wohnt, der ihn oft besteigt, weil er zu seinem Landbesitz gehört. Unterwegs hörten wir, dass in der dortigen Gegend viele an Masern erkrankt seien. Nies, unsere holländische Krankenschwester hatte sich deshalb schon mit Penicillin Spritzen eingedeckt und so ritten wir los, vier Reiter auf zwei Pferden!! Die Leute, denen wir unterwegs begegneten, erzählten uns von den sechs Masernkranken, die dort schon in den letzten Tagen gestorben seien. Nach fünfstündigem Ritt sahen wir nun tief im Tal unten ein halb zerfallenes Haus, in dem schon einige der Masernkranken gestorben seien. Auf dem Wege dorthin sahen wir zwei rohe Holzkreuze und dazwischen ein kleines aus Stöckchen gefertigtes Kästchen, das mit Steinen beschwert war. Und auf den drei zur Hütte führenden Pfaden sahen wir diese merkwürdigen Kreuze und Kästchen. Unser Indianerbruder, der mit uns ritt, erklärte uns, dass dies „Geisterfallen“ sind, da die bösen Geister die Menschen töten wollen, aber in diesen Kästchen gefangen werden, sodass sie nicht zu den Kranken können. Wir kletterten darüber hinweg und sahen in der Hütte etwas wie einen „Käfig“, der mit langen Farnkräutern besteckt und mit Ranken zugebunden war. Darin lagen stöhnend zwei schwerkranke junge Frauen, dann eine Mutter, die ihr schwer atmendes Kind von einem Jahr verzweifelt an die Brust drückte und ein ca. achtjähriges Kind mit seiner Mutter in der Ecke der Hütte! Draußen saß ein junger Mann und bewachte die scheinbar dem Tode Geweihten. Wir fragten ihn, ob wir den Kranken Medizin geben dürften. Er sagte nur „Der „Besitzer“ der Kranken ist nicht hier!“, doch er zwinkerte mit den Augen, was heißen sollte, - „Ja“! - Nies gab ihnen die Penicillin Spritzen und ich flösste den Kranken Wasser in den Mund, was sie gierig tranken. Wir gaben ihnen die Medizin im Namen Jesu und mussten wieder weiter reiten. Doch ein schwacher Hoffnungsschimmer lag nun über der Hütte des Todes. Und als wir am nächsten Morgen wieder vorbei ritten auf dem Wege nach Chichica, sahen wir, wie die Todgeweihten uns fröhlich zuwinkten, nachdem wir ihnen noch einmal Wasser und Medizin verabreicht hatten! Die Hütte des Todes war zum Haus des Lebens geworden! Und bald konnte das Evangelium in dieser weltfernen Gegend Fuß fassen und viele kamen zum Glauben und eine lebendige Kirche entstand dort, wo die bösen Geister solange gehaust hatten mit ihren todbringenden Lügen! Jesus der Lebensfürst hatte dort Einzug halten können und viele bekannten sich zu IHM, der sagte. ICH BIN der WEG, die WAHRHEIT und das LEBEN!“

Weihnachten in der Indianerhütte

Es war mein zweites Weihnachtsfest in Panama. Die Weihnachtsfeier in der großen Grasdachhütte beim Nachbarn Domingo in Chichica war vorüber. Es wurden spanische Weihnachtslieder gesungen und der Guaymi-Pastor Tiburcio hatte eine gute Weihnachtspredigt in der spanischen Sprache gehalten. Verschiedene Indianer waren von weither gekommen und blieben deshalb über Nacht bei uns in Chichica. Nach einer Schale Kaffee, die wir ihnen anboten und einigen Liedern, die wir noch in unserem Holzhaus mit ihnen sangen, baten sie uns um einen von den leeren Säcken, die wir meist den Pferden unter ihre Sättel legten, dass sie darauf auf der Erde schlafen könnten. Und so legten sie sich unter dem klaren Sternenhimmel irgendwo unter einen Baum auf die Erde und waren bald fest eingeschlafen.

Eleanor und Connie, meine Kolleginnen und ich, schenkten uns auch noch eine Tasse Kaffee ein und fanden in einem Weihnachtspäckchen noch einige Kekse, die wir andächtig verzehrten. Dann zog sich jede von uns drei Missionarinnen in ihr Zimmerchen zurück und bald lagen auch Eleanor, die Amerikanerin und Gonnie, die holländische Krankenschwester in tiefem Schlaf. Ich hatte in meinem Zimmerchen zur Feier der Heiligen Nacht zwei Petroleum Lampen angezündet und einen winzigen “Weihnachtsbaum“ von Spargelkraut mit Lametta behängt und einige Weihnachtskarten auf das kleine Tischchen gestellt. Ich legte dann eine alte Kassette mit Weihnachtsliedern auf mein etwas ausgeleiertes Tonbandgerät und lauschte andächtig den alten deutschen Weihnachtsmelodien. Es war fast wie etwas “deutsche Weihnachtsstimmung“ aufgekommen, als ich andere weniger melodische Töne hörte. Da war irgendwo jemand, der hustete, nicht einmal, sondern fortlaufend, anhaltend. Ich wollte nicht hinhören auf diesen unmelodischen Klang, lieber auf die schönen Weihnachtstöne, doch der Husten übertönte sie. Wer war das denn nur? Er hört ja gar nicht mehr auf. Ja, da war doch noch abends spät ein junges Indianer-Ehepaar mit einem kleinen Baby angekommen, die wir dann in unserer kleinen Krankenhütte mit den Lehmwänden unterbrachten, wo sie sich von ihrer langen Reise ausruhen sollten, während wir bei den Nachbarn zur Weihnachtsfeier gingen. Und nun hustete der Mann so sehr, dass er gar nicht mehr aufhören konnte. “Der braucht Hustenmedizin!“ dachte ich, aber das ist ja Sache der Krankenschwester Gonnie. Die wird das schon hören und ihm die richtige Medizin bringen!“ Doch nichts rührte sich, sie lag schon im tiefen Schlaf und hörte nichts! Ich hatte gerade angefangen meine Weihnachtspost aus Deutschland zu lesen, doch ich konnte mich nicht darauf konzentrieren, immer hörte ich den hustenden Mann. „Geh Du doch hin. Du weißt doch auch wo die Medizin ist!“ mahnte mich eine Stimme. “Ach, aber draußen ist es dunkel und es könnte eine Schlange auf dem Weg sein, die ich nicht sehen kann im Dunkeln!“ entschuldigte ich mich. „Aber du hast doch eine Taschenlampe, geh doch!“ sagte mir die Stimme. Schließlich schaltete ich das Tonband aus, ging zum Medizinraum und holte die Hustenmedizin, nahm ein kleines Petroleum Lämpchen mit und ging den kleinen Hügel hinunter zu der Krankenhütte. Tiefes Dunkel in der Hütte und großes Erstaunen, als plötzlich ein kleiner Lichtstrahl die dunkle Hütte erhellt. Ich sehe den Mann in der Hängematte sitzen und husten, husten, husten, - ganz erschöpft ist er! Die junge Frau drückt ihr kleines Baby hilflos an die Brust, sie sitzt neben ihrem Mann auf einem kleinen Schemel und kann ihm nicht helfen. Erschrocken sieht sie mich an, doch ich rede ihr freundlich zu und flöße die Hustenmedizin ihrem Manne ein, der sofort mir dem Husten aufhört und erschöpft in die Hängematte zurücksinkt. Hilfe im letzten Moment, denke ich und heute ist Weihnachten, Heiliger Abend!! Was soll ich ihnen nur sagen? Die Weihnachtsgeschichte erzählen? Sie kennen sie ja nicht und wissen nichts von Jesus! Jetzt wollen sie ja nur schlafen und nach dem anstrengenden Husten ausruhen! Ich lasse das Öllämpchen mit seinem leise flackernden Schein bei ihnen und gehe nach oben in mein kleines gemütliches Weihnachtszimmer! Ich bin tief beschämt und könnte weinen über meine Selbstsucht und Eigenliebe, die nur an sich und nicht an die Not des Nächsten denkt. Ich werde erinnert an die erste Weihnacht, wo auch ein junges Ehepaar in einer dunklen Hütte die Nacht verbrachte, wo ihnen der Heiland der Welt geboren wurde, ohne irgendwelche menschliche Hilfe. Aber dort jubelten die Engel und die Herrlichkeit des Himmels tat sich über der dunklen Welt auf. Der Heiland, der Retter ist geboren, der der Sündennot und dem ewigen Verderben der Menschheit ein Ende macht und die verschlossene Tür zum Himmel wieder auftut! Welch eine Freude und welch ein Weihnachtsgeschenk!

Danke HERR JESUS, dass Du Mensch geworden bist und nicht den dunklen Stall und die Armut der Erde gescheut hast, damit wir armen Menschen reich werden könnten an himmlischen ewigen Gütern und ewiges Leben haben!

“Ihr kennt die Gnade unseres HERRN JESUS CHRISTUS: Obwohl ER reich ist, wurde ER doch arm um euretwillen, damit ihr durch Seine Armut reich würdet!“ – Danke, HERR JESUS!

Eine merkwürdige Weihnachtspredigt

„Dies ist mein Freund Antonio,“ sagte der junge Indianerbruder Fabio nach dem spanischen Gottesdienst in der Latinokirche von Boquete. Antonio schaute verlegen zu Boden und reichte mir etwas linkisch seine Hand zur Begrüßung. Ich dachte gleich abwertend bei mir: „Nun, der kann wohl nicht bis  drei zählen!“ und wunderte mich nur, dass der intelligente Fabio solch einen merkwürdigen Freund hatte. Bei dem nun folgenden Guaymi-Gottesdienst besprachen wir biblische Gestalten und ich bat einige der Brüder, die gut lesen konnten, einige Verse zu lesen. Unsicher schaute ich zu Antonio herüber und fragte ihn, ob er wohl lesen könnte. „Ja,“ sagte er bescheiden und las dann fließend und mit Ausdruck die angegebenen Verse aus der spanischen Bibel vor. Als er am folgenden Sonntag wieder in der Kirche erschien, - er arbeitete auf einer der Kaffee-Farmen von Boquete, - erfuhr ich, dass er bis zur vorletzten Klasse der Oberschule gegangen war, aber die letzte Klasse vor dem Abitur konnte er aus finanziellen Gründen nicht absolvieren. Seine Guaymi-Eltern hatten ihn als kleines Kind an eine Latino-Famile „verschenkt“, die ihn erziehen und versorgen sollte und so wuchs er in einer fremden, katholischen Familie, die nur spanisch sprach, auf, bekam zwar eine gute Schulbildung, hatte aber kaum mehr Kontakt zu seiner Guaymi-Familie. Doch sagte ihm die katholische Kirche, zu der er gehen musste, nicht zu und er suchte nach der Wahrheit und fand durch das Hören von evangelistischen Radiosendungen den Weg zu Jesus als seinem persönlichen Heiland. Mit großem Hunger las und studierte er in der Bibel und fand schließlich auch zurück zu seinem Guaymi-Stamm, wo er, um Geld zu verdienen, auf Kaffeefarmen arbeitete und gläubige Freunde fand, wie den jungen Bruder Fabio, der ihn zu unserem Gottesdienst mitnahm. Doch hatte Gott ihm eine große Liebe zu den verlorenen Guaymis aufs Herz gelegt, sodass er jede Gelegenheit wahrnahm, um ihnen das Evangelium zu bringen. So ging er besonders zu den weit entfernten und schwer zu erreichenden Indianerfamilien und brachte ihnen die Frohe Botschaft von Jesus, dem Retter. Er scheute keine schwierigen und weiten Wege und war an jedem freien Tag unterwegs, die Verlorenen zu suchen. Ich sagte zu ihm einmal: „Es ist ja so wenig, was ich mit meinem fehlerhaften Guaymi den Guaymi-Indianern sagen kann, es ist kaum der Rede wert!“ Da sagte er zu mir: „Der kleine Junge, der damals nur fünf Brötchen und zwei Fische für sich hatte, übergab dies alles dem HERRN Jesus und damit sättigte Jesus fünftausend Menschen. Das will Jesus auch mit Dir machen, wenn Du und ich das bisschen, was wir haben, Jesus übergeben, dann kann er auch tausende von Menschen damit speisen!“ Wie hat mich dies im Glauben ausgesprochene Wort getröstet und gestärkt!

Und nun war Weihnachten gekommen. Bei den katholischen Latinos ist es üblich, dass sie am Heiligen Abend um Mitternacht zur Weihnachtsmesse gehen und danach die ganze Nacht essen und trinken und tanzen und am 25. Dezember dann keinen Gottesdienst haben. Da dies aber nicht bei den Guaymi-Indianern üblich ist, lud ich die Guaymi-Geschwister zu einem Weihnachtsgottesdienst am Vormittag um 10 Uhr ein, zu dem sie auch vollzählig mit großer Freude erschienen. Wir sangen mit Begeisterung viele Weihnachtslieder, aber auch andere Evangeliumslieder und ich erzählte ihnen die Weihnachtsgeschichte mit Flanellbildern. Doch fehlte uns noch jemand, der eine kleine Weihnachtspredigt halten könnte. Da keiner von den jungen Brüdern dazu in der Lage war, fragte ich einfach Antonio, ob er nicht für uns eine kleine Weihnachtspredigt halten könnte. Nach kurzem Überlegen sagte er zu.

Festen Schrittes ging er nach vorne, schlug seine Bibel auf und las im 1. Kapitel des Matthäus Evangeliums die Verse 1-16, wo uns der Stammbaum Jesu aufgeschrieben ist. Es stehen da lauter Namen, davon einige bekannte, aber die meisten sind unbekannt. Ich war „entsetzt“ über diesen Predigttext! Was konnte er wohl mit den vielen Namen vor einer Guaymi-Indianer Versammlung anfangen, da die Guaymis sowieso ihre Namen möglichst geheim halten! Doch dann horchte ich auf. Mit klarer Stimme sagte Antonio: In diesem Geschlechtsregister Jesu finden wir die Namen von fünf Frauen. Es ist sonst üblich, dass nur die männlichen Nachkommen genannt werden, aber hier werden uns fünf Frauen genannt, die uns etwas Wichtiges über die Menschwerdung Jesu, über Weihnachten aussagen. Zuerst wird uns Tamar genannt. In 1. Mose Kapitel 38 wird uns ihre traurige und anstößige Geschichte erzählt. Wie hat sie gelitten unter den falschen Versprechungen ihres Schwiegervaters Juda und unter der Ungerechtigkeit der Menschen und wie sehnte sie sich nach der Gerechtigkeit Gottes! Entsprechend der damaligen Sitte half sie sich selbst und sollte dafür von ihrem Schwiegervater als Hure verbrannt werden. Doch er musste erkennen, dass sie gerechter war als er (Vers 26)! Und gerade sie wurde in den Stammbaum Jesu eingereiht! Weihnachten bedeutet GERECHTIGKEIT Gottes, sagte Antonio mit lauter Stimme, nachdem er diese anstößige Geschichte in sehr zarter Weise den Guaymis vor die Augen gemalt hatte. Ja, Gott ist wirklich gerecht, der einzig Gerechte, der unsere Ungerechtigkeiten gesühnt hat und uns zu Gerechten vor IHM gemacht hat!

Als zweite Frau wird uns Rahab genannt. Sie war keine Israelitin, sondern eine Heidin aus der gottlosen Stadt Jericho, die durch Josua eingenommen und zerstört werden sollte. Rahab war eine Hure, die auf der Stadtmauer eine Wohnung hatte, wo leicht und unerkannt, Männer zu ihr hineinkommen konnten. Sie muss eine schöne kluge Frau gewesen sein, die es aber mit der Wahrheit nicht so genau nahm, die aber über das Geschehen in der Außenwelt gut informiert war. So hatte sie auch von dem Volk der Israeliten gehört, die nach einer langen Wüstenwanderung auf Kanaan, ihr Land, herzu kamen. Sie hörte auch von den Wundern, die der Gott Israels für Sein Volk getan hatte und dabei wuchs in ihr die Überzeugung, dass dieser Gott Israels der einzige wahre Gott sein musste und nicht die Götzen, die ihre Leute anbeteten. Und so war sie vorbereitet, als die zwei israelitischen Kundschafter unerkannt in ihr Haus kamen und sie war bereit, ihnen zu helfen. Sie bat um Barmherzigkeit (Josua 2,12-15), dass sie und ihre Familie, die bei ihr im Hause war, nicht umkämen bei der Einnahme ihrer Stadt Jericho. Und Barmherzigkeit wurde ihr gewährt. So ist auch für uns Weihnachten ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, die ER uns mit dem Kommen Seines Sohnes Jesus anbietet, auf dass wir nicht verloren gehen und umkommen mit den Ungläubigen, sondern ewiges Leben haben. “Weihnachten ist Gottes BARMHERZIGKEIT“, auch für uns! Durch ihren Glauben an den einzigen und wahren Gott, wurde sie von dem Untergang der Stadt Jericho gerettet und in die Reihe der Glaubenshelden in Hebräer Kapitel elf aufgenommen und durch die spätere Heirat mit einem Israeliten wurde sie eine der Stamm-Mütter Jesu.

Als dritte Frau wird uns Ruth genannt. Ruth war eine tugendsame Frau, die Witwe eines israelitischen Mannes, aber sie selbst gehörte dem Volk der Moabiter an, das nicht zum Gottesvolk Israel gehörte. Doch war sie beim Zusammenleben mit der ausgewanderten israelitischen Familie zum Glauben an den Gott Israels gekommen und wollte, auch als Ausländerin und Witwe unter dem Gottesvolk leben. Darum verließ sie ihre Schwiegermutter Naomi nicht, als diese nach Bethlehem zurückging, sondern blieb bei ihr und fügte sich auch den in Israel gültigen Sitten und Gebräuchen und arbeitete fleißig für den Unterhalt ihrer Schwiegermutter. Gott fügte es, dass sie bei der Arbeit auf dem Felde Boas, den „Löser“ der Familie ihres verstorbenen Mannes traf, den sie um Gnade bat (Ruth 2, 2 und 10 und 14), die ihr auch gewährt wurde. Sie wurde später die Frau dieses israelitischen Mannes und die Urgroßmutter des Königs David und seines Nachkommens JESUS. Weihnachten bringt die GNADE GOTTES zu uns Menschen, auch heute jedem, der sie von Gott erbittet.

Die vierte im Stammbaum Jesu erwähnte Frau ist Batseba, eine israelitische Frau aus edlem Geschlecht, die mit Uria, einem hohen Offizier aus dem Heere des Königs David verheiratet war. In 2. Samuel 11 und 12 wird uns der tiefe Fall des Königs David erzählt, der Ehebruch Davids mit Batseba. David hatte den Tod ihres Mannes Uria verursacht, damit er Urias schöne Frau offiziell heiraten könnte. Gott sendet den Propheten Nathan zu David, um ihm seine große Schuld zu zeigen und ihn zur Buße zu führen. David erkennt und bekennt seine große Schuld mit den Worten: “Ich habe gesündigt gegen den HERRN!“ und empfängt Sündenvergebung von Gott. In dieser Geschichte und dem Leben dieser Frau, die in den Ehebruch Davids verwickelt ist, leuchtet uns die Liebe Gottes auf, die sich in der Vergebung unserer Schuld und Sünde offenbart. Gott erwählt sogar den zweiten  Sohn Davids von Batseba, Salomo, als Nachfolger für den Königsthron und zeigt damit, wie auch die größte .Sündenschuld vergeben und völlig gesühnt werden kann durch das Kommen Jesu in diese Welt, als ER am Kreuz von Golgatha für die Sünden aller Menschen starb. „Weihnachen bedeutet für uns, die VERGEBUNG GOTTES!“ sagte uns Antonio mit triumphierender Freude!

Wenn wir uns die fünfte Frau im Stammbaum Jesu ansehen, die Jungfrau Maria, dann ist es wohl nicht schwer, etwas Hervorstechendes in ihrem Leben zu entdecken. Doch was Antonio herausfand, erstaunte mich. Es war die Niedrigkeit der Maria. die Gott bei ihr angesehen hat. Sie sagt selbst in ihrem Lobgesang in Lukas 1, Vers 48: “ER hat die Niedrigkeit Seiner Magd angesehen‘‘. Nicht eine schöne, kluge, reiche und mit Vorzügen beladene Maria, sieht Gott, wie sie heute so gern uns gezeigt wird, sondern eine demütige niedrige Magd Gottes, die bereit ist, Gottes Willen zu tun. “Weihnachten ist die NIEDRIGKEIT GOTTES“, wie sie uns in dem Kommen Jesu, der arm wurde um uns reich zu machen, offenbart wird. ER braucht dazu eine niedrige Frau, die nicht viel von sich hält, noch sich groß tut, sondern die den HERRN erhebt und sich Gottes, ihres Heilandes und Erretters freut und bereit ist, den Demutsweg von Menschen verkannt und verfolgt, mit Jesus zu gehen!

Die kleine Weihnachtspredigt, die der junge Indianerbruder Antonio uns hielt, dauerte fast zwei Stunden! Sie hat uns alle aber so gefesselt, getröstet und erquickt, dass ich meinte, ich hätte noch nie solch eine schöne, aufschlussreiche und des “Merkens würdige“ Weihnachtspredigt gehört, wie diese:

Weihnachten bedeutet: Die Gerechtigkeit Gottes, die Barmherzigkeit Gottes, die Gnade Gottes, die Vergebung Gottes und die Niedrigkeit Gottes, der sich zu uns herabneigt und ein Menschenkind wird, wie wir, damit ER unsere Sündenschuld auf Sich laden könnte und uns erlöste von der Macht der Finsternis, des Todes und des Teufels. Danke. HERR JESUS!

„Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der HERR! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird!
Lukas 2, 10 und 11

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